Anleihen-Handel: Bundespapiere legen nach Verlusten wieder zu


03.08.18 16:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Freude über die Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und der EU war schnell wieder dahin, denn nun droht der Konflikt mit China zu eskalieren, so die Deutsche Börse AG.

US-Präsident Trump habe nämlich vorgeschlagen, chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar mit einem Zollsatz von 25 Prozent zu belegen. "Trump gibt an den Märkten weiter den Ton an", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank.

Dazu komme, dass sich in Italien eine neue Regierungskrise ankündige. Am heutigen Freitag findet ein Treffen zwischen dem italienischen Finanzminister, den beiden Vizeministerpräsidenten sowie dem Minister für Europaangelegenheiten statt. Hintergrund seien Budget-Streitigkeiten zwischen Finanzminister Giovanni Tria und den beiden Parteichefs und Vizeministerpräsidenten Luigi Di Maio und Matteo Salvini.

Nach einem Rückgang in der ersten Wochenhälfte lege der Euro-Bund-Future heute wieder deutlich zu und liege am Freitagmorgen bei 161,88 Punkten nach 160,90 am Mittwoch. Zehnjährige Bundesanleihen würden mit 0,43 Prozent rentieren.

Nichts Unerwartetes hätten die Sitzungen der drei Notenbanken Federal Reserve, Bank of Japan und Bank of England (BoE) in dieser Woche gebracht. Die FED habe die Leitzinsen unverändert belassen, am Markt werde weiterhin mit einem Zinsschritt im September und eventuell einem weiteren im Dezember gerechnet. Die Bank of Japan bleibe - anders lautenden Spekulationen im Vorfeld zum Trotz - bei ihrer extrem expansiven Geldpolitik.

Die Bank of England habe den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht, damit liege dieser zum ersten Mal seit März 2009 wieder über 0,5 Prozent. Überrascht habe allenfalls, dass die Entscheidung einstimmig ausgefallen sei. "Sollte es wider Erwarten einen harten Brexit geben, also Großbritannien die EU ohne eine Vereinbarung verlassen, hätte dies gravierende Folgen für die heimische Wirtschaft", meine Sintje Boie von der HSH Nordbank. Doch die BoE scheine diese Risiken fast schon fahrlässig zu ignorieren und halte weitere Zinsanhebungen im Spiel, wohl auch um ausländisches Kapital weiterhin anzuziehen.

Mit großer Sorge betrachtet werde der Anstieg der Renditen für türkische Anleihen auf Rekordwerte, der Sturz der Türkischen Lira auf immer neue Tiefs und der Einbruch am türkischen Aktienmarkt. Die Einmischung des Staatspräsidenten Erdogan in die Geldpolitik habe Investoren verschreckt, dazu sei gekommen, dass die USA in dieser Woche wegen der Inhaftierung eines amerikanischen Pastors zwei türkischen Ministern Sanktionen auferlegt und deren Vermögen in den USA eingefroren hätten. "Die skandinavische Bank Nordea geht bei der Türkei short und sieht die Gefahr eines Kontrollverlustes im Land", stelle Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Er selbst berichte allerdings nur von ein paar Verkäufen von Lira-Anleihen.

Im Handel mit Unternehmensanleihen mache sich weiter die Ferienzeit bemerkbar. "Die Umsätze sind dünn", stelle Brunner fest. Einiges an Käufen sehe er in der Hybridanleihe (ISIN XS1785474294 / WKN A19W3Z) von UBM Development mit Zins von 5,5 Prozent. Der Kurs sei im Laufe der Woche von 97,5 auf in der Spitze 99,3 Prozent gestiegen. Gut an komme eine im Juni emittierte Anleihe (ISIN US50077LAT35 / WKN A191UM) des US-Lebensmittelkonzerns Kraft Heinz Foods in US-Dollar mit Laufzeit bis 2029 und Kupon von 4,625 Prozent, wie Daniel berichte. Aktuell liege die Rendite bei 4,48 Prozent.

Neues habe es in dieser Woche von Daimler und HeidelbergCement gegeben, wie Brunner melde. Daimler International Finance habe drei Tranchen mit Laufzeit bis August 2021, April 2024 und Februar 2027 und Kupons von 0,25, 0,875 und 1,5 Prozent (ISIN DE000A194DC1 / WKN A194DC, ISIN DE000A194DD9 / WKN A194DD, ISIN DE000A194DE7 / WKN A194DE) emittiert. Die Stücklung liege bei 1.000 Euro. "Die Nachfrage ist gut." Der Baustoffhersteller HeidelbergCement habe eine Anleihe (ISIN XS1863994981 / WKN A194D1) mit Laufzeit von vier Jahren und Kupon von 0,5 Prozent auf den Markt gebracht, ebenfalls mit kleinanlegerfreundlicher Stückelung von 1.000 Euro. (03.08.2018/alc/a/a)