Wienwert AG pleite - Kurator erzürnt Gläubiger - Anleihenews


13.03.18 16:02
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Wienwert AG, operative Einheit und einzige werthaltige Tochter der WW Holding AG, geht in die Insolvenz, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Insolvenzantrag werde so rasch wie möglich beim Handelsgericht Wien eingebracht, habe das Unternehmen Montag Abend mitgeteilt.

Damit folge das Unternehmen dem Schicksal seiner Mutter: Bereits im Februar habe die WW Holding AG zuerst ein Sanierungsverfahren eingeleitet, das aber kurz darauf geplatzt sei und in ein Konkursverfahren umgewandelt worden sei. Die Gesellschaft werde abgewickelt. Ihre 99,99-Prozent-Tochter Wienwert AG hätte verkauft werden sollen. Eine bereits einmal verlängerte Frist sei nun aber am Montag verstrichen. Bei der Gläubigerausschusssitzung habe es kein Angebot gegeben.

Einmal mehr würden damit Gläubiger um Millionen umfallen. Die Wienwert AG habe 2017 zwei Anleihen (ISIN AT0000A1W4Q5 / WKN A19HTT; ISIN AT0000A1YG24 / WKN A19Q8W) im Umfang von je fünf Millionen Euro emittiert. Der Zinssatz habe bei 5,25 Prozent für vier Jahre gelegen.

Vorstand Stefan Gruze habe gesagt, alle namhaften österreichischen Immobiliengesellschaften hätten sich interessiert. Gruze spreche von 50 Interessenten, darunter rund 15 ernsthafte. "Es hat sich niemand über den Rucksack der Vergangenheit drübergetraut", so Gruze zur APA. Die Angst potenzieller Käufer sei, dass sich Anleihegläubiger der Holding an der Wienwert AG schadlos halten könnten.

Wienwert AG und Holding würden denn auch ein Paket an juristischen Problemen mit liefern, das unter Investoren keinesfalls als Hingucker gelte: So gebe es zum Beispiel Ermittlungen zu Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Übertragung der Marke Wienwert von der Holding an die AG. Ermittlungen der WKStA wegen des Verdachts auf Untreue und Bilanzfälschung gegen Manager von Holding und Tochter, die seit November laufen würden, seien zuletzt ausgedehnt worden. "Die Presse" berichte von einer Anzeige wegen Gläubigerschädigung durch illegale Geldabflüsse rund um den Verkauf einer Immobilie am Wiener Getreidemarkt. Chef Gruze liege außerdem im Streit mit den zwei Gründern von Wienwert, denen das Unternehmen private Darlehen gewährt haben solle.

Die drei Immobilienprojekte (Angerer Straße 2-6, Ödenburger Straße 16 und Wiedner Hauptstraße 150), die die Wienwert AG gemeinsam mit dem Luxemburger Fonds Wohnen Plus habe entwickeln wollen, würden nun zu 100 Prozent dem Fonds gehören. Hinter Wohnen Plus stehe als Eigentümer und einziger Investor die österreichische Bundespensionskasse. Die BPK habe mit Wienwert im Vorjahr einen Syndikatsvertrag geschlossen. Gemäß diesem sei ein öffentliches Bieterverfahren für diese Objekte vorgesehen, heiße es in einer Aussendung.

Bei den Gläubigern der Wienwert Holding würden mit der Insolvenz der Tochter die Chancen sinken, Geld wieder zu sehen. 900 Anleihen-Anleger müssten um knapp 35 Millionen Euro bangen. Die Tochter sei das einzige werthaltige Asset. Bis jetzt habe noch nicht in Erfahrung gebracht werden können, ob die Verfahren von WW Holding und AG zusammengelegt würden.

Jedenfalls habe sich bei den Gläubigern der Holding großer Unmut breit gemacht. Das Insolvenzgericht (HG Wien) habe Georg Freimüller und Susi Pariasek als Kuratoren bestellt. "Zur Vertretung der Rechte der Inhaber", wie es heiße. Doch die Anwälte der Gläubiger würden das anders sehen. Ein Kurator habe eine "gefährliche Konsequenz", so Anwalt Wolfgang Haslinger.

Die selbständige Geltendmachung von Anleger-Rechten durch einzelne Anleiheninhaber solle oder könnte ausgeschlossen sein. Schadenersatzansprüche gegen mutmaßliche Schädiger im Zusammenhang mit der Wienwert-Pleite (Prospektprüfer, Treuhänder, Geschäftsführer,..) könnten von Betroffenen nicht mehr individuell - durch einen rechtsanwaltlichen Vertreter ihres Vertrauens - geltend gemacht werden. Kuratoren würden (schon aufgrund Ihres gerichtlichen Auftrages) die individuellen Ansprüche der Anleger nicht bzw. nicht ausreichend wahrnehmen.

"Die Kurator-Bestellung fußt auf einem nicht mehr zeitgemäßen k. u. k.-Monarchie-Gesetz, das ausschließlich dem (antiquarischen) obrigkeitsorientierten Fürsorgegedanken des 19.Jh. Rechnung trägt, aber für das moderne Anlegerrecht und dessen modernen Schutznormen wie das Kapitalmarktgesetz (KMG) nicht geeignet ist. Zu Recht wird und wurde dieses Gesetz von vielen Rechtsexperten - wegen der Verletzung des Eigentumsrechtes - als europarechts- und verfassungswidrig beurteilt", so Haslinger.

Das HG Wien habe nun für Mittwoch eine Versammlung einberufen, in der die Anleiheinhaber angehört und Vertrauensleute gewählt werden sollten. (13.03.2018/alc/n/a)