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Die tschechische Sazka-Gruppe möchte die alleinige Kontrolle über Casinos Austria erwerben


05.09.17 12:50
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Die Bieterschlacht um Casinos Austria geht weiter. Nachdem der österreichische Erzrivale Novomatic Ende 2016 aufhorchen ließ, profilierte sich die tschechische Gruppe um Karel Komareak und Jiri Smejc als neuer Hauptanteilseigner. Mit ambitionierten Zielen. Sowohl LLI als auch UNIQA haben ihre Anteile an die Sazka-Gruppe verkauft. In trockenen Tüchern ist der Deal aber noch nicht. Er muss von den Kartellbehörden abgesegnet werden. Kein Grund für die Tschechen, von ihren Plänen abzuweichen. Sie warten nur darauf, die Unternehmensstrategie nach eigenen Prinzipien umzuformen.

Sind Spielbanken noch zeitgemäß?


Der Quasi-Aufkauf durch Novomatic lag nahe, konnte der Glücksspielriese seinen Einfluss doch kontinuierlich vergrößern. Die hauseigenen Slot-Produktionen von Greentube haben Spieler weltweit überzeugt. In Online Casinos zählt die Novoline-Serie um Automatenspiele wie Book of Ra, Lord of the Ocean oder Sizzling Hot zum guten Ton. Das Kartellgericht intervenierte. Dabei wollte die Novomatic-Gruppe 40 Prozent der Casinos-Austria-Anteile erwerben.

Überhaupt scheinen Spielbanken ihren Reiz verloren zu haben. Casino-Fans bleiben lieber daheim, zücken ihr Smartphone und kommen online auf ihre Kosten - ohne Garderobe, Kleiderordnung oder Kontakt zu Dealern und Croupiers. Der etwas altbackene Charme empfiehlt sich eher für den Junggesellenabschied, weniger für den unkomplizierten Freitagabend. Dass Spielbanken über ausbleibende Kundschaft klagen würden, ließ sich bereits mit der schnellen Popularisierung des Internets absehen.

Innovationen sollen Wachstum ankurbeln


Casinos Austria betreibt allein in Österreich 12 Spielbanken und hat 2016 einen Jahresumsatz in Höhe von 327 Millionen Euro generiert. Sazka-Chef Robert Chvatal verrät im Gespräch mit der "Presse" in Prag: Österreich sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg, zu einem der größten Glücksspiel-Konzerne Europas zu werden. Das Wachstumspotenzial sei noch nicht ausgereizt. Die Neuausrichtung geschehe dank der Erfahrung der strategischen Investoren.

Mit Sazka, Novomatic und der Staatsholding Öbib könnten die Partner an einem Strang ziehen. Bisher wurden die Casinos durch ein kompliziertes Aktionärsgeflecht zusammengehalten. Mehr als zehn Eigentümergruppen buhlten um Renommee, waren teilweise jedoch weder an Wachstum noch den damit einhergehenden Gewinnen interessiert. In der Zukunft sollen die Casinos Austria in neuem Glanz erstrahlen. Leichter gesagt als getan.

Laut Chvatal genügt es nicht, einen bekannten Namen zu tragen. Die Casinos müssten mit Innovationen ausgestattet werden, wieder jüngere Klientel anziehen, die Spielbanken als zu traditionell ansehen. Dabei geht es der Sazka-Gruppe nicht ausschließlich um Slots, Roulette und Black Jack. In Tschechien betreiben die Großaktionäre das erste "Glücks-Café". Neben Kaffee und Kuchen winkt die automatische Teilnahme an einer Lottoziehung.

Auch digital möchten die Tschechen aufrüsten. Der Tatsache bewusst, das Unternehmen für den mobilen Markt öffnen zu müssen. Chvatal behält die Konkurrenz im Blick. In seinem Heimatland engagiert er sich bei der Bekämpfung illegaler Glücksspiel-Angebote.

Zusammenarbeit mit Novomatic


Sazka und Novomatic - eine Erfolgsgeschichte mit Ansage? Zunächst sei eine Zusammenarbeit "wie mit allen anderen Aktionären" angedacht. Welche Pläne die Tschechen überhaupt mit den Casinos schmieden, bleibt ein Geheimnis. Im Fokus liegt der Ausbau der Lotteriegeschäfte. Für Novomatic-Chef Harald Neumann ein naheliegender Gedanke. Wichtig sei lediglich, Klarheit über die Aktionärsstruktur zu besitzen. Ein Syndikat jedenfalls liege nicht in den Sternen. Für die Tschechen gilt der österreichische Markt als Teil der internationalen Expansion. Privatisierungen in Großbritannien und den Niederlanden sind das klar formulierte Ziel, weitere Lottolizenzen inklusive.

Ob sich österreichische Glücksspieler auf Veränderungen einstellen müssen, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Fest steht: Sie können sich weiterhin in den von Casinos Austria betriebenen Spielbanken austoben, den feinen Zwirn entstauben und Jetons über das Roulettetableau wandern lassen. Oder sie vertrauen auf staatlich regulierte Internet-Spielbanken, nutzen den Online Casino Bonus und zocken mit den Geldern aufs Haus. Eine Revitalisierung der terrestrischen Spielhallen scheint zwar nicht utopisch, aber doch eher unrealistisch. Das moderne Glücksspiel hat sich an den Zeitgeist angepasst. Casino-Fans führen ihre favorisierte "Spielo" stets in der Hosen- oder Jackentasche mit sich. (05.09.2017/alc/n/a)