2018 war das beste Jahr für Mittelstandsanleihen-Emissionen seit 2014 - Mindestens 25 Emissionen 2019 erwartet


06.12.18 13:00
Kirchhoff Consult AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - 2018 war trotz der hohen Volatilität am Kapitalmarkt eines der besten Jahre für Börsengänge in Deutschland seit dem Neuen Markt. Das ist das Ergebnis der jährlich durchgeführten IPO-Studie der Hamburger Agentur für Finanz- und Unternehmenskommunikation Kirchhoff Consult AG.

Demnach habe sich die Anzahl der IPOs (Initial Public Offering) im Börsensegment Prime Standard im Vergleich zum Vorjahr auf 16 verdoppelt und damit den höchsten Stand seit 2007, dem Jahr vor dem Ausbruch der Finanzkrise, erreicht. Das Emissionsvolumen der IPOs sei 2018 um mehr als das Dreifache auf 11,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,8 Mrd. Euro) gestiegen, das höchste Niveau seit dem Börsenboom um die Jahrtausendwende (2000: 31,9 Mrd. Euro in allen Segmenten). Unterdessen habe auch der Emissionsmarkt für Mittelstandsanleihen seinen Erholungskurs weiter fortgesetzt. Die Anzahl der neuen Anleihen sei im Vergleich zum Vorjahr um zwei auf 30 Bonds geklettert. Zugleich habe sich das Emissionsvolumen um ein Drittel auf 1.085 Millionen Euro (Vorjahr: 817 Mio. Euro) erhöht. Damit sei 2018 das beste Jahr für Emissionen von Mittelstandsanleihen seit 2014 gewesen.

Klaus Rainer Kirchhoff, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Kirchhoff Consult AG: "2018 war trotz der hohen Volatilität an den Börsen eines der besten IPO-Jahre seit dem Neuen Markt. Selbst der oftmals totgesagte Emissionsmarkt für Mittelstandsanleihen hat weiter zugelegt. Damit haben Emittenten ein hohes Maß an Vertrauen in den Kapitalmarkt gezeigt. Für 2019 erwarten ebenfalls ein gutes IPO-Jahr, auch wenn das Umfeld anspruchsvoller wird."

Der IPO-Markt habe 2018 insbesondere von den Börsengängen von Siemens Healthineers (ISIN: DE000SHL1006, WKN: SHL100, Ticker-Symbol: SHL), Knorr-Bremse (ISIN: DE000KBX1006, WKN: KBX100, Ticker-Symbol: KBX) und DWS (ISIN: DE000DWS1007, WKN: DWS100, Ticker-Symbol: DWS) profitiert. Diese hätten mit einem Emissionsvolumen von 9,4 Milliarden Euro mehr als 80 Prozent des gesamten Emissionsvolumens beigesteuert. Siemens Healthineers habe zudem mit einem Emissionsvolumen von 4,2 Milliarden Euro den größten Börsengang in Europa geschafft.

Trotz der drei Milliarden-IPOs hätten viele Unternehmen ihre Börsenpläne zurückgezogen. Dies sei im Wesentlichen auf die im Vergleich zum Vorjahr höhere Volatilität an den Aktienmärkten zurückzuführen. Besonderes Gewicht habe die Absage des Wissenschaftsverlags Springer Nature gehabt, der einen Emissionserlös von bis zu 1,6 Milliarden Euro geplant habe. Weitere Absagen wie Abacus Medicine, Primepulse und Govecs im Herbst hätten ebenfalls eine noch positivere Bilanz für 2018 verhindert. Für Unsicherheit hätten die zunehmenden Kursverluste an den Aktienmärkten gesorgt. Diese hätten auch die bereits im Handel gelisteten Neuemissionen unter Druck gesetzt. Im Durchschnitt hätten ihre Aktien rund 15 Prozent verloren. Nur drei Unternehmen hätten Kursgewinne verbucht. Siemens Healthineers habe als Spitzenreiter ein deutliches Plus von rund 33 Prozent erzielt.

Die Bilanz des 2017 eingeführten Börsensegments Scale sei gemischt ausgefallen. 2018 habe Scale lediglich zwei IPOs und damit nur halb so viele wie im Vorjahr registriert. Demgegenüber habe sich das Emissionsvolumen auf 133,4 Millionen Euro (Vorjahr: 67,3 Mio. Euro) verdoppelt.

Der Markt für Mittelstandsanleihen habe 2018 insbesondere vom hohen Finanzierungsbedarf der Immobilienbranche profitiert. So hätten 12 Anleihen bzw. 40 Prozent aller neu platzierten Bonds allein aus diesem Sektor gestammt. Das Volumen dieser Anleihen habe sich auf rund 580 Millionen Euro belaufen, mehr als die Hälfte des gesamten Emissionsvolumens. Zwei Immobilienanleihen hätten einen Erlös von 100 Millionen Euro erzielt. Der Bond von DIC Asset (ISIN: DE000A1X3XX4, WKN: A1X3XX, Ticker-Symbol: DIC) sei auf 150 Millionen Euro gekommen und damit die größte Emission des Jahres gewesen.

Neben der Anzahl der Emissionen und dem Emissionsvolumen sei 2018 auch die Anzahl der Vollplatzierungen gestiegen. Demnach hätten 18 der 30 Emissionen ihr Zielvolumen erreicht. Die Erfolgsquote habe sich damit um zehn Prozentpunkte auf 60 Prozent (Vorjahr: 50 Prozent) verbessert. Insgesamt seien rund 70 Prozent des angestrebten Emissionsvolumens platziert worden (Vorjahr: 86 Prozent). Der durchschnittliche Kupon der Anleihen habe bei 5,2 Prozent (Vorjahr: 5,7 Prozent) gelegen.

Die Rahmenbedingungen für IPOs hätten sich im Herbst zwar verschlechtert, die Aussichten für die Aktienmärkte 2019 seien jedoch insgesamt positiv. Damit hätten Unternehmen weiterhin die Möglichkeit, an die Börse zu gehen.

Die Kandidaten-Pipeline sei aufgrund der IPO-Absagen und -Verschiebungen in den vergangenen Monaten prall gefüllt. Laut offiziellen Informationen und Marktgerüchten gebe es derzeit knapp 80 Unternehmen, die einen Börsengang anstreben könnten. Darunter befänden sich auch große Namen wie die VW (ISIN: DE0007664039, WKN: 766403, Ticker-Symbol: VOW3, NASDAQ OTC-Symbol: VLKPF)-Trucksparte Traton, die Continental (ISIN: DE0005439004, WKN: 543900, Ticker-Symbol: CON, Nasdaq OTC-Symbol: CTTAF)-Antriebssparte Powertrain und der Modehändler Takko Fashion. Hinzu kämen eher unbekannte, aber größere Unternehmen wie Signa Sports, Xella und Exyte sowie die möglichen Nachzügler Springer Nature, Abacus Medicine, Primepulse und Govecs.

Vor diesem Hintergrund erwartet Kirchhoff Consult ein gutes IPO-Jahr 2019, das aber in Bezug auf die Anzahl der Börsengänge und die Höhe des Emissionsvolumens nicht ganz das Niveau von 2018 erreichen wird. Diese Einschätzung gelte auch für den Markt für neue Mittelstandsanleihen.

Jens Hecht, Vorstand der Kirchhoff Consult AG: "Der IPO-Markt hat im internationalen Vergleich noch viel Aufholpotenzial. Trotz des aktuell volatilen Börsenumfelds sind wir zuversichtlich für 2019 und erwarten rund 15 IPOs im Prime Standard sowie weitere Neuzugänge im Scale-Segment. Bei den Mittelstandsanleihen rechnen wir mit mindestens 25 Emissionen." (06.12.2018/alc/a/a)






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