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Sind Blockchain-Anleihen die Zukunft der Kapitalbeschaffung?


09.10.20 16:30
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Blockchain, Distributed-Ledger-Technologien - für viele Menschen sind dies Fremdwörter. Allerdings handelt es sich bei diesen Technologien um einen Trend, der langfristig einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Wirtschaft haben kann. Auch die Bundesregierung hat diesen Trend bereits registriert und einen Gesetzesentwurf für die Blockchain-Anleihe vorgestellt. Doch was ist eine Blockchain-Anleihe und warum ist diese ein Fortschritt im Vergleich zu klassischen Anleihe?

Warum die Blockchain den Finanzmarkt verändert


Als Bitcoin im Jahr 2009 vorgestellt wurde, registrierten zumeist nur IT-Nerds diese digitale Währung. Allerdings wusste zu diesem Zeitpunkt niemand, dass diese Kryptowährung jemals das heutige Kursniveau erreichen wird. Jetzt, mehr als 10 Jahre später, hat sich Bitcoin zu einer beliebten Anlage entwickelt. Im Allgemeinen interessieren sich immer mehr Leute für Kryptowährungen und spielen mit dem Gedanken, Kryptowährungen zu kaufen.

Der Grund hierfür ist einfach, denn auch 10 Jahre nach der Vorstellung von Bitcoin, sind Kryptowährungen eine junge Anlageklasse. Dementsprechend ist das Potenzial dieser Vermögenswerte noch lange nicht ausgereizt. Bei jungen Privatanlegern spielen Kryptowährungen zudem immer häufiger eine Rolle bei der Vermögensanlage. Dieser Schritt ist auch sinnvoll, denn etablierte Anlageklassen wie Aktien und Anleihen sind zwar sinnvoll, doch das Renditepotenzial ist im direkten Vergleich recht limitiert.

Natürlich eigenen sich Kryptowährungen nicht nur für den langfristigen Vermögensaufbau, sondern sind besonders beliebt bei Daytradern. Insbesondere das Bitcoin Margin Trading hat sich bei Tradern etabliert und wächst kontinuierlich mit dem steigenden Handelsvolumen. Vergleichbare Entwicklungen sind auch bei anderen Kryptowährungen zu beobachten.

Welche Gründe sprechen für die Blockchain im Finanzsektor?


Im Grunde ist die Blockchain natürlich mehr als nur Kryptowährungen. Bei der Blockchain handelt es sich um eine dezentrale und verteilte Lösung, welche Transaktionen sicher und nachvollziehbar dokumentiert. Dementsprechend ist es nahezu unmöglich eine Blockchain wie Bitcoin zu manipulieren. Hacker würden mindestens 51 % des Netzwerks kontrollieren müssen, um den Konsensus dementsprechend zu manipulieren - finanziell wäre das schlicht und ergreifend kaum bis gar nicht zu stemmen.

Somit müssen die Anleger allerdings auch nicht den Handlungen einer marktkontrollierenden Entität wie der EZB vertrauen. Insbesondere in der jüngeren Vergangenheit hat die EZB den Markt durch ihre expansive Geldpolitik mit Liquidität geflutet. Fallende Zinsen und steigende Preise bei Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien sind die unmittelbare Konsequenz. Bei Kryptowährung wäre die Vervielfachung der Geldmenge nicht möglich. Ein gutes Beispiel hierfür ist Bitcoin mit sein 21 Millionen BTC. Auch Ethereum hat eine Limitierung bei 120 Millionen ETH und ist somit in seiner Coin-Anzahl limitiert.

Schlussendlich spricht jedoch ein weiterer Grund für die Blockchain und auch für Kryptowährungen im Allgemeinen - die niedrigen Kosten. Distributed-Ledger-Technologien in ihrer natürlichen Form sind verteilte Netzwerke. Dementsprechend sind diese nicht zentral organisiert und unterstehen nicht der Kontrolle einer zentralen Organisation. Auch gibt es in diesen Netzwerken keinen Bedarf für Intermediäre wie Banken, welche nur zusätzliche Kosten verursachen. Im Ergebnis sinken die Transaktionskosten, bei einer gleichzeitig steigenden Effizienz des Netzwerks.

Die Blockchain als perfekte Grundlage für Anleihen


Auch die Bundesregierung hat erkannt, dass elektronische Wertpapiere eine Daseinsberechtigung haben. Folglich arbeitet die Politik an einem entsprechenden rechtlichen Rahmen für Wertpapier, welche auf der Blockchain-Technologie basieren. Insbesondere die Emittenten sollen in Zukunft ein Wahlrecht erhalten, um eigenständig entscheiden zu können, ob die Anleihe als traditionelle Urkunde oder auf Basis eines Tokens emittiert wird - die aktuell zwingende Verkörperung als Urkunde wäre somit hinfällig.

Insbesondere die Ministerien haben zu verstehen gegeben, dass es im Markt eine große Nachfrage nach innovativen Technologien gäbe - hierzu gehört eben auch die Blockchain-Technologie. Für Finanzanwendungen seien dezentrale Lösungen perfekt geeignet. Nichtsdestotrotz sieht der Gesetzesentwurf nicht vor, dass die Ausgabe elektronischer Wertpapiere nur auf die Distributed-Ledger-Technologien beschränkt ist. Vielmehr können in Zukunft auch andere Technologien zur Emission dieser Wertpapiere genutzt werden.

Insbesondere die Blockchain-Strategie der Bundesregierung soll dazu beitragen, dass das öffentliche Angebot ausgewählter Kryptowährungen reguliert wird. Doch auch die EU-Kommission hat einen Vorschlag zur Regulierung von Kryptowährungen veröffentlicht. Durch dieses Vorgehen möchte die EU eine führende Rolle einnehmen. Außerdem zeigt dieser Schritt auch, dass Kryptowährungen und elektronische Wertpapiere mehr als eine Spielerei für Techniknerds sind.

Regulierung im Finanzsektor hilft gegen Geldwäsche und Cyberkriminalität


Insbesondere der jüngst veröffentlichte Vorschlag der EU-Kommission zeigt, dass diese auch das Geschäft von Krypto-Asset-Diensten regulieren möchte. Hierzu gehört beispielsweise Libra, ein von Facebook initialisiertes Krypto-Projekt. So würden entsprechende Dienste in Zukunft die Genehmigung einer nationalen Aufsichtsbehörde benötigen, um überhaupt aktiv werden zu können. Durch hohe regulatorische Anforderungen möchte die Politik zudem dazu beitragen, dass Cyberangriffe auf Börsen sowie Hacks ganzer Plattformen - zumeist enden diese mit einem Totalverlust der Nutzer - vermieden werden.

Vor allen Dingen Finanzaufseher haben die Befürchtung geäußert, dass Projekte wie Libra dazu beitragen, dass die Finanzen komplett dezentralisiert werden. Ohne entsprechende Regulierung würden die Notenbank unter Umständen die Kontrolle über die Finanzmärkte verlieren. Eine Steuerung der Finanzpolitik sowie eine Aufrechterhaltung der Preisniveaustabilität wären auf diese Art und Weise nicht mehr möglich. Auch entsprechende Krypto-Projekt aufseiten der Notenbanken sollen dazu beitragen, dass die Nutzer eher auf digitale Notenbankwährungen umsteigen und diese im Zahlungsverkehr nutzen.

Die EU-Kommission schlägt daher ein Paket mit folgenden Bestandteilen vor:

  • Regulierung von Kryptowährungen
  • Strategie für schnellere und sicherere Zahlungsmethoden in Europa
  • Eine Strategie zu Vertiefung der Kapitalunion

Am Ende des Tages leitet die Umsetzung dieser Vorschläge eine fundamentale Änderung im Bereich der Finanzen ein. Elektronische Wertpapiere sind dann keine Zukunftsmusik mehr, sondern die Regel.

Fazit: Blockchain-Anleihen auf dem Weg zur Marktreife


Die Blockchain-Technologie sowie zahlreiche Kryptowährungen erfreuen sich kontinuierlich einer steigenden Beliebtheit. Marktteilnehmer beginnen das Potenzial dieser Anlageklasse zu erkennen. Auf der anderen Seite beginnen bereits heute Trends wie die Tokenisierung von illiquiden Assets. Auch hierbei spielt die Blockchain eine tragende Rolle. Dementsprechend ist der Schritt zu vollkommenen digitalen und elektronischen Wertpapieren nur noch eine Frage der Zeit. Hierbei sind insbesondere die Vorteile hervorzuheben. Neben sinkenden Kosten sind die Wertpapiere auch besser handelbar. Auch der Handel, welcher heute noch immer vergleichsweise hohe Kosten verursacht, wäre dann effizienter und nachhaltiger.

Entsprechende Ansätze zur Regulierung von Kryptowährungen und Distributed-Ledger-Technologien sind bereits heute zu erkennen. So arbeitet die Bundesregierung im Rahmen der Blockchain-Strategie an einer entsprechenden Grundlage. Auch die EU-Kommission hat sich für einheitliche Rahmenbedingungen ausgesprochen. Wir gehen davon aus, dass die kommenden Monate spannend werden und neue Erkenntnisse zutage fördern. (09.10.2020/alc/n/a)