Anleihen-Handel: Richtung zunächst unüberschaubar


22.01.18 12:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zwischenzeitliche Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung an den Rentenmärkten sorgte im Verlauf der letzten Woche beim Euro-Bund-Future für Bewegungen in beide Richtungen, so die Deutsche Börse AG.

Im Rahmen dieses Zickzack-Verlaufs testete das hiesige Rentenbarometer aus technischer Perspektive zumindest kurzzeitig wichtige Unterstützungen, wie Klaus Stopp anmerkt, so die Deutsche Börse AG. Noch sei der Renditedurchbruch nach oben zwar nicht gelungen. Der Händler der Baader Bank rate aber dazu, die Gefahr eines weiteren Abgleitens des Euro-Bund-Future nicht zu unterschätzen.

Für den Händler der Baader Bank erinnere am Bondmarkt derzeit vieles an mutige Segler, die trotz Sturmwarnung die Segel setzen und versuchen würden, ihr Ziel am anderen Ufer zu erreichen. "Dies kann bekanntlich gut gehen, kann aber auch mit einem Mastbruch enden." Jede Anlageentscheidung könne kurzfristig richtig, aber bereits nach wenigen Tagen falsch sein. "Somit sollte man versuchen im Wind mit zu segeln, aber auch bei Böen das Segel zu raffen und dadurch die Kontrolle über das Boot zu behalten", rate Stopp.

Auch 2018 würden die Notenbanken an den Kapitalmärkten eine Hauptrolle spielen. Nach Jahren der weit geöffneten Geldschleusen scheinen die Tage der ganz großen Wertpapierkäufe durch die wichtigsten Notenbanken endgültig gezählt, so die Deutsche Börse AG. Im Euroraum würden die Zentralbanker nach Ansicht von Analysten die Zinsen womöglich früher erhöhen als bislang erwartet. Darauf deuteten die jüngsten Sitzungsprotokolle der Europäischen Zentralbank. Gegenwärtig im Gespräch sei unter anderem Ende 2018. Selbst aus Japan kämen Signale eines möglichen Abrückens von der jahrzehntelang betriebenen ultralockeren Geldpolitik. Laut Nachrichtenagentur Reuters sehe Shinichi Uchida in seiner Rolle als Chef eines Ablegers der Bank of Japan positive Bewegungen Richtung Ende der Deflation. Die Firmen profitierten von einem starken Wachstum in Übersee und in der Heimat. Inzwischen ziehe die Konjunktur seit mehreren Quartalen an.

Den Euro scheine derzeit nur wenig bremsen zu können. Am Mittwoch sei die Gemeinschaftswährung auf zwischenzeitlich über 1,23 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert. Analysten zufolge würden Spekulationen über die womöglich vorgezogene Zinswende im Euroraum sowie die Aussicht auf eine große Koalition in Deutschland stabilisierend wirken. Am Freitag sei ein Euro für etwas über 1,22 US-Dollar zu haben gewesen.

Vor dem Hintergrund einer anstehenden Heraufstufung der Bonität Spaniens durch Fitch hätten sich die Renditen zehnjähriger spanischer Staatspapiere gegenüber Bundesanleihen auf den niedrigsten Wert seit März 2015 verringert. Geringere politische Risiken und eine anziehende Konjunktur sähen Analysten als Hauptgründe für die Rückkehr in die Kategorie A. Aktuell bewerte die Ratingagentur die Südländer mit BBB+.

Dem gegenüber sehe Dadong die Vereinigten Staaten in einem schlechteren Licht und habe in der letzten Woche die Kreditwürdigkeit der USA von A- auf BBB+ mit negativem Ausblick herabgestuft. Die chinesische Ratingagentur begründe den Schritt mit den Folgen der US-Steuerreform. Durch geringere Einnahmen werde es der Trump-Regierung schwerer fallen, bestehende Schulden zu bedienen. Während der Finanzierungsbedarf künftig steige, verteuere ein höherer Leitzins und die allmähliche Reduzierung der Bilanz die Schulden für den Staat. Auf lange Sicht sehe Dadong die US-Verbindlichkeiten damit als unkalkulierbaren Faktor. Jahr für Jahr steige zudem das Ausfallrisiko. "Da China der größte Gläubiger der USA ist, sollte diese Herabstufung in Washington als deutlicher Schuss vor den Bug wahrgenommen werden", urteile Stopp.

Im Handel mit Unternehmensanleihen mache Gregor Daniel zwischenzeitlichen Kaufdruck für eine Unternehmensanleihe (ISIN XS1645113322 / WKN A2GSC0) der Hapag Lloyd mit einem jährlichen Kupon von 5,125 Prozent aus. "Deutschlands größte Containerreederei äußerte sich Mitte der Woche optimistisch hinsichtlich der künftigen Nachfrage nach Transportdiensten und sieht zudem die Frachtraten auf einem aufsteigenden Ast", begründe der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank den Zuspruch. Die gesamte Schifffahrtsbranche befinde sich im Aufwind. Am Freitag sei der bis 2024 laufende, mit einem Volumen von 450 Millionen Euro ausgestattete Wert für knapp 104 Prozent zu haben gewesen.

Vor dem Hintergrund positiver Medienberichte rund um den geplanten Verkauf der HSH Nordbank hätten Anleger zudem zu einer Anleihe (ISIN XS0142391894 / WKN 542696) des Unternehmens mit einem Kupon von 1,99 Prozent gegriffen und den Wert zwischenzeitlich bis auf 55 Prozent getrieben. Ebenfalls gesucht sei eine mit jährlich 7,25 Prozent verzinste US-Dollar-Anleihe (ISIN XS0221141400 / WKN A0EY63) der HSH Nordbank, die im Verlauf der letzten Woche von gut 54 auf 62 Prozent geklettert sei. "Medien berichten über deutlich höhere Angebote als bislang gedacht", meine Daniel. Demnach seien die US-Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers gemeinsam bereit, rund 700 Millionen Euro für die Bank zu zahlen. Nicht viel darunter läge die Offerte von Apollo.

Ansehnliche Umsätze überwiegend auf der Kaufseite mache Daniel in einer STADA-Anleihe aus. Der in 2022 fällige Wert mit einem Kupon von 1,75 Prozent habe am 19. Januar bei 101 Prozent notiert.

Über die Ausgabe einer eine Milliarde Euro schweren Anleihe (ISIN XS1752475720 / WKN A2G9G4) in Stücken von 1.000 Euro habe sich die Deutsche Bahn erfolgreich über den Kapitalmarkt refinanziert, wie Stopp berichte. Der am 17.12.2027 fällige Bond sei mit einem Kupon von 1 Prozent ausgestattet und könne vom Emittenten ab dem 17. September gekündigt werden. (Ausgabe vom 19.01.2018) (22.01.2018/alc/a/a)





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