Anleihen-Handel: Auf der sicheren Seite


09.07.18 11:08
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten bleibt die Unsicherheit über das mögliche Ausmaß der Handelskonflikte präsent, so die Deutsche Börse AG.

Abzulesen sei die Stimmung an der Nachfrage nach Staatsanleihen bonitätsstarker Länder. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen hätten im Verlauf der letzten Woche eingebüßt. Am Freitagmorgen habe der Euro-Bund-Future bei 162,50 Prozent notiert. Das entspreche einem Ertrag von 0,3 Prozent, nach 0,34 Prozent vor einer Woche. Mit 2,84 Prozent würden auch die Renditen für vergleichbare Treasuries weiter von der 3-Prozent-Marke abrücken.

Die mit der Thematisierung einer möglichen Abschaffung von Zöllen auf Autos zwischen den USA und der Europäischen Union einhergehende Entspannung an den Aktienmärkten habe nur vorübergehenden Abgabedruck auf Staatsanleihen der europäischen Kernländer erzeugt. Nach Ansicht von Cyrus de la Rubia sei der von Richard Grenell übermittelte Vorschlag unter anderem deshalb noch nicht dazu geeignet, die Unsicherheit am Markt wesentlich zu reduzieren, weil der Zuständigkeitsbereich für Handelsfragen weder beim US-Botschafter in Berlin noch bei der Autoindustrie liege.

An anderer Stelle spitze sich die Lage zu. Auf die am 6. Juli in Kraft getretenen US-Abgaben auf ausgewählte chinesische Produkte in Höhe von 25 Prozent habe Peking erwartungsgemäß unmittelbar mit Vergeltungszöllen in gleichem Volumen ab 0 Uhr chinesischer Zeit reagiert. "Für China kommt einiges zusammen", meine der Analyst der HSH Nordbank. Die Aktienmärkte seien seit rund zwei Monaten unter Druck. Das gelte auch für die chinesische Währung. "Der ohnehin sehr hoch verschuldete Unternehmenssektor muss jetzt mit schlechteren Absatzchancen im Export, einer sich verlangsamenden Binnenkonjunktur und einem Ende des Immobilienbooms zurechtkommen."

"Ob nun Peking mit einem Währungskrieg auf den Handelskrieg reagiert, wird sich bald zeigen", schätze Klaus Stopp von der Baader Bank. Zumindest stehe angesichts der Talfahrt des Chinesischen Yuan die Frage im Raum, inwieweit China die Abwertung der eigenen Währung nutze. So könne sich das System von Drohung und Gegendrohung immer weiter hoch schaukeln.

Diese Art des Protektionismus werde den globalen Handel nach Berechnungen der Ratingagentur Fitch womöglich weltweit zwei Billionen US-Dollar kosten. Ein derartiger Einschnitt werde die globale Wirtschaft naturgemäß zu spüren bekommen, wie Mario Schad denke. Erste Gewinnwarnungen europäischer Large-Caps seien die Folge und sorgten für höhere Bewertungsniveaus des iBoxx Corporates Index. Der Index kratze inzwischen deutlich an der Marke von 70 Basispunkten und liege somit auf dem Niveau von Anfang Januar. Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität blieben tendenziell gefragt. Anleger trennten sich hingegen von Cross-over-Bonds und Papieren mit schwacher Kreditwürdigkeit. "Höhere Kredit-Spreads für BBB-Corporates sind die Folge und könnten noch weiter auslaufen", beschreibe der Anleihespezialist der HSH Nordbank.

Ein beachtlicher Faktor für den Rückgang der Kredit-Spreads europäischer Unternehmensanleihen und Auslöser der Kreditrally seit Anfang 2016 sei zweifellos das Anleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Mit dem angekündigten, graduellen Ausstieg aus der Maßnahme zum Jahresende verlören Corporate Bonds künftig eine wesentliche Unterstützung. Zudem hätten die europäischen Währungshüter in jüngster Zeit einen ungewöhnlich hohen Anteil an Corporate Bonds in ihre Bücher genommen. Nach 10 Prozent im vergangenen Jahr kämen Unternehmensanleihen im ersten Halbjahr 2018 auf rund 19 Prozent. Schad erwarte eine sukzessive Verringerung des Corporate Bond-Anteils am Gesamtvolumen auf 10 bis 15 Prozent im dritten und vierten Quartal.

Im Handel mit Unternehmensanleihen gehe es laut Market Maker vor der Sommerpause eher geruhsam zu. Gregor Daniel informiere über einem neu gelisteten Bond (ISIN XS1854532949 / WKN A2NBE6) der Fresenius Medical Care mit einem Kupon von 1,5 Prozent und Fälligkeit im Juli 2025.

Bis zum 10. Juli um 15:00 Uhr hätten Investoren zudem noch die Möglichkeit eine in 2022 fällige, mit jährlich 1,7 Prozent verzinste STADA-Anleihe (ISIN XS1199927614 / WKN A14KJB) zu einem Preis von 100 Prozent vorzeitig zurückzugeben. "Anleger nutzen das freiwillige Angebot eher für Käufe", registriere der Händler von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, wenngleich Daniel auf dem aktuellen Niveau von 100 Prozent durchaus auch Abgeber verbuche.

Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank spreche von Verkäufen einer 450 Millionen Euro schweren Hapag Lloyd-Anleihe (ISIN XS1645113322 / WKN A2GSC0) mit einem jährlichen Kupon von 5,125 Prozent und einer geplanten Rückzahlung im Juli 2024. Nach dem Rückgang von gut 100 auf knapp 97 Prozent habe sich der Bond wieder ein wenig erholt.

Ein weiterer Wert (ISIN XS1555576641 / WKN A2E4V1) von Deutschlands größter Reederei mit einem Kupon von 6,75 Prozent und Fälligkeit in 2022 sei ebenfalls unter Druck geraten, nachdem Hapag Lloyd die Gewinnprognose für das laufende Jahr gekappt habe. (Ausgabe vom 06.07.2018) (09.07.2018/alc/a/a)