Anleihemarkt: Inseln im Sommerloch


03.08.15 09:06
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Obwohl die konjunkturellen Impulse keine Sommerpause machen, ist in den Anleihehandel an der Frankfurter Börse ein wenig Ferienstimmung eingezogen, wie die Händler berichten, so die Deutsche Börse AG.

Das Thema Griechenland sei mit den Verhandlungen über ein neues Hilfspaket, die wohl konstruktiv verlaufen seien, in den Hintergrund getreten, fasse Arthur Brunner von der ICF BANK zusammen. Außerdem bekäme der Rentenmarkt Stütze aus China. "Neue dunkle Wolken haben sich über dem chinesischen Aktienmarkt zusammengebraut." Gleich zu Wochenanfang habe der Shanghai Composite Index 8,5 Prozent verloren.

Die Sorge um ein Abflauen der Konjunktur habe den Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) mit 154,21 Punkten fast auf das Niveau vom Vormonat geschoben, als die Sorge um einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone eine Flucht in die sicheren Häfen ausgelöst habe. Zum Wochenschluss sei das Stimmungsbarometer für die langfristigen (Niedrig-) Zinserwartungen mit 154,39 Punkten noch ein wenig fester.

Mit der Beruhigung in der Griechenland-Krise würde das Augenmerk des Marktes jetzt wieder verstärkt auf die US-amerikanische Zinspolitik gelenkt, kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Von den Ergebnissen der FED-Sitzungen in dieser Woche hätte man sich aber mehr Aufschluss erhofft. Unterm Strich "verschiebt sich eine mögliche Zinsanhebung in den September, bzw. Dezember", glaube Stopp. Auch die Helaba halte einen Zinsschritt im September für möglich.

Obwohl sich die US-Notenbank "weiterhin alle Optionen offen gelassen hat, profitiert der US-Dollar von den Zinsspekulationen, während Gold immer mehr an Attraktivität verliert", beobachte Brunner. Sabine Tilmann von Hellwig ergänze, dass die Renditen von US-Treasuries in Folge leicht angestiegen seien.

Innerhalb Europas sei das Bild gemischt: Die UBS berichte von regen Käufen italienischer Staatsanleihen, während "in Bonos vermehrt nach Bids" gefragt worden sei. Übersetzt: Die UBS-Händler hätten vor allem Verkaufsanfragen für spanische Staatsanleihen in den Büchern gehabt. Auch französische Anleihen mit mittleren Laufzeiten seien eher verkauft worden.

Sorgen um die chinesische Konjunktur würden nach Angaben eines Händlers von Oddo Seydler Papiere von Shipping-Unternehmen unter Druck setzen, zum Beispiel von CMA CMG oder Hapag Lloyd. Meldungen zu Problemen mit Sicherheiten hätten außerdem zu Verkäufen von Anleihen des spanischen Mischkonzerns Abengoa geführt.

Stopp erwarte, dass vor allem die deutsche Exportindustrie und insbesondere die Automobilbranche von der chinesischen Börsenkrise und dem Konflikt mit Russland betroffen sein sollten. Auf das Verhalten der Anleger habe dies bislang keine Auswirkungen: Wie Brunner erwähne, sei die Nachfrage nach einer Unternehmensanleihe von Peugeot, die bis 2017 laufe und mit 5,6 verzinst werde sehr hoch. Wegen des Preises von 108 Prozent bringe das Papier 1,1 Prozent Rendite. Auch andere kurzlaufende Corporates wären gesucht.

Die UBS berichte von Nachfrage nach Financials der schottischen RBS als Reaktion auf gute Quartalszahlen sowie nach Unternehmensanleihen aus den Branchen Telekommunikation und Versorger z.B. von der niederländischen KPN.

Bei Emissionen kleinerer Unternehmen beobachte Brunner größere Umsätze in einer Katjes-Anleihe, die noch bis 2020 laufe und gut 108 Prozent koste. Das drücke die Rendite auf 3,5 Prozent. Ebenfalls rege gehandelt werde eine Anleihe (ISIN MT0000911207 / WKN A1Z4JU) der Ferratum Bank, Laufzeit bis 2017 und einem Kupon von 4,9 Prozent, allerdings auch eine Mindeststückelung von 100.000 Euro.

Mittelstandsanleihen seien nach Ansicht Brunners dabei sich zu etablieren, wie der Entry Corporate Bond Index der Frankfurter Börse beweise. Der Index, der Anleihen im Entry Standart abbilde, sei seit Jahresbeginn um fast 10 Prozent gestiegen.

Neuigkeiten gebe es auch zur Hypo Alpe Adria: "Das Österreichische Verfassungsgericht hat das umstrittene Gesetz um die Bad Bank der Skandalbank Hypo Alpe Adria, der jetzigen Heta Asset Resolution AG, bei dem es um die Nichtbedienung der nachrangigen Schulden geht, für verfassungswidrig erklärt", erzähle Brunner. Davon habe die betroffene Anleihe (ISIN XS0275528627 / WKN A0G178) bislang nicht profitieren können, wahrscheinlich, weil jetzt eine Insolvenz der Heta Asset Resolution AG nicht ausgeschlossen werden könne.

Nicht nur europäische Staaten, auch Unternehmen würden ihre Emissionstätigkeit saisonbedingt herunterfahren - aber nicht alle.

Daniel Förtsch von Walter Ludwig weise auf eine neue Fremdwährungsanleihe (ISIN XS1254119750 / WKN A13SHX) der RWE hin, die in US-Dollar gegeben sei. Das Papier laufe bis 2075, werde mit 6,625 Prozent verzinst und auch von Privatanleger gerne gekauft.

Hybridanleihen würden Fremd- und Eigenkapitalzüge aufweisen. Sie seien nachrangig, würden im Insolvenzfall erst nach den anderen Fremdkapitalgebern bedient. Außerdem könne unter bestimmten, in den Anleihebedingungen festgeschriebenen Umständen, zum Beispiel bei Verlusten des Unternehmens, die Zinszahlung ausgesetzt werden. Das höhere Risiko gegenüber einer klassischen Anleihe erkläre die hohe Verzinsung.

Brunner ergänze, dass die sonstigen, wenigen Neuemissionen meist mit einer Mindeststückelung von 100.000 Euro nicht primär für Privatanleger geeignet seien. (Ausgabe vom 31.07.2015) (03.08.2015/alc/a/a)





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