Eyemaxx Real Estate: Wie ist der aktuelle Stand? Anleihenews


02.11.21 12:00
Anleihen Finder

Brechen (www.anleihencheck.de) - Es war eine schlechte Nachricht für die Investoren als die Eyemaxx Real Estate AG in der vergangenen Woche verkündete, derzeit nicht über die notwendigen Finanzmittel für die fristgerechte halbjährliche Zinszahlung ihrer 5,50%-Unternehmensanleihe 2018/23 zu verfügen, berichtet die Anleihen Finder Redaktion.

Dabei handele es sich um einen Auszahlungsbetrag von etwa 1,5 Mio. Euro, denn die Eyemaxx-Anleihe 2018/23 verfüge über ein aufgestocktes Gesamtvolumen in Höhe von 55 Mio. Euro. Die Anleihe laufe noch bis zu 25.04.2023 und werde jährlich mit 5,50% (halbjährliche Auszahlung am 26.04 und 26.10.) verzinst. Ursächlich für die ausbleibende Oktober-Zinszahlung seien laut Eyemaxx bisher nicht eingegangene Zahlungszuflüsse aus getätigten Projektverkäufen im mittleren einstelligen Millionenbereich sowie deren gescheiterte Refinanzierung.

Neue Doppelspitze

Das Unternehmen habe laut Anleihebedingungen nach dem Fälligkeitstermin (26.10.) insgesamt 10 Geschäftstage Zeit, die Zinszahlung nachzureichen (09.11.), ansonsten würden die Gläubiger ein außerordentliches Kündigungsrecht erhalten. Auf Nachfrage der Anleihen Finder Redaktion habe Eyemaxx mitteilen lassen, dass derzeit mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet werde.

Am Freitagabend (29.10.) sei eine erste Entscheidung gefolgt, denn Kurt Rusam, seit einem Jahr Chief Operating Officer (COO) der Eyemaxx Real Estate Group, sei vom Aufsichtsrat in den Vorstand berufen worden, um CEO Dr. Michael Müller zu unterstützen. Somit verfüge das Unternehmen nun erstmals über eine Doppelspitze. Rusam zeichne sich fortan für den Bereich Projektentwicklung und -finanzierung verantwortlich und werde die Position des COO weiterhin innehaben.

Anleihe-Kurse

Eyemaxx gehöre zweifelsohne zu den Institutionen am KMU-Anleihemarkt. Seit 2011 habe das Unternehmen nahezu jährlich eine Unternehmensanleihe oder eine Wandelanleihe begeben und sei seinen Forderungen stets verlässlich nachgekommen. Aktuell seien noch drei Anleihen ausstehend - neben der besagten Anleihe 2018/23 habe das deutsch-österreichische Unternehmen die ebenfalls mit 5,50% p.a. verzinsten Anleihen 2019/24 (ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ) und 2020/25 (ISIN DE000A289PZ4 / WKN A289PZ) am Kapitalmarkt platziert. Die 2018er und 2019er Anleihen würden derzeit bei Kurswerten von lediglich 20% notieren, die 2020er Anleihe, die eine erstrangige Grundbuchbesicherung implementiert habe, liege immerhin bei 50% (Stand: 02.11.2021).

Schon vor der ausbleibenden Zinszahlung sei das Kalenderjahr 2021 alles andere als einfach für Eyemaxx gewesen. Aufgrund der Pandemie und damit einhergehender kurzfristiger Bewertungsschwankungen habe Eyemaxx seine Anleihebedingungen für die drei laufenden Anleihen ändern lassen müssen, um finanziellen Gestaltungsspielraum zu behalten. Die Anleihegläubiger hätten mitgespielt und im Frühjahr die Senkung bzw. Einhaltung einer Mindest-Eigenkapitalquote im Konzern von 15% in den jeweiligen Anleihebedingungen beschlossen. "Jetzt können wir uns wieder voll und ganz auf unser operatives Geschäft konzentrieren und haben die Basis für weitere solide Unternehmensentwicklungen geschaffen", habe CEO Dr. Michael Müller daraufhin gesagt.

Kein Jahresabschluss 2019/20

Doch schon kurze Zeit später sei das nächste Problem gefolgt und Eyemaxx habe die Veröffentlichung des für in den Mai verschobenen Jahresabschlusses 2019/20 nicht einhalten können. Auf diesen würden Investoren und Gläubiger übrigens noch immer warten. Das Verlustergebnis für das vorangegangene Pandemie-Geschäftsjahr solle nach Angaben von Eyemaxx zwischen 28 und 35 Mio. Euro liegen. Im ersten Halbjahr 2020/21 habe Eyemaxx nach IFRS aber wieder einen Konzerngewinn von 0,8 Mio. Euro erwirtschaften können, nach einem Verlust von 19,6 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

Auch in der zweiten Geschäftsjahreshälfte 2020/21 habe Eyemaxx weitere erfolgreiche Projektabschlüsse vermeldet. Dennoch hänge das Thema Jahresabschluss natürlich weiterhin wie ein Damokles-Schwert über dem Unternehmen. Die Wirtschaftsprüfer der Ebner Stolz GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft seien demnach immer noch bei ihren Abschlussarbeiten. Woran es konkret liege, sei nicht bekannt.

In einem Interview mit dem Anleihen Finder Ende August habe sich Dr. Michael Müller äußerst unzufrieden mit der Situation gezeigt: "Bezüglich des Zeitplans für die Veröffentlichung unseres Jahresabschlusses - und auf diese Zahlen wartet der Markt natürlich - waren und sind wir von Drittparteien abhängig: Den Wirtschaftsprüfern. Deshalb konnten wir weder Zahlen kommunizieren noch ein belastbares Veröffentlichungsdatum. Wir hängen buchstäblich selbst auch in der Luft und haben keine konkreten Fakten. Das ist natürlich ganz schlecht und deshalb haben wir beschlossen, schon Halbjahreszahlen zu publizieren und wir informieren auch regelmäßig und transparent über unsere Projekte. Trotzdem bin ich persönlich auch sehr unglücklich mit der Situation und würde gerne endlich mehr Daten veröffentlichen können."

Und weiter: "Wir fragen nahezu täglich nach einem konkreten Termin für das Testat." Daran werde sich wenig geändert haben. Auch bleibe es für Eyemaxx mehr denn je eines der schwierigsten Geschäftsjahre seit Gründung im Jahr 1996. Damals sei das Unternehmen als klassischer Projektentwickler gestartet und habe sich mit der Zeit zunehmend auch zum Bestandshalter entwickelt. Mit diesen beiden Standbeinen sei das Unternehmen all die Jahre gut gefahren. Sowohl für Anleger als auch für den Gesamtmarkt bleibe zu hoffen, dass das Unternehmen Lösungen für die aktuell prekäre Finanz-Situation finde.

VST beziehe Stellung

Die aktuelle Eyemaxx-Problematik betreffe darüber hinaus noch eine weitere Anleihe-Emittentin am KMU-Markt - die ebenfalls in Leopoldsdorf bei Wien ansässige VST BUILDING TECHNOLOGIES AG. Diese sei nicht nur auftragstechnisch stark mit Eyemaxx verbunden, sondern auch über die Aktionärsstruktur und ihren Aufsichtsratsvorsitzenden, den Eyemaxx-CEO Dr. Michael Müller. Aufgrund einer in Verbindung mit der ausgefallenen Eyemaxx-Zinszahlung veröffentlichten Studie von SRC Research (29.10.), die der VST ein erhöhtes Insolvenzrisiko attestiere, habe sich VST umgehend genötigt gesehen, darauf zu regieren. In einer darauf bezugnehmenden Mitteilung heiße es:

"VST ist nicht zahlungsunfähig. Richtig ist, dass das schlechte wirtschaftliche Umfeld als Folge der COVID-19-Pandemie auch bei VST und ihren Konzerngesellschaften deutlich nachteilige Auswirkungen hat. Dies schließt auch die bereits mitgeteilte Insolvenz der Premium Syscon in Dänemark mit ein. Der Vorstand, sowohl die bestehenden Vorstandsmitglieder als auch bereits unter enger Einbindung des zukünftigen Vorstandsmitglieds Dr. Gerhard Kornfeld, arbeitet derzeit intensiv an Maßnahmen. Soweit für VST ersichtlich, beruft sich SRC Research für die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit und damit ein erhöhtes Insolvenzrisiko der VST auf Gespräche mit dem Vorstandsmitglied Kamil Kowalewski. Dazu stellt VST richtig, dass eine von SRC Research behauptete drohende Zahlungsunfähigkeit oder ein erhöhtes Insolvenzrisiko der VST nicht Inhalt dieser Gespräche waren."

Den kompletten Beitrag finden Sie hier. (02.11.2021/alc/n/a)






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