Anleihen-Handel: Renditen weiter unter Druck


07.05.18 11:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die langfristigen Bundrenditen sind wieder auf Talfahrt, so die Deutsche Börse AG.

"Die überraschend niedrige Euroraum-Kernteuerungsrate im April hat die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen auf den niedrigsten Stand der vergangenen Wochen fallen lassen", erkläre Markus Koch von der Commerzbank. Eine niedrige Inflation mache den baldigen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik unwahrscheinlicher.

Am Freitagmorgen habe der richtungsweisende Euro-Bund-Future bei 159,21 Punkten gelegen nach 158,66 in der Vorwoche. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder nur 0,53 Prozent abwerfen nach 0,57 Prozent am 27. April und 0,64 Prozent Anfang vorvergangener Woche. Auch in den USA würden die Renditen für zehnjährige Treasuries unter 3 Prozent verharren.

Wie erwartet nichts Neues habe es von der US-Notenbanksitzung am Mittwoch letzter Woche gegeben. Am Markt rechne man weiter mit einem nächsten Zinsschritt auf der Sitzung im Juni sowie einer dritten Zinserhöhung in diesem Jahr - wahrscheinlich im September/Oktober. "Die FED nährte diese Erwartungen durch den Hinweis, dass das Inflationsziel von 2 Prozent erreicht werden kann", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. Im März habe die US-Inflation mit 1,9 Prozent schon nahe am Zielwert gelegen.

"Jerome Powell hat bereits zu Beginn seiner Amtszeit keinen Zweifel daran gelassen, dass er die bisherige Geldpolitik seiner Vorgängerin fortsetzen wird", stelle Klaus Stopp von der Baader Bank fest. Dies sei zumindest der Plan - und die aktuellen Wirtschaftsdaten sprächen dafür. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass infolge der angedachten Strafzölle und der damit verbundenen Gegenmaßnahmen der betroffenen Wirtschaftsräume auch die USA konjunkturellen Schaden erleiden werde. "Denn bei Handelskriegen gibt es in Summe immer nur Verlierer."

So würden die angekündigte US-Zölle großes Thema bleiben. Für die EU sei das Ultimatum vom 1. Mai auf den 1. Juni verschoben worden. "Gleichzeitig ist eine hochrangige US-Delegation nach China gereist, woraus sich Hoffnungen ergeben, dass der Handelsstreit nicht weiter eskaliert", erkläre Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. Auch habe der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer angemahnt, in den nächsten Wochen die Nafta-Verhandlungen zu einem Abschluss zu bringen. "Insgesamt sind dies für uns Signale, dass die Gefahr eines Handelskrieges sinkt." Damit könnten Aktien und Renditen im Laufe des Mai einen Aufwärtsimpuls bekommen.

Für den Bereich der Corporate Bonds berichte Brunner von guten Umsätzen mit der neuen Sixt Leasing-Anleihe Prozent (ISIN DE000A2LQKV2 / WKN A2LQKV) mit Laufzeit bis Mai 2022 und Kupon von 1,5 ebenso wie mit BayWa-Anleihen. Gesucht sei laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft eine Hapag Lloyd-Anleihe (ISIN XS1645113322 / WKN A2GSC0) mit Kupon von 5,125 Prozent und Laufzeit bis 2024.

Neuemissionen in kleinanlegerfreundlichen Stückelung von 1.000 Euro gebe es zum einen von Daimler, wie Brunner berichte: Die eine (ISIN DE000A190ND6 / WKN A190ND) laufe bis 2022 und biete 0,25 Prozent, die andere (ISIN DE000A190NE4 / WKN A190NE) bis 2025 und 1 Prozent. "Die Nachfrage hält sich angesichts der niedrigen Zinsen aber in Grenzen", stelle der Händler fest.

Außerdem habe der Windparkentwickler PNE Wind eine Anleihe (ISIN DE000A2LQ3M9 / WKN A2LQ3M) im Volumen von 50 Millionen Euro auf den Markt gebracht, wie Rainer Petz von Oddo Seydler melde. Diese laufe fünf Jahre und biete 4 Prozent. Damit sei ein Teil einer alten Anleihe im Volumen von 100 Millionen Euro ersetzt worden. "Der Kupon der alten Anleihe mit derselben Laufzeit lag noch bei 8 Prozent." Die neue Anleihe habe über die Börse Frankfurt gezeichnet werden können, die Zeichnung sei kurz nach Eröffnung der Bücher wegen starker Nachfrage wieder geschlossen worden.

Angesichts höherer US-Renditen seien Anleihen in US-Dollar weiterhin Thema, wie die Händler berichten würden - sowohl Staats- als auch Unternehmenspapiere. Mal werde gekauft, mal würden Gewinne mitgenommen, heiße es: Rainer Petz von Oddo Seydler melde anhaltendes Interesse an Bonds des US-Kosmetikkonzerns Coty (ISIN USU2203CAA90 / WKN A19YVF) und des norwegischen Ölkonzerns Statoil in der US-Währung. Daniel zufolge sei auch so Exotisches wie Anleihen (ISIN USP7169GAA78 / WKN A19GPQ) der argentinischen Provinz Neuquen in US-Dollar gefragt. Diese würden bis 2025 laufen und einen Kupon von 7,5 Prozent bieten. Beim aktuellen Kurs von 98 Prozent ergebe das eine Rendite von 7,88 Prozent.

"Was den US-Dollar angeht, gab es schon bessere Einstiegskurse für US-Anleihen, aber erst jetzt wird gekauft", stelle der Händler fest. Der US-Dollar habe gegenüber dem Euro zuletzt deutlich zugelegt: Am Freitagmittag habe der Kurs bei 1,1989 US-Dollar zum Euro gelegen - ein Viermonatstief für die Gemeinschaftswährung.

Weiter verloren hätten Türkei-Anleihen, selbst solche in US-Dollar wie ein bis 2025 laufender Bond (ISIN US900123AW05 / WKN A0DXCJ) mit Kupon von 7,375 Prozent. Dieser habe Ende April noch über 109 Prozent notiert, heute seien es 106 Prozent. "Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des Landes von BB auf BB- zurückgestuft", erkläre Daniel. (Ausgabe vom 04.05.2018) (07.05.2018/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   -   0,00% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 165,67 156,31
Werte im Artikel
94,50 plus
+3,73%
78,00 plus
+0,65%
93,75 plus
+0,62%
105,90 plus
+0,38%
99,29 plus
+0,06%
-    plus
0,00%
101,05 plus
0,00%
101,20 plus
0,00%
98,96 minus
-0,15%