Anleihemarkt: Investoren geben sich tiefenentspannt


24.07.15 15:46
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Läuft insbesondere mit Griechenland alles nach Plan, dann stehen Anlegern in den Sommerwochen nach Meinung von Händlern ereignisarme Zeiten am Rentenmarkt bevor, so die Deutsche Börse AG.

"Obwohl die eigentlichen Verhandlungen mit Athen über das dritte Hilfspaket erst bevor stehen, haben die Märkte das Thema bereits abgehakt", beobachte Arthur Brunner. Die großen Wellen seien damit abgeebbt. "Der Rentenhandel ist zur Normalität zurückgekehrt."

Ganz so reibungslos wie es zuweilen scheine, werde die Rettung Griechenlands nach Ansicht von Klaus Stopp aber nicht vollzogen werden. "Bereits bei den ersten Beschlüssen im griechischen Parlament gibt es kleine, feine, aber nicht unwesentliche Abweichungen gegenüber den mit der Eurogruppe vereinbarten Texten." Dies werde sich vermutlich wie ein roter Faden durch weitere Gesetze und Reformen ziehen, womit der nächste Stresstest für unsere Politiker bereits vorprogrammiert sei. Für den Händler der Baader Bank bleibe Griechenland ein Risiko für die Gesundung der gesamten Eurozone.

Die Gefahr eines Grexits sei mit der erwarteten Regelung zwischen Tsipras und den Geldgebern nach Meinung von Stopp lediglich ins kommende Jahr verlagert worden. Das sehe die Mehrheit von Bloomberg befragter Ökonomen zum Thema ebenso. Nur 29 Prozent der Teilnehmer hätten die Gefahr eines Grexits bis Ende 2016 als gebannt eingeschätzt, 71 Prozent hätten den Austritt aus der Währungsgemeinschaft in dieser Zeitspanne für möglich gehalten.

Auch das Thema Schuldenerlass für Hellas sei trotz Merkels ablehnender Haltung nicht vom Tisch. Der Internationale Währungsfonds (IWF) verknüpfe eine Beteiligung an weiteren Krediten für Griechenland mit einem Schuldenschnitt. Denn die Verbindlichkeiten der Regierung könnten nach Meinung der mächtigen Organisation auf 200 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt anwachsen. Sondereffekte hätten die Quote zwar auf 168,8 Prozent gedrückt. 301,5 Milliarden Euro Schulden seien für Hellas jedenfalls nicht zu stemmen. Nun habe die Bundeskanzlerin Verhandlungen über längere Kreditlaufzeiten und geringere Zinsen in Aussicht gestellt. "Eine solche langfristige Verschiebung käme aber einem Schuldenschnitt gleich", erkläre Stopp. Man nenne das Kind eben anders und zögere die Lösung des Problems nur hinaus. "Sollte Griechenland im kommenden Jahr tatsächlich den Euroraum verlassen, wären mindestens 240 Milliarden Euro aus den Taschen der Steuerzahler weg." Das entspreche dann einem Schuldenschnitt von 100 Prozent.

Das unmittelbare Risiko sei mit der Entspannung der Krise nach Meinung von Cyrus de la Rubia jedenfalls zunächst gebannt. Zwar werde der Streit mit Griechenland auf längere Sicht vermutlich immer mal wieder für Verunsicherung sorgen. "Die Renditen von Staatsanleihen dürften in den kommenden Monaten dennoch moderat nach oben tendieren", prognostiziere der Analyst der HSH Nordbank. Dazu beitragen würden der voraussichtlich für September anstehende Zinsanstieg und die verbesserten Konjunktur- und Inflationsperspektiven in den USA.

Mittelstands-Anleihen würden laut Brunner in dieser Woche auf viel Gegenliebe stoßen. "Die Nachfrage ist rege." Das 2020 fällige Produkt von Katjes International mit einem jährlichen Zins von 5,5 Prozent komme etwa gut. Mit derzeit 107,75 Prozent habe sich der Anleihe-Preis auf Wochenbasis nochmals verteuert. Häufig auf beiden Seiten gehandelt würde zudem eine bis Oktober 2018 laufende Ferratum-Anleihe (ISIN DE000A1X3V27 / WKN A1X3V2) mit einem jährlichen Kupon von 8 Prozent.

Institutionelle Investoren hätten im gegenwärtigen Zinsumfeld verstärkt auf Floating Rate Notes gesetzt. "Mit Floatern erhalten Anleger eine der aktuellen Kapitalmarktsituation angepasste Verzinsung", begründe Brunner das Interesse an dieser Anleiheform.

Von einer ruhigen Woche im Handel mit Unternehmensanleihen spreche Daniel Förtsch. "Wir spüren das Sommerloch", bemerke der Händler von der Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Etwas Bewegung verbuche Förtsch im Bereich der Fremdwährungsanleihen. Mit der wahrscheinlichen US-Zinswende hätten Anleger eine Schwächung des Euro gegenüber der amerikanischen Währung erwartet. Gute Umsätze in beide Richtungen mache der Händler zudem in einem Bond von Autozulieferer Hella mit einem Kupon von 1,25 Prozent und einer Fälligkeit im September 2017 aus.

Konzernchefs würden nach Meinung Stopps die leicht rückläufigen Renditen nutzen, um sich günstig zu refinanzieren. Goldman Sachs sei beispielsweise mit einer Dualtranche am Kapitalmarkt aktiv geworden. Eine achtjährige Anleihe (ISIN XS1265805090 / WKN A1Z4M3) mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro biete Anlegern einen fixen Kupon von 2 Prozent jährlich. Über einen zweijährigen Floater (ISIN XS1265912094 / WKN A1Z4M4) mit einem Kupon, der 55 Basispunkte über dem 3-Monats-Euribor liege, habe die US-Bank rund eine Milliarde Euro über den Kapitalmarkt eingesammelt. Aufgrund der Stückelung von 1.000 Euro seien die Bonds auch für Privatanleger interessant. (24.07.2015/alc/a/a)





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