Anleihemärkte vor ungewisser Zukunft - Angst ist dennoch unangebracht


01.08.18 12:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Seit etwa einem Jahr befindet sich der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) im Seitwärtstrend, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

Der Indikator für den deutschen Rentenmarkt reflektiere demnach eine Kursentwicklung, die unter starken Schwankungen zu unveränderten bzw. leicht niedrigeren Renditen bei Bundesanleihen geführt habe. Bei genauerer Betrachtung scheine sich also die von vielen Marktteilnehmern bereits ausgerufene Zinswende noch nicht durchgesetzt zu haben. Denn wer mit Staatsanleihen der EU-Kernländer Geld verdienen möchte, gehe im Schnitt bei Anleihen mit einer Laufzeit von unterhalb fünf Jahren nominal nach wie vor leer aus bzw. zahle teilweise sogar drauf. Dabei müssten Anleger unter Berücksichtigung der Inflation mindestens 1,4 Prozent Rendite einfahren, um die Kaufkraft ihrer Anleiheinvestition zu erhalten.

Für Peter de Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam AM, seien die fetten Jahre an den Rentenmärkten zwar grundsätzlich vorbei, Angst halte er dennoch für unangebracht: "Bei einem kurzfristigen Anlagehorizont erscheinen einzelne Staats- und Unternehmensanleihen der Eurozone wenig attraktiv. Doch betrachtet man den gesamten Markt für Euro-Staatsanleihen sowie in Euro begebene Investment Grade und High Yield-Unternehmensanleihen, sieht der Blick in die Zukunft schon vielversprechender aus. Und wenn man das Spektrum noch auf die globalen Anleihemärkte und Fremdwährungen erweitert, lassen sich die Möglichkeiten deutlich erweitern und Anleiheportfolios mit attraktiveren Rendite-Risiko-Profilen konstruieren".

Seine Ansicht untermauere der Rentenexperte mit Zahlen: In Szenarien vorübergehend schwankender Zinsen und Credit Spreads sollten Investoren möglichst geduldig und ohne Market Timing agieren. Dies vorausgesetzt betrage die durchschnittliche Duration, die dem kürzesten Anlagehorizont entsprechen sollte, bei europäischen Staatsanleihen siebeneinhalb Jahre, bei einem erwarteten Bruttoertrag von 1,8 Prozent. Für Euro-Unternehmensanleihen lägen diese Werte bei drei Jahren bzw. 2,0 Prozent. Berücksichtige man den durchschnittlichen Ausfall von Euro-High Yield-Bonds über fünf Jahre, so liege der erwartete Return für dieses Anleihesegment bei knapp unter 2 Prozent.

"Sucht man außerhalb der Eurozone nach Diversifikatoren, lassen sich interessante Kombinationen zusammenstellen", sage Peter de Coensel. "US-Staatsanleihen zum Beispiel handeln bei einem erwarteten Return von 3,1 Prozent und einer Duration von acht Jahren sowie US-Unternehmensanleihen bei 4,8 Prozent bzw. siebeneinhalb Jahren. Das Rendite-Risiko-Profil lässt sich weiter abrunden mit in Lokalwährungen begebenen Staatsanleihen der Schwellenländer, deren erwartete Rendite bei 5,6 Prozent liegt".

Vorhersagen zu treffen, wie sich die Märkte entwickeln würden, sei immer schwierig - häufig komme es dann anders. Den verschiedenen Szenarien für die internationalen Rentenmärkte lägen Annahmen an eine Konjunktur zugrunde, die entweder gleich bleibe oder sich beschleunige bzw. verlangsame. Entsprechende Erwartungen bestünden dann hinsichtlich der Marktzinsen.

Das aktuelle Grundszenario berücksichtige den aktuellen nominellen Wachstumspfad der Weltwirtschaft mit reflationären Tendenzen und dementsprechenden Erwartungen an steigende langfristige Zinsen. Dieses Umfeld könne für Anleiheinvestments Kursverluste bedeuten und fordere Anlegern eine hohe Wachsamkeit ab. Pendle sich das globale Wachstum hingegen auf dem vorherrschenden Niveau ein, würden die langfristigen Zinsen im Durchschnitt niedrig bleiben. In einem solchen Umfeld würden vor allem solche Rentenanlagen attraktiv bleiben, die breit diversifiziert seien und auf die Erzielung solider Erträge abzielen würden.

Verlangsame sich gar das weltweite Wachstum, würden erneut die Rezessions- und Deflationsrisiken steigen. Notenbanken würden wieder zu quantitativen Maßnahmen greifen, um die langfristigen Zinsen möglichst niedrig zu halten. Dieses Szenario würde den Druck auf die Bondrenditen wieder erhöhen, während die Anleihekurse gleichzeitig anziehen würden.

Mit Blick auf das 2. Halbjahr 2018 kommentiere Peter de Coensel: "Welches Marktszenario auch immer eintritt, am besten gerüstet sind Investoren mit einem maximal diversifizierten Anleiheportfolio. Denn Diversifikation ist der einzige "Free lunch" an den Kapitalmärkten, also die einzige Komponente, die kein Risiko beinhaltet. Ein weltweit breit gestreutes Bondportfolio ist deshalb der Schlüssel für die Anleihemärkte von morgen".

"Bei Degroof Petercam AM konstruieren wir ein "Most Diversified Portfolio" derzeit mit den Komponenten "Globale Staatsanleihen", "Globale Inflationsindexierte Anleihen", "Schwellenländerstaatsanleihen in Lokalwährung" sowie Liquidität. Abgerundet wird dieser Mix durch ein globales Unconstrained-Portfolio, in dem Anleihen nach hoher Überzeugung völlig frei von Vorgaben und unabhängig einer Benchmark selektiert werden. Solange die Fixed Income-Komponente gut diversifiziert ist, wird sie auch zukünftg zum Kapitalwachstum beitragen können und zudem eine Absicherung bieten, wenn die Aktienkomponente eines Vermögens in Bedrängnis kommt", so der Fondsmanager. (01.08.2018/alc/a/a)