Anleihemarkt: Anleger nehmen Kurs auf sichere Häfen


14.08.15 15:43
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach Tagen höchster Aufregung im Zusammenhang mit der überraschenden dreistufigen Abwertung der chinesischen Währung kommen Anleger mit der Erholung des Yuan wieder etwas zur Ruhe, so die Deutsche Börse AG.

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibe nach Ansicht der Helaba allerdings nicht. Nach Absegnung des dritten Hilfspakets seitens Griechenlands stehe nun die Zustimmung einiger nationaler Parlamente auf der Agenda. "Viele Abgeordnete vermissen wichtige Informationen, wobei es in erster Linie um die ungeklärte Rolle des IWF sowie die Ausstattung des Privatisierungsfonds geht", würden die Analysten der Landesbank beschreiben. Der Internationale Währungsfonds mache eine Teilnahme an der neuen Rettungsaktion von Schuldenerleichterungen für Athen abhängig.

Arthur Brunner sehe erste Anzeichen für ein Einlenken bei der CDU hinsichtlich einer wie auch immer gearteten Schuldenerleichterung. In einem SWR-Interview habe Eckhardt Rehberg, Haushaltsexperte der Unionsfraktion im Bundestag, eine Umschuldung nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. "Das kann kein Zufall sein", meine der Händler der ICF Bank und erkläre den möglichen Umschwung mit dem Wunsch, den IWF weiterhin mit im Boot zu halten. Dieser verlange aber eine Tragfähigkeit der Verbindlichkeiten, die aus IWF-Sicht bei einer Staatsverschuldung von über 120 Prozent nicht gegeben sei. Zusammen mit den neuen Hilfsgeldern komme Griechenland auf eine Schuldenquote von etwa 200 Prozent.

"Die internationalen Rentenmärkte reagierten insbesondere auf die Interventionen Pekings mit kräftigen Kursgewinnen", beschreibe Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank die zunehmende Risikoscheu an den Märkten. Die höhere Nachfrage nach als sicher geltenden Bundesanleihen hätten den Euro-Bund-Future im Wochenverlauf zwischenzeitlich bis auf 155,37 Prozent getrieben. "Gleichzeitig sanken die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zeitweise auf 0,60 Prozent." Aktuell notiere das hiesige Rentenbarometer knapp über 155 Prozent.

"Mit der Beruhigung an den Märkten erholten sich die Anleihen der EU-Peripherie", beobachte Tillmann. Der Renditeaufschlag zehnjähriger italienischer, spanischer und portugiesischer Bonds habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um vier, drei und zwei Basispunkte verringert.

"Griechische Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten waren ebenfalls gefragt, die Rendite zehnjähriger Bonds hat sich auf 9,45 Prozent verringert", ergänze Brunner. Zudem hätten Bankanleihen profitiert wie die der Piraeus-Gruppe (ISIN XS1048577529 / WKN A1ZE3K), die im Wochenverlauf von 39,5 auf 49 Prozent zugelegt habe. "Eine echte Trendwende ist das nicht", urteile Brunner. Mit den geplanten 25 Milliarden Euro für die Re-Kapitalisierung griechischer Banken bis Anfang Oktober wachse aber die Zuversicht.

Den Handel mit Mittelstands-Anleihen beschreibe Brunner als sommerlich ruhig mit leichtem Abgabedruck. Anleger hätten sich dem Händler zufolge beispielsweise von einer 2020 fälligen Katjes-Anleihe mit einem jährlichen Zins von 5,5 Prozent getrennt. Der Wert habe im Wochenverlauf von 106 auf 104,8 Prozent nachgegeben. Fundamentale Gründe erkenne Brunner nicht. "Die urlaubsbedingt fehlende Liquidität kann schon mal zu größeren Ausschläge führen."

Kursverluste gebe es zudem für eine VW-Hybridanleihe (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21), die in den vergangenen fünf Handelstagen von 105,40 auf 104,71 Prozent nachgegeben habe. Automobilaktien hätten im Zuge der Yuan-Abwertung besonders gelitten. "Die Automobilindustrie wird die sinkende Kaufkraft in China zu spüren bekommen", begründe Brunner.

Auf niedrigem Niveau stünden laut Gregor Daniel Anleihen in Türkischer Lira (ISIN XS1069567151 / WKN A12TY2) und Brasilianischem Real auf den Wunschlisten der Anleger. "Im Zuge der Herabsetzung der chinesischen Währung verloren Devisen der Schwellenländer an Boden", bemerke der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Auch hätten Berichte über das Scheitern der Koalitionsverhandlungen in Ankara die Türkische Lira zum US-Dollar und zum Euro gedrückt.

Bei verhaltenen Umsätzen mache Daniel Abgabedruck bei zwei in US-Dollar notierten Bombardier-Produkten (ISIN USC10602AR84 / WKN A1G17D; ISIN USC10602AX52 / WKN A1ZFX9) aus. Enttäuschende Quartalszahlen und schwache Bestellungen hätten der Aktie des kanadischen Flugzeugbauers zugesetzt und die Bonds in Mitleidenschaft gezogen.

An einer Lufthansa-Hybridanleihe mit einer Laufzeit bis 2075 und einem Kupon von 5,125 Prozent fänden Investoren hingegen auf schwachem Niveau nach wie vor Gefallen, wie Daniel melde.

Ebenso kämen zwei HSH Nordbank-Werte (ISIN DE000HSH2H15 / WKN HSH2H1; ISIN DE000HSH2H23 / WKN HSH2H2) mit Fälligkeit im Februar 2017 gut an. Erstere, ausgestattet mit einem Kupon von 0,831 Prozent, habe innerhalb der vergangenen Woche von 76,50 auf 78,47 Prozent hinzugewinnen können. Der zweite Wert sei im gleichen Zeitraum von 76,50 auf 80,50 Prozent geklettert. (14.08.2015/alc/a/a)






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