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URA-Beurteilung: Neue Anleihen von Schalke 04 und Werder Bremen erhalten keinen URA-Haken - Anleihenews


14.07.21 13:00
Anleihen Finder

Brechen (www.anleihencheck.de) - Neues URA-Update - die Analysten der URA Research haben nach der Auswertung und Analyse der in 2021 veröffentlichten Finanzberichte die URA-Beurteilungen für 13 Anleihen bestätigt, berichtet die Anleihen Finder Redaktion.

Bei 2 Anleihen (FC Schalke 04 2016/23 und Katjes International 2019/24) habe sich die Beurteilung verschlechtert. Eine Verbesserung habe es indes bei keiner der beobachteten Anleihen gegeben. Die neue Anleihe von Schalke 04 und die erste Anleihe von Werder Bremen seien zudem neu in die URA-Beobachtung aufgenommen worden.

Generell sei laut URA zu beobachten, dass sich bei Folgeanleihen insgesamt auch aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus meist der Kupon verringere. Zudem würden von Emittenten externe Ratings schon längere Zeit nicht mehr eingeholt und aufgrund häufiger Privatplatzierungen immer weniger Wertpapierprospekte veröffentlicht. Positiv würden die Analysten anmerken, dass sich in einzelnen Fällen die Anleihebedingungen (zumindest gebe es insgesamt keine Verschlechterungen) verbessern würden, z.B. bei der Verpflichtung zur Veröffentlichung von Finanzberichten nach einer bestimmten Zeit (teilweise auch verknüpft mit Zins-Step-Ups), bei der Begrenzung der Finanzschulden bzw. Mindest-Eigenkapitalquote oder der Einschaltung von Treuhändern (z.B. bei Anleihen im Nordic Bond-Format).

Unveränderte URA-Beurteilung

Bestätigt worden seien zuletzt, nach dem Monitoring der neuen Finanzberichte durch die Experten von Anleihen Finder, die URA-Beurteilungen für folgende 13 Anleihen:

3 "URA-Haken" für Homann Holzwerkstoffe-Anleihe 2021/16, Hörmann Industries-Anleihe 2019/24 und Karlsberg-Anleihe 2020/25

2 Haken für PNE-Anleihe 2018/23 und Semper idem Underberg Anleihe 2019/25

1 Haken für DEAG-Anleihe 2018/23 und Photon Energy-Anleihe 2017/22

0 Haken für BDT-Anleihe 2017/24, Neue ZWL GmbH (4 Anleihen) und VST-Anleihe 2019/24

Herabgestufte URA-Beurteilung

Schalke 04-Anleihe 2016/23:

Die dritte Anleihe des FC Schalke 04 habe sich von ganz knapp 1 Haken (und bereits "watch") auf 0 "URA-Haken" verschlechtert. Hier hätten sich laut URA-Analysten bereits vor dem Abstieg in die 2. Liga (Mai 2021) die Finanzzahlen deutlich verschlechtert und diverse Problem verstärkt.

Katjes International Anleihe 2019/24:

Katjes International GmbH & Co. KG sei eine Beteiligungsgesellschaft für starke Markenhersteller - bisher v.a. für Süßwarenfirmen außerhalb Deutschlands, neuerdings auch für Hustenbonbons (Dallmann) und Pflegeprodukte (Bübchen). Die dritte Katjes-Anleihe habe sich von ganz knapp 2 Haken auf 1 "URA-Haken" verschlechtert. Im Geschäftsjahr 2020 habe sich zwar das berichtete EBIT von 6 auf 11 Mio. EUR erhöht, darin seien laut URA jedoch a.o. Erträge von 16 Mio. aus negativem Goodwill enthalten, die laut IFRS im Gegensatz zu HGB sofort GuV-wirksam seien (günstiger Kaufpreis bei der Akquisition von Bübchen unter dem Buchwert). Bereinigt ergebe sich ein negatives EBIT und ein halbiertes EBITDA in einer von Corona kaum beeinträchtigen Branche, bei gleichzeitig erhöhten Nettofinanzschulden, so die URA-Analysten, die auf eine Verschlechterung wichtiger Bondkennzahlen verweisen würden.

Neu im URA-Monitoring

In die von URA Research veröffentlichte Anleihen-Liste seien von zahlreichen neuen Anleihen nur die Folgeanleihe von Schalke 04 und die vergleichbare neue Werder Bremen-Anleihe zusätzlich aufgenommen worden. Beide Fußball-Anleihen hätten keinen "URA-Haken" erhalten. Aus unterschiedlichen Gründen (Corona-Einflüsse, kurze Unternehmenshistorie, wenig aussagefähige Finanzdaten oder fehlende Anleiheprospekte) seien einige in 2020 und 2021 bisher neu emittierte Anleihen noch nicht aufgenommen worden. Dazu würden die Anleihen von ABO Wind, ACTAQUA, Agrarius, Agri Resources, Greencells, hep global, LR Global Holding, Mutares, nextbike, SUNfarming oder Veganz gehören.

Schalke 04-Anleihe 2021/26:

Neu in der URA-Beobachtung sei die vierte Anleihe des FC Schalke 04, die zur Refinanzierung der am 7.7.2021 zurückgezahlten zweiten Anleihe emittiert worden sei. Diese vierte Anleihe erhalte wie die noch ausstehende dritte Anleihe 0 "URA-Haken".

Stärken: Die Jahre vor Corona und auch zuletzt nach vorübergehendem Kurseinbruch ein wieder hohes Investorenvertrauen (beide Anleihekurse wieder um die 100%). Weitere staatliche Unterstützung im Krisenfall wahrscheinlich. Nach Mitgliedern einer der 10 größten Sportvereine weltweit. Lt. KPMG im "Unternehmenswert" in 2021 immer noch der 15-wertvollste Verein Europas. Erfolgreiches Nachwuchszentrum "Knappenschmiede". Stille Reserven v.a. im Lizenzspielerbereich (dem negativen Konzern-Eigenkapital von -71 Mio. EUR stehe eine Differenz zwischen dem Marktwert lt. "transfermarkt.de" (aktuell 85 Mio. EUR) und dem aktivierten Buchwert der Spieler (60 Mio. zum 31.12.2020) gegenüber). Neue Finanzchefin mit einer geänderten Einstellung: Keine Wetten auf die Zukunft mehr eingehen, Schuldenabbau vor Investitionen (Investitionen in das Vereinszentrum "Berger Feld" gestoppt). Überlegungen, vielleicht doch einen Investor am Lizenzspielbetrieb zu beteiligen (bisher habe man "Herr im eigenen Hause bleiben" wollen). Eine Lizenz an den eigenen eSports-Aktivitäten sei entgegen früheren Absichten zwecks Cash-Generierung verkauft worden.

Schwächen: Im Mai 2021 Abstieg in die 2. Bundesliga. In 2020 Corona-bedingt ("Geisterspiele") ein negatives EBITDA und erhöhte Nettofinanzschulden. Schon vor Corona zu hohe Spielergehälter. Schon die beiden Jahre vor dem Abstieg die internationalen Wettbewerbe und damit hohe Einnahmen verfehlt, bei gleichzeitig hohen schuldenfinanzierten Investitionen in neue Spieler und in das neue Firmengelände. In den letzten Jahren zahlreiche Rücktritte in Vorstand und Aufsichtsrat sowie bei Trainern. Das Eigenkapital im Konzern sei bisher nur einmal positiv gewesen (2018) und sei in 2020 (Rekord-Nettoverlust -53 Mio. EUR) mit -71 Mio. EUR der schlechteste Wert seit 2014 gewesen. Im Testat des Geschäftsberichts 2020 ein Hinweis auf eine "Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit". Wichtige Vermögensteile seien für Kredite verpfändet.

Zukunft in der 2. Liga: Durch den Abstieg seien geringere Einnahmen aus Tickets (trotz der speziell bei S04 sehr loyalen Anhänger), aus Catering, v.a. aus der besonders wichtigen medialen Verwertung und vermutlich auch bei den - bei S04 bisher loyalen - Sponsoren zu erwarten. Es müsse sich laut URA noch zeigen, ob die geplanten signifikanten Transfererlöse und Reduzierungen der Gehaltskosten bei den Spielern tatsächlich erreicht werden könnten, ohne die für einen "mittelfristigen" Wiederaufstieg nötige Qualität zu gefährden. Bei Verstoß gegen die bestehenden Auflagen bei der DFL-Lizenzierung zum 15.9.21 drohe ein Abzug von 6 Punkten. Weiterhin bleibe unsicher, wann und in welchem Umfang wieder Großveranstaltungen stattfinden könnten.

Werder Bremen-Anleihe 2021/26:

Neu in der URA-Beobachtung sei zudem die erste Anleihe des SV Werder Bremen, die wie die neue Schalke-Anleihe 0 "URA-Haken" erhalte. Der kumulierte Umsatz zum 31.12.2020 habe 98 Mio. betragen (Schalke: 175 Mio.), der Verlust -35 Mio. bzw. -36% v.U. (Schalke: -52 Mio. bzw. -30% v.U.).

Stärken laut URA: Hohes Investorenvertrauen: Anleihekurs notiere seit der Emission über 100%. Weitere staatliche Unterstützung im Krisenfall wahrscheinlich. Gute Nachwuchsarbeit. Stille Reserven: Die Differenz zwischen Marktwert lt. transfermarkt.de und Buchwert der Spieler betrage 57 Mio. EUR und damit deutlich mehr als bei Schalke (25 Mio.).

Schwächen laut URA: Im Mai 2021 Abstieg in die 2. Bundesliga, mit den bei Schalke 04 genannten Konsequenzen. Nicht erst im Corona-Geschäftsjahr 6/2020 ein negativer Free Cashflow, sondern bereits in den beiden Vorjahre. Seit dem GJ 6/2020 erstmals ein negatives Eigenkapital (-13 Mio.), das sich im Halbjahr zum 31.12.2020 auf -31 Mio. erhöht habe (36% der Bilanzsumme, verglichen mit 28% bei Schalke zum 31.12.2020). Im Testat des Geschäftsberichts 6/2020 ein Hinweis auf eine "Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit", die auch im Halbjahresbericht 12/2020 fortbestehe. Werder betone den 3. Platz in der ewigen Bundesligatabelle und die "starke Positionierung im Bereich Nachhaltigkeit und Soziales", für die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb habe es jedoch nach 2011 nicht mehr gereicht.

Zukunft in der 2. Liga: Siehe die Ausführungen zu Schalke. Bei Werder könnte die Senkung der Spielerkosten aufgrund der u.U. schon stärker auf einen möglichen Abstieg ausgerichtete Vertragsgestaltung einfacher sein als bei S04.

Den kompletten Beitrag zusammen mit der Liste der durch URA geprüften Emissionen von Mittelstandsanleihen finden Sie hier. (News vom 13.07.2021) (14.07.2021/alc/n/a)