Anleihen-Handel: Gegensätzliche Signale


30.07.18 10:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Gespräche zwischen den USA und der EU, künftig über den Abbau von Handelshemmnissen statt zusätzlichen Zöllen zu verhandeln, prägte in der letzten Woche das Bild an den Finanzmärkten, so die Deutsche Börse AG.

"Der Angstfaktor ist durch die Vermeidung einer Eskalation etwas raus", meine Arthur Brunner von der ICF Bank. Nun müsse man schauen, wie es weitergehe. Von den Ereignissen profitiert hätten Bonds hiesiger Autobauer. Unter anderem deckten sich Anleger Brunner zufolge mit Volkswagen-Hybridanleihen ein. Der mit jährlich 4,625 Prozent verzinste Wert habe in den vergangenen Tagen von 105 auf deutlich über 106 Prozent zugelegt.

Niemand vermöge zu prognostizieren, wie lange die gegenseitigen Provokationen ausbleiben würden, wie Klaus Stopp feststelle. Zumindest bis zu den Zwischen-Wahlen am 6. November müssten Anleger nach Ansicht des Rentenexperten der Baader Bank damit rechnen, dass sich Donald Trump seinen Wählern gegenüber als starker Präsident aufspielen werde. Für Börsianer gestalte sich die Meinungsbildung deshalb trotz aktuell positiver Signale schwierig.

Die Sitzung der Europäischen Zentralbank vom 26. Juli ohne geldpolitische Beschlüsse habe die Rentenmärkte etwas gestützt. Der Kurs des Euro-Bund-Future habe zum Handelsstart leicht auf 162,09 Prozent zugelegt, zehnjährige Bundesanleihen hätten damit eine Rendite von 0,40 Prozent erreicht. "Vieles deutet auf eine Zinserhöhung erst nach dem Sommer 2019", begründe Brunner. Die Wertpapier-Käufe würden erwartungsgemäß ab Oktober von monatlich 30 auf 15 Milliarden Euro reduziert. Wie die Wiederanlage fälliger Wertpapiere organisiert werde, sei offen.

Für Folker Hellmeyer von Solvecon Invest liefere der EZB-Rat mit seinem aktuellen Fahrplan nach wie vor eine Vollkaskoversicherung für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte. Bis zum Spätsommer 2019 würden Preisentwicklungen oder die Kreditvergabe in der Entscheidungsfindung keine oder eine nur untergeordnete Rolle spielen. Immerhin habe die Teuerung mit knapp 2 Prozent längst die EZB-Zielmarke erreicht. Zudem hätten Unternehmen im Juni mit einem Plus von 4,1 Prozent in einem Umfang Kredite aufgenommen wie seit Mai 2009 nicht mehr.

Trotz leichter Erholungstendenzen würden laut Helaba beim Euro-Bund-Future aus technischer Perspektive nach wie vor die Abwärtsrisiken dominieren. MACD und Stochastik Indikatoren würden weiter sinken. Zudem scheine sich der hiesige Indikator für die langfristigen Zinserwartungen unterhalb der 21-Tagelinie festzusetzen. Der niedrige ADX weise jedoch auf die trendlose Verfassung der letzten sechs Wochen hin, sodass ein nachhaltiger Impuls noch ausstehe. Die ersten Haltemarken erkenne die Helaba bei 161,85 und 161,75 Prozent. Hier finde sich auch das 38,2 Prozent-Retracement des Anstiegs seit Juni. Die nächste Hürde bestehe im Bereich um 162,33 bzw. 162,47 Prozent.

Die Bank of England werde nach Ansicht von Christian Apelt von der Helaba nun doch zuschlagen. Auf der anstehenden Sitzung plane die Notenbank wohl erstmals in diesem Jahr, ihren Leitzins auf dann 0,75 Prozent anzuheben - Brexit-Chaos hin oder her. Nach schwächeren Konjunkturdaten insbesondere aus dem ersten Quartal helle sich die wirtschaftliche Lage mittlerweile wieder auf, sodass höhere Zinsen im Notenbankgremium aller Voraussicht nach eine Mehrheit erhalten würden. Mit weiteren Zinsschritten wäre dann aber frühesten nach dem EU-Austritt Ende März 2019 zu rechnen - und nur, wenn mit dem Brexit alles glatt laufe.

Auf das Ausbleiben einer geldpolitischen Straffung der Türkischen Zentralbank hätten Anleger Brunner zufolge durch die Bank mit Verkäufen von Währungsanleihen in Türkischer Lira reagiert. "Bei einer Teuerungsrate von annähernd 15 Prozent und einem Leitzins von 17,75 Prozent waren die meisten Beobachter von einer Anhebung um 1,25 Prozent ausgegangen", begründe Stopp den Schwächeanfall der türkischen Währung und den massiven Rückgang türkischer Aktiennotierungen. Zwischenzeitlich habe der Euro mit 5,7823 Türkische Lira so hoch wie nie notiert. Marktbeobachter sähen in der größeren Einflussnahme Erdogans auf die heimische Geldpolitik eine Unsicherheit hinsichtlich der künftigen finanzpolitischen Haltung des Landes.

Die sich zuspitzenden Querelen zwischen Donald Trump und dem türkischen Präsidenten über den in der Türkei unter Hausarrest stehenden amerikanischen Pastor Andrew Brunson nähmen Investoren laut Gregor Daniel bislang kaum zur Kenntnis. "Das überrascht etwas", meine der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Immerhin stünden Sanktionen vonseiten der USA im Raum, solle Brunson nicht freigelassen werden.

Im Handel mit Unternehmensanleihen registriere Daniel Nachfrage nach einer neuen, mit jährlich 4 Prozent verzinsten, nachrangigen Otto-Anleihe. "Hier gab es fast ausschließlich Käufe.". Das gelte auch für einen gesuchten zu Beginn des Monats emittierten Bond von Semper idem Underberg, der ebenfalls einen Kupon von 4 Prozent biete. (Ausgabe vom 27.07.2018) (30.07.2018/alc/a/a)





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