Anleihen: Hoffnung auf Einigung im Zollstreit


05.11.18 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die bessere Stimmung am Aktienmarkt setzt deutsche Anleihen leicht unter Druck, so die Deutsche Börse AG.

"Hinter uns liegen spannende und bewegte Tage an den Finanzmärkten." So zumindest beschreibe Arthur Brunner das Geschehen im Rentenhandel. "Angela Merkels Rücktritt auf Raten wurde von Anlegern eher positiv aufgenommen", beobachte der Händler der ICF Bank. Zudem hätten Medien rechtzeitig vor den Mid-Term-Wahlen am kommenden Dienstag über eine mögliche Lösung im Zollkonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China berichtet. Präsident Trump arbeite an einem Entwurf für ein Handelsabkommen, der womöglich im Rahmen eines persönlichen Treffens am Rande des G20-Gipfels mit Staatschef Xi Jinping Ende des Monats in Argentinien die Wogen glätten könnte. "Nach dem Auftrieb an den Aktienbörsen nahm der Druck nach oben am Rentenmarkt ab." Der Euro-Bund-Future habe seit Montag von 160,6 auf 159,9 Prozent nachgegeben.

Von der höheren Risikobereitschaft hätten italienische Staatsanleihen sowie Papiere anderer europäischer Peripheriestaaten profitiert, wie Brunner anmerke. Trotz schwacher Wirtschaftsdaten und der ungelösten Haushaltsthematik zwischen Rom und Brüssel habe sich der Spread zehnjähriger Italien-Bonds zu vergleichbaren Bundesanleihen auf gut 302 Basispunkte ermäßigt. "Dass Standard & Poor‘s die Kreditwürdigkeit des Landes nicht herabgestuft hat, trug zur Entspannung bei", urteile der Händler. Lediglich den Ausblick habe die Ratingagentur auf negativ gesetzt.

Sollte es zu einer Einigung im Zollstreit kommen, hätten sich nach Ansicht von Folker Hellmeyer die Bemühungen Trumps für die gesamte globale Wirtschaft gelohnt. Dank der US-Politik öffne China die Märkte auch für Europa schneller als es zu Beginn des Jahres vorstellbar gewesen sei, wie der Analyst von Solvecon meine. "Da ist durchaus ein Dank Richtung Washington angebracht." Eine Handelsvereinbarung würde außerdem den Schaden durch die Zölle für die US-Wirtschaft begrenzen. Nehme man Chinas Stabilisierungsmaßnahmen in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar hinzu, ergebe sich zusätzliches strukturelles Potenzial auch für die hiesige Wirtschaft.

Nach Auffassung von Gregor Daniel würden VW-Anleihen von den Zahlen für das dritte Quartal und dem damit einhergehenden höheren Aktienkurs profitieren. "Der Autobauer hält an seinen bisherigen Prognosen fest", begründe der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank das Interesse. Rege auf beiden Seiten gefragt sei ein 1,1 Milliarden Euro schweres Papier (ISIN XS1206540806 / WKN A1ZYTJ) der Wolfsburger mit einem Kupon von 2,5 Prozent. Fast nur Käufe gebe es zudem für einen bis Oktober 2026 laufenden VW-Bond, der jährlich 2,25 Prozent abwerfe.

Langlaufende Bonds der Autobauer hätten sich laut Rainer Petz generell sehr stark erholt. Beispielhaft dafür nenne der Händler der Oddo Seydler Bank den Verlauf einer VW-Anleihe (ISIN XS1206541366 / WKN A1ZYTK) mit einem Kupon von 3,5 Prozent, die im Wochenverlauf von 89,5 auf knapp 92 Prozent hinzugewonnen habe. Bonds hiesiger Autobauer hätten unter anderem von den möglichen Steuersenkungen für Autos in China profitiert. Aufgrund der schwächelnden Nachfrage auf dem heimischen Automarkt plane Peking Berichten zufolge die beim Autoerwerb anfallende Kaufsteuer von 10 auf 5 Prozent zu halbieren.

Brunner bestätige den Trend und nenne beispielhaft starkes Interesse an einer Hybridanleihen (SIN XS1048428442/ WKN A1ZE21) von VW mit einer jährlichen Verzinsung von 4,625 Prozent. Seit Wochenbeginn habe der Kurs von 100,50 auf 102,50 deutlich zugelegt. Ebenso fänden Investoren Gefallen an einer im Januar 2026 fälligen Anleihe von Jaguar Landrover mit einem Kupon von 4,5 Prozent. Die Käufe hätten den Wert von 91 auf knapp 95 Prozent getrieben.

Nach den Abgaben eines im Januar 2022 fälligen, mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten Paragon-Bonds (WKN AJGSB8) infolge einer geplatzten Platzierung registriere Brunner in dieser Woche wieder deutliche Zuflüsse. Von dem Tief um 93,5 Prozent habe sich die Anleihe spürbar erholt und notiere derzeit wieder oberhalb von 100 Prozent.

Nach den jüngsten Verlusten einer Douglas-Anleihe (ISIN XS1251078009 / WKN A161MW) mit einem Kupon von 6,25 Prozent überwögen auch gegenwärtig die Zuflüsse, wie Brunner registriere. Der Wert habe von knapp 83 auf über 87 Prozent zugelegt.

Heftige Kursbewegungen verbuche Daniel in einer GE Capital-Anleihe mit einem Kupon von 6,025 Prozent. Die Anleihe habe seit Anfang Oktober von 150 auf 130 Prozent verloren. Nach Verlusten in Höhe von 23 Milliarden US-Dollar für das dritte Quartal plane das Management eine Dividendenkürzung. Damit könne General Electric jährlich vier Milliarden US-Dollar einsparen.

Herta BSC habe eine Anleihe (ISIN SE0011337054 / WKN A2NBK3) mit einem Volumen von 40 Millionen Euro erfolgreich am Kapitalmarkt platziert, wie Brunner melde. Der Bond des Fußballbundesligisten werde ab Montag handelbar sein und bringe Anlegern jährlich 6,5 Prozent Zinsen. Wofür die Mittel verwendet würden, sei offen. Vielleicht realisiere der Club den seit geraumer Zeit geplanten Bau eines eigenen Stadions. (Ausgabe vom 02.11.2018) (05.11.2018/alc/a/a)





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