KFM-Mittelstandsanleihen-Barometer: 5,50%-PORR-Hybrid-Anleihe als "durchschnittlich attraktiv" bewertet - Anleihenews


11.05.20 15:00
KFM Deutsche Mittelstand AG

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In ihrem aktuellen KFM-Mittelstandsanleihen-Barometer zu der 5,50%-Hybrid-Anleihe (ISIN XS1555774014 / WKN A19CTJ) der PORR AG kommt die KFM Deutsche Mittelstand AG zu dem Ergebnis, die Anleihe weiterhin als "durchschnittlich attraktiv" (3 von 5 möglichen Sternen) einzuschätzen.

Die PORR-Gruppe mit Sitz in Wien sei eines der führenden Bauunternehmen in Europa mit über 20.000 Mitarbeitern. Das Leistungsspektrum der PORR-Gruppe umfasse vom Wohnbau bis hin zu komplexen Infrastrukturprojekten alle Bereiche der Bauwirtschaft. Der regionale Fokus der Gruppe liege auf den Heimatmärkten Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Tschechien, in denen rund 90% der Produktionsleistung erbracht würden. In Polen sei PORR mit eigenem Personal unverändert gut aufgestellt. Subunternehmer würden sich gerne für PORR wegen deren guten Rufs entscheiden. Die Aktivitäten im Nahen Osten (Katar und VAE) seien deutlich reduziert worden bis auf wenige selektive Engagements.

Die PORR-Gruppe habe 2019 eine Produktionsleistung von rund 5,57 Mrd. Euro erbracht, die fast unverändert zur Vorperiode gewesen sei (2018: 5,59 Mrd. Euro). Österreich und Deutschland seien dagegen insgesamt um 2,5% gewachsen und hätten einen Großteil der Leistung erwirtschaftet und würden die zwei wichtigsten Märkte bleiben. Die PORR habe das Jahr 2019 zudem mit einem hohen Auftragsbestand von über 7 Mrd. Euro abgeschlossen, was in etwa dem sehr guten Vorjahresniveau entspreche. Die gefüllte Auftragspipeline zeige trotz anspruchsvollem Marktumfeld den positiven, mittelfristig anhaltenden Markttrend.

Der Auftragseingang habe sich zwar um 12,5% auf 5.5 Mrd. Euro reduziert, PORR sei allerdings durch den hohen Auftragsbestand in der Lage, eine strategisch selektivere Akquisitionspolitik zu betreiben. Dieses Ergebnis spiegele den strategischen Fokus auf Konsolidierung nach Jahren des Wachstums wider. Eine selektive Auftragsannahme ermögliche vermehrt intelligentes Wachstum, was sich auch in einer leichten Steigerung des Ingenieurbaus zeige. Hierdurch sei für die Zukunft eine höhere Marge zu erwarten.

Den größten Auftragseingang im Jahr 2019 habe die PORR in Polen verzeichnet: Der Auftrag umfasse die Modernisierung der Bahnlinie LK131 zwischen Kalina und Rusiec Łódzki. Wie im November 2019 bekanntgegeben, habe der Vorstand aufgrund einer einmaligen Wertberichtigung die Gewinnerwartung für das Geschäftsjahr 2019 angepasst. In Polen ergebe sich anders als erwartet keine signifikante Verbesserung der derzeit hohen Kosten für Material und Subunternehmer, zudem habe das Unternehmen in Norwegen eine Abschreibung im zweistelligen Millionenbereich für ein Brückenprojekt vornehmen müssen. So habe zwar das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) um 1,3% auf 222,3 Mio. Euro gesteigert werden können, das Ergebnis vor Steuern (EBT) für das Geschäftsjahr 2019 sei dagegen um 57,6% auf 37,4 Mio. Euro nach 88,1 Mio. Euro im Vorjahr gefallen.

Die Eigenkapitalquote zum 31.12.2019 habe sich auf 16,3% (31.12.2018: 19,9%) verringert. Hauptgrund hierfür sei die Steigerung der Bilanzsumme auf 3,67 Mrd. Euro (31.12.2018: 3,12 Mrd. Euro). Der Anstieg der Bilanzsumme um 17,7% sei insbesondere auf die Erhöhung der liquiden Mittel, welche um 260,9 Mio. Euro auf 581,9 Mio. Euro gesteigert worden seien, sowie auf die Erstanwendung von IFRS 16 zurück zu führen. Der Free Cashflow habe trotz gestiegener Investitionstätigkeit gegenüber dem Vorjahr um 21,3 Mio. Euro auf 307,5 Mio. Euro gesteigert werden können. Hauptgrund hierfür sei die Verbesserung des Working Capital Managements.

So habe die absolute Zunahme der Forderungen deutlich reduziert werden können und sei somit durch den Anstieg der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen mehr als kompensiert worden. Die Nettoverschuldung habe per 31. Dezember 2019 gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Mio. Euro leicht gesenkt werden können. Sie liege unter Berücksichtigung der Erstanwendung von IFRS 16 (198,9 Mio. Euro) bei rund 345,7 Mio. Euro. Um diese gute Liquiditätsbasis in Vorbereitung auf die Covid-19 Krise zu sichern, hätten der Vorstand und der Aufsichtsrat der PORR AG beschlossen, in diesem Jahr keine Dividende zu zahlen (2018: 43 Mio. Euro).

Ein belastbarer Aufblick für 2020 sei in der aktuellen Situation seitens der PORR AG nicht möglich. Die wirtschaftlichen Folgen für die Profitabilität der PORR würden im Wesentlichen von der Dauer der Krise, den konjunkturellen Entwicklungen in den betroffenen Ländern und den Maßnahmen seitens der öffentlichen Hand abhängen. Wobei für den letzteren Punkt gerade Infrastruktur Investments prädestiniert wären, da sich in vielen Ländern in den letzten Jahren ein Investitionsstau angesammelt habe, der nun durch gezielte Konjunkturmaßnahmen abgebaut werden könnte.

Die gekündigten Verträge seitens Straßen.NRW für die A1 Rheinbrücke zwischen Köln und Leverkusen habe nach eigenen Angaben keinen nennenswerten Effekt auf das Unternehmensergebnis 2020. Grund für die Kündigung seien schwerwiegende Mängel an 22 Stahlbauteilen, die in China produziert und bereits ausgeliefert worden seien. Der Landesbetrieb spreche von 250 bis 600 Mängeln pro Bauteil. Diese Mängel seien laut PORR aber im voluminösen Stahlbau immer anzutreffen. Solche Fehlstellen seien Schleifspuren, Kratzer, Schweißrückstände oder einzelne Poren/Einschlüsse in Schweißnähten. Diese würden gemeinsam festgestellt und dann in definierten Verfahrensweisen beseitigt.

Auch der TÜV Rheinland bestätige, dass eine Beseitigung der festgestellten Fehlstellen unproblematisch vorgenommen werden könne. PORR sei daher bestens vorbereitet, ihren Rechtsstandpunkt zu vertreten und ihre wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Auf eine neue Ausschreibung werde sich PORR formal wieder bewerben. Als Schuldeingeständnis sei dies aber nicht zu werten.

Die im Februar 2017 emittierte Hybridanleihe der PORR AG sei mit einem Zinskupon von 5,50% p.a. (Zinstermin jährlich 06.02.) ausgestattet und habe eine unbefristete Laufzeit. Im Rahmen der Anleiheemission seien insgesamt 125 Mio. Euro platziert worden. Erster Rückzahlungstermin sei der 06.02.2022 zu einem Rückzahlungskurs von 100,0% des Nennwertes. Ab dem 06.02.2022 sei die Anleihe variabel verzinst (5-Jahres ISDAFIX2 Swapsatz zzgl. Zinsaufschlag von 10,312% p.a.).

Aufgrund der deutlich steigenden Verzinsung ab dem Jahr 2022 sei bei planstabiler Entwicklung von einer Rückzahlung der Anleihe zum erstmöglichen Termin auszugehen. Die Hybridanleihe sei aufgrund definierter Bedingungen für die Zinszahlungen, deren Eintritt von der PORR AG bewirkt bzw. verhindert werden könnten, als Eigenkapital-Instrument einzustufen. Die Anleihe sei nachrangig gegenüber allen anderen bestehenden und zukünftigen nicht nachrangigen Verbindlichkeiten der Emittentin.

Aufgrund der im letzten Jahr begonnen Konsolidierung des Wachstums und der strategisch selektiveren Akquisitionspolitik sei die PORR-Gruppe als führendes Bauunternehmen bei Infrastrukturinvestments mittel- bis langfristig gut aufgestellt. Kurzfristig seien die Weichen bereits frühzeitig gestellt und ein finanzielles Polster aufgebaut worden, um der Covid-19 Krise entgegenzuwirken. In Verbindung mit der Rendite der Hybrid-Anleihe in Höhe von 15,98% p.a. (auf Kursbasis 85,00% am 08.05.2020 bei Berechnung bis zum ersten Rückzahlungstermin am 06.02.2022) bewerten wir die 5,50%-PORR-Hybrid-Anleihe weiterhin als "durchschnittlich attraktiv" (3 von 5 möglichen Sternen), so die KFM Deutsche Mittelstand AG. (11.05.2020/alc/n/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
98,00 € 95,25 € 2,75 € +2,89% 29.05./15:57
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XS1555774014 A19CTJ 104,00 € 59,50 €