Anleihen-Handel: Viele Sorgen, kaum Bewegung


10.09.18 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während die europäischen Aktienmärkte infolge zunehmender wirtschaftlicher und politischer Risiken unter Druck sind, präsentiert sich der Anleihemarkt vergleichsweise stabil, so die Deutsche Börse AG.

Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 0,37 Prozent nach 0,34 Prozent vor einer Woche rentieren. Der Euro-Bund-Future als wichtiges Rentenbarometer habe am Freitag bei 160,25 gelegen nach 163,27 Punkten vor einer Woche - vor allem allerdings wegen des Rollover in den Dezember-Kontrakt.

Dass sich die italienische Regierung zu den von der EU vorgegebenen Haushaltszielen bekannt habe, sei gut angekommen. Matteo Salvini, italienischer Vizepremierminister und Lega-Chef, habe am Mittwoch erklärt, der Haushalt für das Jahr 2019 solle die Vorgaben der EU erfüllen. Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen sei am Mittwoch wieder unter die 3 Prozent-Marke gefallen, aktuell liege sie bei genau 3 Prozent.

Unterdessen ziehe die Währungskrise in den Schwellenländern immer weitere Kreise. Nach der Türkei und Argentinien seien nun auch Länder wie Indien, Südafrika, Indonesien und Brasilien betroffen, deren Währungen hätten kräftig verloren. "Am Devisenmarkt - insbesondere bei den Emerging Markets - sind tiefschwarze Wolken die ständigen Wegbegleiter, und die weiteren Aussichten sind derzeit nicht die allerbesten", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Er melde rege Umsätze in Bonds in Türkischen Lira, Südafrikanischen Rand und Russischen Rubel.

Angesichts der Fortschritte in den Gesprächen zwischen IWF und Argentinien sowie Maßnahmen von Präsident Mauricio Macri zur Eindämmung der Krise im Land hätten sich Argentinien-Anleihen in der vergangenen Woche allerdings wieder deutlich erholt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. Der mit 7,82 Prozent verzinste Bond (ISIN XS0501195134 / WKN A0VTZV) des Landes mit Fälligkeit 2033 sei von 75 Prozent vergangene Woche auf 86 Prozent gestiegen, die bis 2025 laufende Anleihe (ISIN USP7169GAA78 / WKN A19GPQ) der Provinz Neuquen mit Kupon von 7,5 Prozent von 66 auf 75,5 Prozent. Ebenfalls zulegen können habe der bis 2038 laufende Bond (ISIN XS0501195993 / WKN A0VTZ1) mit Kupon von 2,26 Prozent.

Etwas stabilisiert habe sich die Türkische Lira, allerdings kaum oberhalb des Rekordtiefs zu US-Dollar und Euro. Daniel zufolge seien Papiere solider Schuldner wie KfW oder EIB in Türkischen Lira durchaus gesucht, aber ausverkauft, etwa die bis März 2019 laufende Anleihe (ISIN XS0484854483 / WKN A1ATAK) der EIB mit Kupon von 10,5 Prozent. Auch Brunner melde Käufe auf dem niedrigen Niveau. "So mancher setzt auf eine Gegenbewegung." Dabei könne von Entwarnung keine Rede sein. "Die Inflation ist im August auf 18 Prozent gestiegen."

Am kommenden Donnerstag stehe die nächste EZB-Sitzung an, große Neuigkeiten würden nicht erwartet. "Der EZB-Rat dürfte formal beschließen, seine Nettoanleihekäufe wie im Juni avisiert zum Jahresende einzustellen", erkläre Michael Schubert von der Commerzbank. Zudem werde die Notenbank weiter in Aussicht stellen, dass die Leitzinsen mindestens über den Sommer 2019 auf ihrem aktuellen Niveau bleiben würden.

Was die USA angehe, sei mit Spannung auf die am Freitagnachmittag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten gewartet worden. Von denen - und vor allem der Lohnentwicklung - sei Auskunft über die weitere Geldpolitik erhofft worden. Eine Zinserhöhung am 26. September gelte als fast sicher, darüber hinaus würden die meisten Analysten mit einem weiteren Zinsschritt in diesem Jahr rechnen.

Unter Abgabedruck geraten seien in letzter Woche Nachranganleihen (ISIN DE000NLB1DD3 / WKN NLB1DD) der Nord LB, wie Brunner berichte. Die Bank brauche dringend frisches Kapital, auch der Einstieg privater Investoren sei ein Thema. Sehr gut ankomme dem Händler zufolge hingegen die Anleihe (ISIN DE000A2NB8U6 / WKN A2NB8U) der Lang & Cie. Real Estate Beteiligungsgesellschaft, die vorrübergehend bei über 103 Prozent notiert habe. "Mit einem Kupon von 5,375 Prozent und fünf Jahren Laufzeit ist die Anleihe für etwas risikofreudigere Anleger sehr attraktiv", meine Brunner. Viele hätten auch gute Erfahrung mit der Vorgängeranleihe gemacht. "Und bei dem aktuellen Kurs von 102,81 Prozent liegt die Rendite immer noch bei 4,732 Prozent."

Neue Anleihen in kleinanlegerfreundlicher Stückelung seien in letzter Woche rar gewesen. Brunner berichte von einem neuen BMW-Bond in Britischen Pfund mit Laufzeit bis September 2023 und Kupon von 1,875 Prozent. Hier liege die Mindestanlagesumme bei 1.000 Pfund. (Ausgabe vom 07.09.2018) (10.09.2018/alc/a/a)





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