Anleihemarkt: Sorgen um globalen Abschwung


24.08.15 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Griechenland ist abgehakt, jetzt blickt alles gen China: Die Turbulenzen dort führten zuletzt zu heftigen Verlusten an den Aktienmärkten, in den vergangenen zehn Tagen hat der DAX rund 1.200 Punkte abgegeben, so die Deutsche Börse AG.

"Es war ein rabenschwarze Woche für Aktien", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank. Bundesanleihen als sichere Häfen hätten profitiert. "Ein instabiler Aktienmarkt und Konjunktursorgen in China beherrschten das Geschehen", melde auch Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Nach anfänglicher Seitwärtsbewegung in dieser Woche klettere der Euro-Bund-Future, Indikator für die langfristigen Zinserwartungen, am Freitagmittag auf 155,45, vor einer Woche seien es noch 154,58 Prozent gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden nur noch 0,56 Prozent abwerfen nach 0,66 vergangenen Freitag.

Aus China würden immer mehr beunruhigende Signale kommen, am heutigen Freitag sei bekannt geworden, dass die Stimmung in der chinesischen Industrie im August auf den tiefsten Stand seit März 2009 gefallen sei. Die festlandschinesischen Börsen, die sich zwischenzeitlich etwas stabilisiert hätten, hätten weiter nachgegeben. Auch die Rohstoffpreisentwicklung trage zur Unsicherheit bei. Der Ölpreis falle und falle, der Brent-Preis liege aktuell nur noch bei 46,33 US-Dollar je Barrel. Zudem hätten viele Schwellenländerwährungen deutlich an Wert verloren, etwa die Türkische Lira oder der Brasilianische Real.

Nicht nur vor diesem Hintergrund sei es wieder unwahrscheinlicher geworden, dass die US-Zentralbank im September die Leitzinsen anhebe. "Im Protokoll der FOMC-Sitzung von Ende Juli wurde zwar deutlich, dass sie mit der heimischen Konjunkturentwicklung sehr zufrieden ist und den Zeitpunkt zur Anhebung des Leitzinses nahe sieht", erkläre Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank. Es habe sich aber gleichzeitig herauslesen lassen, dass es mit dem Erreichen des Inflationsziels noch etwas länger dauern könne.

"Das Protokoll unterstützt die Markterwartung, dass die Hürde für eine Zinserhöhung im September weiterhin hoch liegt", meine sein Kollege Rainer Guntermann. Zudem hätten die neuen Tiefstände beim Ölpreis wieder die Disinflationssorgen verstärkt und würden die Markterwartungen hinsichtlich der anstehenden Zinserhöhungen der FED verringern. "Es ist extrem schwer für die US-Notenbank, aus der Nullzinspolitik herauszufinden", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Der Vizepräsident der Notenbank von St. Louis, Stephen Williamson, habe zuletzt darauf hingewiesen, dass es bislang noch niemandem gelungen sei, eine Verbindung zwischen Anleihekaufprogrammen und einer Verbesserung der Realwirtschaft oder der Erreichung der Inflationsziele herzustellen. Das Inflationsziel von 2 Prozent sei trotz massiver Anleihekäufe in immer weitere Ferne gerückt. "Das könnte man auch auf Europa und Japan übertragen", stelle Daniel fest.

Die Entspannung in der Griechenland-Krise habe die Kurse dortiger Anleihen unterdessen nach oben klettern lassen. Daran habe auch die gestrige Ankündigung von Neuwahlen nichts ändern können. "Tsipras scheint die Mehrheit hinter sich zu haben", bemerke Brunner. "Kursgewinne wurden für Verkäufe genutzt", berichte Daniel.

Auch Tillmann melde weitere Kursverbesserung bei griechischen Staatsanleihen, ebenso Klaus Stopp von der Baader Bank (ISIN GR0114028534 / WKN A1ZGWQ; ISIN GR0128012698 / WKN A1G1UC). "Es ist allerdings zu beobachten, dass diese Kurssprünge aufgrund rechnerischer Neubewertungen weitgehend nur auf dem Papier stattfinden", räume Stopp ein. Wenn überhaupt gehandelt werde, so komme es lediglich im Kleinen zu Positionsbereinigungen. "Ansonsten aber gehen die Marktteilnehmer auf Tauchstation, wenn griechische Anleihen aufgerufen werden."

Corporate Bonds könnten sich dem Trend nicht ganz entziehen. "Panik herrscht zwar nicht, es gibt aber schon Abgabedruck bei riskanteren Papieren", meine Rainer Petz von Oddo Seydler mit Blick auf Hochzinsanleihen. Die Umsätze seien allerdings nicht hoch. Brunner zufolge habe sich der Renditeabstand zwischen Bundes- und Unternehmensanleihen, wie sonst in Krisenzeiten üblich, nicht groß ausgeweitet.

"Manche Papiere werden aber schon verkauft, etwa VW Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21)." Bei Mittelstandsanleihen stünden kleine Verluste bei einigen Papieren Kursanstiegen bei anderen gegenüber. "Katjes ist ein Beispiel." Die 2020 fällige Katjes-Anleihe mit einem jährlichen Zins von 5,5 Prozent notiere aktuell wieder bei 107,25 nach unter 105 Prozent vergangene Woche.

Die Schwäche vieler Schwellenländerwährungen führe zu regen Umsätzen mit Fremdwährungsanleihen. Daniel zufolge würden Papiere in Türkischen Lira ge- und verkauft (ISIN XS1069567151 / WKN A12TY2; ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83). "Manche ziehen lieber die Reißleine, andere sehen das als Chance." Die Türkische Lira falle auf immer neue Tiefs gegenüber dem US-Dollar, gegenüber dem Euro sei jetzt das Rekordtief vom Februar unterschritten worden. Hintergrund seien die unsichere politische Lage und Sicherheitsprobleme in der Türkei, zudem stehe das Land vor Neuwahlen. (Ausgabe vom 21.08.2015) (24.08.2015/alc/a/a)






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