Hannover Rück: Konzerngewinn steigt um 38,3% - Hohe Großschäden in Q3 belasten Schaden-Kostenquote - Anleihenews


06.11.19 09:45
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Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Die Hannover Rück (ISIN DE0008402215/ WKN 840221) hat den Konzernüberschuss zum 30. September 2019 deutlich um 38,3% auf 1.003,2 Mio. EUR (Vorjahr: 725,3 Mio. EUR) gesteigert und erhöht in Anbetracht des guten Ergebnisses das Gewinnziel für das Gesamtjahr, so das Unternehmen in einer aktuellen Pressemitteilung. Näheres entnehmen Sie bitte dem Wortlaut der folgenden Pressemitteilung:

"Wir blicken nach neun Monaten auf ein herausragendes Ergebnis und eine sehr gute Eigenkapitalrendite", sagte Jean-Jacques Henchoz, Vorstandsvorsitzender der Hannover Rück. "In der Personen-Rückversicherung wird die gute unterliegende Profitabilität zunehmend sichtbar, während die Schaden-Rückversicherung trotz anhaltender Belastungen aus Großschäden stabile Ergebnisse auf hohem Niveau liefert. Hinzu kommt ein sehr starkes Kapitalanlageergebnis, sodass wir unser Gewinnziel für 2019 auf mehr als 1,25 Mrd. EUR anheben."

Konzerngewinn und Prämieneinnahmen wachsen deutlich

Die gebuchte Konzernbruttoprämie erhöhte sich bis zum 30. September 2019 um 16,0% auf 17,4 Mrd. EUR (15,0 Mrd. EUR). Bei konstanten Währungskursen hätte die Steigerung 13,3% betragen, was deutlich über dem Ziel eines währungskursbereinigten Wachstums im einstelligen Prozentbereich liegt. Der Selbstbehalt blieb mit 90,5% (90,8%) nahezu auf Vorjahresniveau. Die verdiente Nettoprämie stieg um 12,7% auf 14,4 Mrd. EUR (12,8 Mrd. EUR) oder währungsbereinigt um 10,3%.

Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich um 20,6% auf 1.395,4 Mio. EUR (1.157,1 Mio. EUR). Der Konzernüberschuss stieg deutlich um 38,3% auf 1.003,2 Mio. EUR (725,3 Mio. EUR), ein Rekordwert für ein Neunmonatsergebnis. Das Ergebnis je Aktie betrug 8,32 EUR (6,01 EUR).

Schaden-Rückversicherung: Großschadenbelastung innerhalb des veranschlagten Budgets

Der Markt für Rückversicherer ist unverändert von großen Herausforderungen geprägt. Die seit Jahren vorhandenen Überkapazitäten zur Deckung von Versicherungsrisiken lasten auf den Preisen für Rückversicherungsschutz. Zudem limitieren die niedrigen Zinsen die Kapitalanlageergebnisse der Branche und erfordern strikte Disziplin beim technischen Underwriting. Bei den unterjährigen Erneuerungsrunden konnte die Hannover Rück als Reaktion des Marktes auf diese Herausforderungen eine zunehmende Verbesserung bei der Entwicklung der Preise und Konditionen feststellen. Allerdings reichen diese Erholungseffekte nicht überall aus, weshalb in Teilmärkten weitere Preiserhöhungen notwendig sind.

Die gebuchte Bruttoprämie in der Schaden-Rückversicherung stieg angesichts der erwähnten Ratenerhöhungen und eines deutlichen Wachstums insbesondere aus Nordamerika, Asien, Deutschland und der strukturierten Rückversicherung um 20,7% auf 11,7 Mrd. EUR (9,7 Mrd. EUR). Bei konstanten Währungskursen hätte das Wachstum 17,5 % betragen. Die verdiente Nettoprämie stieg um 15,8% auf 9,3 Mrd. EUR (8,0 Mrd. EUR); auf währungskursbereinigter Basis lag das Wachstum bei 13,1%.

Nach einem sehr moderaten Großschadenverlauf im ersten Halbjahr betrug die Großschadenbelastung im dritten Quartal 405,3 Mio. EUR und überstieg das Quartalsbudget von 295 Mio. EUR deutlich. Zu den größten Schäden des dritten Quartals zählten Hurrikan "Dorian" mit einer Netto-Schadenbelastung von 186,6 Mio. EUR, Taifun "Faxai" in Japan mit 75,9 Mio. EUR sowie die Insolvenz des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook mit 112,4 Mio. EUR. Insgesamt lag die Netto-Großschadenbelastung in den ersten neun Monaten mit 545,9 Mio. EUR (364,6 Mio. EUR) zwar über dem Vorjahreswert, aber innerhalb des für diesen Zeitraum vorgesehenen Budgets von 665 Mio. EUR.

Die kombinierte Schaden-Kostenquote verschlechterte sich auf 98,6% (96,8%) und konnte damit den Zielwert von maximal 97% für das Gesamtjahr nicht erreichen. Gründe hierfür waren hohe Schäden im dritten Quartal und ein weiterhin konservativer Reservierungsansatz.

Das operative Ergebnis (EBIT) der Schaden-Rückversicherung reduzierte sich um 8,4% auf 919,0 Mio. EUR (1.003,6 Mio. EUR). Die EBIT-Marge betrug 9,9% (12,5%) und lag damit leicht unter dem Zielwert von mindestens 10%. Der Beitrag der Schaden-Rückversicherung zum Konzernergebnis fiel um 4,8% auf 640,1 Mio. EUR (672,4 Mio. EUR).

Gewinnanstieg nach Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung

"Wir sind mit der Entwicklung unserer Personen-Rückversicherung in diesem Jahr sehr zufrieden", sagte Henchoz. "Wir haben einen starken Ergebnisbeitrag aus den USA gesehen, nachdem wir hier im Vorjahr Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung für das US-Mortalitätsgeschäft ergriffen haben."

Die gebuchte Bruttoprämie in der Personen-Rückversicherung stieg um 7,6% auf 5,7 Mrd. EUR (5,3 Mrd. EUR); währungskursbereinigt hätte das Wachstum 5,8% betragen. Die verdiente Nettoprämie erreichte 5,1 Mrd. EUR (4,8 Mrd. EUR). Bei konstanten Währungskursen wäre die Nettoprämie um 5,6% gewachsen.

Das Kapitalanlageergebnis des Geschäftsfeldes stieg deutlich um 43,0% auf 527,8 Mio. EUR (369,1 Mio. EUR) an; ausschlaggebend für den Anstieg war ein Einmaleffekt aus der erfolgswirksamen Auflösung stiller Reserven bei einer Beteiligung im zweiten Quartal.

Folglich verdreifachte sich das operative Ergebnis (EBIT) in der Personen-Rückversicherung auf 477,7 Mio. EUR (155,2 Mio. EUR), auch begünstigt durch einen deutlichen Anstieg der Erträge in den USA. Diese waren im Vorjahr noch von einer Einmalbelastung aufgrund von Vertragsrückzügen im Mortalitätsgeschäft geprägt. Der Beitrag der Personen-Rückversicherung zum Konzernergebnis stieg so erheblich auf 402,9 Mio. EUR (93,0 Mio. EUR).

Kapitalanlagen und Eigenkapital: Kapitalanlage- und Eigenkapitalrendite deutlich über Erwartung

Der Bestand an selbstverwalteten Kapitalanlagen erhöhte sich auf 47,8 Mrd. EUR (31. Dezember 2018: 42,2 Mrd. EUR) aufgrund des wieder sehr positiven Cashflows, höherer Bewertungen und Währungskurseffekten. Dabei stiegen die ordentlichen Kapitalanlageerträge um 4,8% auf 1.039,3 Mio. EUR (991,4 Mio. EUR). Hier spiegeln sich insbesondere höhere ordentliche Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren sowie erneut gestiegene Erträge aus Immobilien und privatem Beteiligungskapital wider. Das Depotzinsergebnis ging auf 147,7 Mio. EUR (163,3 Mio. EUR) zurück. Angesichts der gestiegenen ordentlichen Kapitalanlageerträge konnte die Hannover Rück ein Kapitalanlageergebnis inklusive Depotzinsen von 1.331,9 Mio. EUR (1.155,4 Mio. EUR) erzielen. Daraus ergibt sich eine sehr erfreuliche annualisierte Durchschnittsrendite (exklusive Effekte aus ModCo-Derivaten) von 3,5%.

Das Eigenkapital stieg zum 30. September 2019 um 22,3% auf 10,7 Mrd. EUR (31. Dezember 2018: 8,8 Mrd. EUR). Der Buchwert je Aktie lag damit bei 88,97 EUR (31. Dezember 2018: 72,78 EUR). Die annualisierte Eigenkapitalrendite lag zum 30. September 2019 bei 13,7% (31. Dezember 2018: 12,2%) und damit erneut deutlich über dem Mindestziel von 9,4%.

Ausblick 2019: Gewinnziel auf mehr als 1,25 Mrd. EUR erhöht

In Anbetracht des guten Ergebnisses der ersten neun Monate erhöht die Hannover Rück das Gewinnziel für das laufende Jahr auf mehr als 1,25 Mrd. EUR von ursprünglich 1,1 Mrd. EUR. Das Wachstum der Bruttoprämie sollte auf Basis konstanter Währungskurse rund 10% betragen. Das vergleicht sich mit einer ursprünglichen Annahme im einstelligen Prozentbereich.

Für ihr Schaden-Rückversicherungsgeschäft geht die Hannover Rück von einem signifikanten währungskursbereinigten Wachstum der Bruttoprämie zu weitgehend stabilen Konditionen aus. Das Jahresziel für die kombinierte Schaden-Kostenquote bleibt bei maximal 97%.

In der Personen-Rückversicherung erwartet die Hannover Rück unverändert ein moderates währungskursbereinigtes Wachstum der Bruttoprämie. Das strategische Ziel eines EBIT-Wachstums von mindestens 5% sollte deutlich übertroffen werden.

Für 2019 erhöht die Hannover Rück die erwartete Kapitalanlagerendite von mindestens 2,8% auf mindestens 3,2%.

Als Ausschüttungsquote für die Basisdividende sieht die Hannover Rück unverändert 35% bis 45% ihres IFRS-Konzernergebnisses vor. Die Basisdividende wird bei einer gleichbleibend komfortablen Kapitalisierungssituation und einem Konzernergebnis im Rahmen der Erwartungen durch Zahlung einer Sonderdividende ergänzt.

Ausblick 2020: Ziel eines Konzernüberschusses von rund 1,2 Mrd. EUR

"Im kommenden Jahr rechnen wir mit einem vergleichbar stabilen Ergebnisbeitrag der Schaden-Rückversicherung sowie einem anhaltend guten Beitrag der Personen-Rückversicherung. Bei den Kapitalanlageerträgen ist wegen des Wegfalls des Einmaleffektes dagegen mit einem leichten Rückgang zu rechnen. Wir erwarten daher einen Konzernüberschuss von rund 1,2 Mrd. EUR im Jahr 2020", sagte Henchoz.

Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet die Hannover Rück - auf Basis konstanter Währungskurse - mit einem Bruttoprämienwachstum von rund 5% und einer Kapitalanlagerendite von rund 2,7%.

Zudem erhöht die Hannover Rück für 2020 das Netto-Großschadenbudget von 875 Mio. EUR auf 975 Mio. EUR. Grundlage dafür ist vor allem das weitere Wachstum des zugrundeliegenden Geschäfts. Die Risikoneigung für das Underwriting bleibt dabei unverändert. Wie üblich basieren alle Aussagen zu zukünftigen Zielen auf der Voraussetzung, dass die Großschadenbelastung im Rahmen des Erwartungswerts bleibt und es zu keinen unvorhergesehenen negativen Entwicklungen an den Kapitalmärkten kommt. Auch die Dividendenpolitik wird wie in den Vorjahren fortgeführt. (06.11.2019/alc/n/a)