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Munich Re Q1-Zahlen: Nach 608 Mio. Euro Gewinn weiter Jahresziel von 3,3 Mrd. Euro angestrebt - Anleihenews


10.05.22 09:25
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG hat heute ihre Zahlen zum 1. Quartal 2022 vorgelegt. Näheres entnehmen Sie bitte dem Wortlaut der folgenden Pressemeldung der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG:

Christoph Jurecka, Finanzvorstand: "Munich Re beteiligt sich an humanitärer Hilfe für die ukrainische Bevölkerung und trägt die Sanktionen gegen Russland überzeugt mit. Die finanziellen Auswirkungen von Krieg und Sanktionen belasten das Ergebnis des ersten Quartals erheblich: Wir haben Anleihen beider Länder abgeschrieben und erste Schadenaufwände gebucht. Trotz der Unsicherheiten in einem schwierigen Umfeld: Auf Basis des Quartalsgewinns von mehr als 600 Mio. Euro strebt Munich Re weiter ein Jahresziel von 3,3 Mrd. Euro an."

Zusammenfassung der Q1-Zahlen

In Q1 2022 erzielte Munich Re einen Gewinn von 608 (589) Mio. Euro. Das operative Ergebnis lag bei 780 (798) Mio. Euro. Das sonstige nicht operative Ergebnis betrug -14 (-12) Mio. Euro. Das Währungsergebnis lag bei 17 (-23) Mio. Euro. Die Steuerquote belief sich auf 17,6 (16,3)%. Getragen von starkem organischem Wachstum in allen Segmenten, insbesondere in der Rückversicherung Schaden/Unfall, stiegen die gebuchten Bruttobeiträge im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 15,7% auf 16.833 (14.551) Mio. Euro.

Das Eigenkapital lag mit 27.783 Mio. Euro unter dem Niveau zu Jahresbeginn (30.945 Mio. Euro); ursächlich hierfür ist vor allem der Rückgang der Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere infolge der - ökonomisch für Versicherungsunternehmen vorteilhaften - gestiegenen Zinsen. Die Solvenzquote lag bei ca. 231% (31.12.2021: 227%) und damit oberhalb des optimalen Bereichs (175% bis 220%). Sie enthält den Rückkauf eigener Aktien im Wert von 1 Mrd. Euro. Auf dieser starken Kapitalbasis aufbauend wird Munich Re zwei nachrangige Anleihen zurückzahlen.

In Q1 2022 betrug die annualisierte Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) 9,8 (10,4)%.

Rückversicherung: Ergebnis von 511 Mio. Euro

Das Geschäftsfeld Rückversicherung trug in Q1 511 (410) Mio. Euro zum Konzernergebnis bei. Das operative Ergebnis stieg auf 654 (558) Mio. Euro. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen auf 11.307 (9.389) Mio. Euro.

Das Rückversicherungsgeschäft Leben/Gesundheit verzeichnete in Q1 einen Verlust von -78 (52) Mio. Euro. Zurückzuführen ist dieser insbesondere auf Covid-19-bedingte Belastungen von 150 Mio. Euro, vor allem aus der Omikron-Welle in den USA. Die Beitragseinnahmen stiegen auf 3.369 (3.058) Mio. Euro. Das Geschäft mit nicht signifikantem Risikotransfer ("Fee Income") setzte das sehr erfreuliche Wachstum fort. Das versicherungstechnische Ergebnis, einschließlich des Ergebnisses aus Geschäft mit nicht signifikantem Risikotransfer, lag in Q1 entsprechend den vor allem im ersten Halbjahr erwarteten Pandemiebelastungen unter dem anteiligen Jahresziel bei 20 (51) Mio. Euro. Das Segment zeigte in Q1 eine insgesamt gute operative Entwicklung.

Die Schaden/Unfall-Rückversicherung erzielte in Q1 einen Ergebnisbeitrag von 589 (358) Mio. Euro. Das Prämienvolumen stieg bei unverändert hohem Anspruch an die Qualität deutlich auf 7.938 (6.330) Mio. Euro. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 91,3 (98,9)% der verdienten Nettobeiträge. In Q1 verbuchte Munich Re dabei Belastungen mit Bezug zum Krieg in der Ukraine in Höhe von etwas über 100 Mio. Euro, die einige Spezialsparten betrafen.

Die Gesamtbelastung durch Großschäden von je über 10 Mio. Euro betrug 667 (892) Mio. Euro. Dieser Betrag enthält Gewinne aus der Abwicklung für Großschäden aus vergangenen Jahren in Höhe von rund 100 Mio. Euro. Die Großschadenbelastung entspricht einem Anteil von 9,2 (15,5)% der verdienten Nettobeiträge und lag damit unter dem im langfristigen Mittel erwarteten Wert von 13%. Die von Menschen verursachten Großschäden sanken auf 185 (247) Mio. Euro. Die Belastungen durch Großschäden aus Naturkatastrophen für Q1 betrugen 481 (646) Mio. Euro. Große Ereignisse aus Naturkatastrophen waren dabei der Starkregen im Osten Australiens mit einem Schaden in Höhe von rund 440 Mio. Euro und die Winterstürme in Europa, die für Munich Re Schäden in Höhe von knapp 120 Mio. Euro verursachten.

In Q1 konnten Rückstellungen für Basisschäden aus Vorjahren in Höhe von 291 (230) Mio. Euro aufgelöst werden; dies entspricht 4,0 (4,0)% der verdienten Nettobeiträge. Die normalisierte Schaden-Kosten-Quote beträgt 94,8%. Auch weiterhin strebt Munich Re an, Rückstellungen für neu auftretende Schäden insgesamt am oberen Rand angemessener Einschätzungsspielräume festzusetzen, sodass später Gewinne aus der Auflösung eines Teils dieser Rückstellungen möglich sind.

Bei der Erneuerung der Rückversicherungsverträge zum 1. April 2022 konnte Munich Re das gezeichnete Geschäftsvolumen auf 2,7 Mrd. Euro (+7,6%) steigern. Wachstumschancen konnten insbesondere in Asien mit Fokus auf Japan und Indien und in Lateinamerika genutzt werden. Dagegen hat Munich Re weiter gezielt Geschäft aufgegeben, das nicht mehr den Risiko-/Rendite-Erwartungen entsprach.

Die Preise entwickelten sich in den Teilmärkten insgesamt positiv, wobei der Trend dabei unterschiedlich stark ausgeprägt war, abhängig von Schadenerfahrung, zukünftiger Schadenerwartung und Marktsituation. So stiegen die Preise für Rückversicherungsschutz etwa im US-Markt teilweise deutlich.

Insgesamt konnte das hohe Preisniveau für das Portfolio von Munich Re gehalten werden (-0,1%). Diese Angabe zum Preisanstieg ist, wie immer, risikoadjustiert, das heißt, Preiserhöhungen, denen ein gestiegenes Risiko und damit eine erhöhte Schadenerwartung gegenübersteht, werden verrechnet. Munich Re hat, insbesondere auch aufgrund der gestiegenen Inflation, die künftige Schadenerwartung bewusst vorsichtig kalkuliert.

Für die nächste Erneuerungsrunde im Juli erwartet Munich Re ein stabiles Marktumfeld mit attraktiven Wachstumsmöglichkeiten.

ERGO: Ergebnis von 96 Mio. Euro

In Q1 verzeichnete Munich Re im Geschäftsfeld ERGO trotz Belastungen aus der volatilen Kapitalmarktentwicklung sowie Großschäden einen Gewinn von 96 (178) Mio. Euro aufgrund der weiterhin sehr erfreulichen operativen Entwicklung aller Segmente. Auch im ersten Quartal wuchs ERGO deutlich. Die gesamten Beitragseinnahmen stiegen in Q1 - getragen von allen Segmenten - auf 5.803 (5.362) Mio. Euro; die gebuchten Bruttobeiträge erhöhten sich auf 5.526 (5.163) Mio. Euro. Besonders stark war das Beitragswachstum im Segment Schaden/Unfall Deutschland.

Das Segment ERGO Leben/Gesundheit Deutschland erzielte einen Ergebnisbeitrag von 44 (94) Mio. Euro, bedingt durch ein vergleichsweise niedriges Kapitalanlageergebnis. Zudem normalisierte sich die Schadenentwicklung in Gesundheit und Reise nach einem sehr guten Vorjahresquartal. Das Segment ERGO International erreichte nach einem hohen Vorjahresgewinn ein gutes Ergebnis von 40 (60) Mio. Euro bei einer weiterhin hervorragenden operativen Entwicklung. Das Segment ERGO Schaden/Unfall Deutschland verzeichnete einen Gewinn von 12 (24) Mio. Euro. Das profitable Beitragswachstum sowie ein gutes Kapitalanlageergebnis konnten die Belastungen aus Großschäden teilweise kompensieren. Das operative Ergebnis des Geschäftsfelds ERGO betrug 127 (240) Mio. Euro.

Im Segment Schaden/Unfall Deutschland betrug die Schaden-Kosten-Quote 97,4 (94,2)%. Diese Entwicklung war beeinflusst durch Großschäden, aber auch durch die saisonüblichen Schwankungen bei Prämien und Schäden. Im Segment International verbesserte sich die Quote auf 92,6 (93,8)% dank einer weiterhin sehr guten Entwicklung in den Kernmärkten, insbesondere Polen und Griechenland.

Kapitalanlagen: Kapitalanlageergebnis von 987 Mio. Euro

Das Kapitalanlageergebnis von Munich Re sank in Q1 auf 987 (1.691) Mio. Euro. Die laufenden Erträge aus Kapitalanlagen stiegen leicht auf 1.458 (1.429) Mio. Euro. Der Saldo aus Veräußerungsgewinnen und -verlusten ohne Derivate lag bei 960 (983) Mio. Euro. Das Derivateergebnis betrug -116 (-368) Mio. Euro. Der Saldo aus Zu- und Abschreibungen fiel deutlich auf -1.122 (-171) Mio. Euro. Dies geschah vor allem aufgrund von Abschreibungen auf russische und ukrainische Anleihen in Höhe von beinahe 700 Mio. Euro brutto (370 Mio. Euro netto), die das Kapitalanlageergebnis sowohl in der Rückversicherung als auch bei ERGO belasteten.

Das Kapitalanlageergebnis in Q1 entspricht insgesamt einer Rendite von 1,6% bezogen auf den durchschnittlichen Marktwert des Portfolios. Die laufende Rendite lag bei 2,3% und die Wiederanlagerendite stieg deutlich auf 2,1%. Die Aktienquote einschließlich aktienbezogener Derivate betrug zum 31.03.2022 7,5% (31.12.2021: 7,7%).

Der Bestand an Kapitalanlagen war im Vergleich zum Jahresende 2021 zu Buchwerten rückläufig mit 233.308 (240.300) Mio. Euro (zu Marktwerten: 245.860 Mio. Euro, Vorjahreswert: 257.485 Mio. Euro); Ursache hierfür war im Wesentlichen das gestiegene Zinsniveau.

Ausblick 2022: Jahresziel unverändert bei 3,3 Mrd. Euro

Munich Re erwartet für das Jahr 2022 positive Geschäftsmöglichkeiten in der Rückversicherung. Dies schlägt sich in der Prognose für die Bruttobeiträge in diesem Geschäftsfeld nieder, die auf 45 Mrd. Euro (vormals 42,5 Mrd. Euro) erhöht wird und damit für die Gruppe insgesamt nun bei 64 Mrd. Euro liegt. Die übrigen im Konzerngeschäftsbericht 2021 kommunizierten Ziele für das Jahr 2022 sind unverändert gültig. Munich Re strebt damit für das Geschäftsjahr 2022 weiterhin ein Konzernergebnis von 3,3 Mrd. Euro an. Unterstützt wird die Erreichung des Ergebnisziels durch ein für den Rest des Jahres verbleibendes Großschadenbudget in der Schaden/Unfall-Rückversicherung von rund 3,3 Mrd. Euro.

Alle Prognosen und Ziele stehen unter erhöhter Unsicherheit angesichts der fragilen gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen, der volatilen Kapitalmärkte und der unklaren Fortentwicklung der Pandemie. Gerade auch hinsichtlich der finanziellen Folgen aus dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine bestehen erhebliche Unsicherheiten. Zudem sind die Prognosen wie immer vorbehaltlich des Großschadenverlaufs und der Gewinn- und Verlustauswirkungen gravierender Währungskurs- oder Kapitalmarktbewegungen, signifikanter Änderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen und anderer Sondereffekte. (10.05.2022/alc/n/a)