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Österreich emittiert 100-jährige Anleihe - Anleihenews


13.09.17 12:48
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Österreich gibt den Vorreiter bei "ultra-ultra"-Langläufern in der Eurozone, so die Experten von "FONDS professionell".

Die LBBW berichte von einer hohen Nachfrage jenseits von sechs Milliarden Euro. Der voraussichtliche Emissions-Spread von rund 50 Basispunkten über der 30-jährigen bringe eine Emissionsrendite knapp über 2 Prozent.

Aus der Sicht des Emittenten sei die Motivation für eine solche Anleihenemission klar: Natürlich sei man als Schuldner daran interessiert, sich einen Nominalzins von zwei Prozent möglichst lange zu sichern. Spannender sei die Frage, wer sein Geld für 100 Jahre verleihe und sich dabei mit zwei Prozent Ertrag begnüge.

Als Investor riskiere man hier selbst im Fall eines geringen Zinsanstiegs spektakuläre Kursverluste. Die Zinsen müssten nämlich nur auf drei Prozent steigen, um den Anleihekurs fast auf null zu senken. Die Berechnung dazu sei simpel: Wer 100 Euro investiere und 100 Jahre lang jährlich zwei Prozent bekomme, kassiere in Summe 200 Prozent - oder 200 Euro - des Anlagebetrags. Bei der Tilgung erhalte man die ursprünglich investierten 100 Euro zurück. Bei drei Prozent wären es 300 Euro Zinsen plus 100 Euro bei Tilgung. Um aber mit der zweiprozentigen Anleihe in Summe auf 300 Euro Ertrag (Zinsen plus Tilgung) zu kommen, müsse man die Anleihe praktisch gratis bekommen. Und würden die Zinsen auf vier Prozent steigen, gehe sich bei dem Zweiprozenter gar nichts mehr aus...

Wer sind die Käufer?

Um ein solches Papier zu kaufen, müsse man also entweder ziemlich sicher sein, dass die Zinsen nie wieder steigen würden - oder man habe schlimmere Dinge zu befürchten als einen Kursverlust bei einer Hartwährungsanleihe, der nur schlagend werde, wenn man sie verkaufe. Dem Vernehmen nach seien die zwei 100-jährigen Staatsanleihen, die von Irland und Belgien im Vorjahr privat platziert worden seien, von Investoren gekauft worden, die außerhalb der Euro-Zone domiziliert seien. Und schließlich kämen auch institutionelle Anleger infrage, die mit extrem langem Anlagehorizont arbeiten würden und sich wenigsten die 2,1 Prozent Nominalertrag würden sichern wollen, um damit einen Teil ihre zukünftigen Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Nachfrageüberhang

Fest stehe, dass die Platzierung des Langläufers überhaupt kein Problem gewesen sei. Das Bankenkonsortium, das die Anleihe verkaufe, habe ein Nachfragevolumen von sechs Milliarden Euro gemeldet - bei einem Emissionsvolumen von gerade mal 3,5 Milliarden Euro.

Der Nachfrageüberhang ermögliche es der Republik, die ursprüngliche Spanne für den Emissions-Spread auf etwa einen halben Prozentpunkt über der aktuellen 30-jährigen österreichischen Benchmark-Anleihe zu kürzen. Die Rendite dieser 30-jährigen Anleihe derzeit bei rund 1,50 Prozent. Die Rendite der im Vorjahr emittierten 70-jährigen Anleihe liege inzwischen übrigens schon bei knapp unter 1,9 Prozent, bei einem Kupon von 1,5 Prozent - ihr Kurs liege derzeit bei 81,5 Prozent, im November 2016 seien es noch 100 Prozent gewesen.

Warum gerade jetzt?

Interessant sei die Frage, warum Österreich die Anleihe gerade jetzt bringe. Naheliegend wäre die Unterstellung, dass die Bundesfinanzierungsagentur davon ausgehe, dass die Tiefzinsphase demnächst enden werde und noch mitnehmen wolle, was gehe. Denn grundsätzlich sei diese Anleihe für Österreich vergleichsweise teuer. 2,1 Prozent Kupon seien zwar wenig, aber bei zehn Jahren Laufzeit läge die Zinsbelastung bei etwa einem Viertel davon. (13.09.2017/alc/n/a)