Ekosem-Agrar AG: "Operative Entwicklung weitgehend stabil, aber erhebliche Unsicherheiten" - Anleihenews


11.05.22 10:55
Anleihen Finder

Brechen (www.anleihencheck.de) - Vorläufige Zahlen - die Ekosem-Agrar AG nennt kurz vor den anstehenden Gläubigerversammlungen in der kommenden Woche erste Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2021 und gibt einen Einblick zum Jahresstart 2022, berichtet die Anleihen Finder Redaktion.

Demnach habe der Milchproduzent Umsatzerlöse von 583 Mio. Euro erzielt (+ 26% gegenüber dem Vorjahreswert von 464 Mio. Euro). Die Betriebsleistung sei von 616 Mio. Euro auf 653 Mio. Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) habe laut Ekosem-Agrar in 2021 rd. 190 Mio. Euro (Vorjahr: 195 Mio. Euro) erreicht, der vorläufige Cash-EBITDA (EBITDA abzüglich nicht cash-wirksamer Change in fair value) sei von 74 Mio. Euro auf rd. 160 Mio. Euro gestiegen.

Keine Abschlussprüfungen für 2020 und 2021

Wie bereits berichtet, werde die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ihre Abschlussprüfung des Jahres 2020 aufgrund der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit zunächst nicht abschließen können. Gleiches gelte damit auch für den Konzernabschluss 2021. Deshalb seien alle kommunizierten Geschäftszahlen der Ekosem-Agrar AG für 2020 und 2021 noch vorläufig und ungeprüft.

Operative Entwicklung im ersten Quartal 2022 "weitgehend stabil"

"Die operative Entwicklung im ersten Quartal 2022 ist weitgehend stabil. Die gesamte Mannschaft hat in den vergangenen Wochen extrem viel geleistet, um mit den sich ständig ändernden Rahmenbedingungen fertig zu werden. Von staatlicher Seite erhalten wir aufgrund der Bedeutung unseres Unternehmens für die Versorgung mit Lebensmitteln umfangreiche Unterstützung", sage Stefan Dürr, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der Ekosem-Agrar AG.

Im größten Geschäftsbereich Milchviehhaltung würden laut Ekosem-Agrar nach der grundlegenden Einigung mit der russischen RSHB Bank derzeit weitere Milchviehanlagen fertiggestellt. Der Milchoutput im ersten Quartal 2022 sei um knapp 6% auf 287.113 Tonnen gestiegen. Die durchschnittliche tägliche Rohmilchleistung sei von 3.016 Tonnen im ersten Quartal 2021 auf 3.190 Tonnen im ersten Quartal 2022 gestiegen. Die durchschnittliche Anzahl der Milchkühe habe sich im ersten Quartal auf 112.406 Tiere (Jahresende 2021: 112.807; Q1/2021: 106.789) belaufen, die Gesamtherde sei entsprechend auf insgesamt rund 220.126 Tiere (Jahresende 2021: 219.325; Q1/2021: 205.340) gewachsen.

"Erhebliche Unsicherheiten"

"Trotz der derzeit stabilen operativen Entwicklung, bestehen erhebliche Unsicherheiten im Hinblick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten 24 Monaten. Die ökonomischen Rahmendaten bilden in unserer Wahrnehmung die bestehenden Risiken nicht adäquat ab. Die Reichweite und Zuverlässigkeit von Prognosen sind unter den gegebenen Umständen weiterhin extrem erschwert und wir erwarten, dass sich daran auf absehbare Zeit wenig ändern wird. Vor diesem Hintergrund halten wir die in den Einladungen zu den Anleihegläubigerversammlungen vorgeschlagenen Schritte für unabdingbar. Die zahlreichen Gespräche mit einer Vielzahl von Anleiheinvestoren zeigen, dass wir hierbei überwiegend auf Verständnis und eine breite Zustimmung stoßen", sage Wolfgang Bläsi, CFO der Ekosem-Agrar AG.

Die Russland-Sanktionen hätten für die Ekosem-Gruppe wesentliche negative Auswirkungen insbesondere im Bereich der Finanzierung am Kapitalmarkt und im Zahlungsverkehr aus Russland heraus. Aus diesem Grund sei die Ekosem-Agrar AG derzeit nicht in der Lage, die Bedienung ihrer beiden "laufenden" Anleihen zu gewährleisten. Die Ekosem-Agrar AG schlage ihren Anleihegläubigern daher eine Prolongation der beiden Anleihen um fünf Jahre sowie eine Zinskupon-Reduzierung auf 2,5% p.a. vor.

Die Ekosem-Agrar-Anleihe 2012/22 mit einem Volumen von 78 Mio. Euro solle dann am 7. Dezember 2027 und die Ekosem-Agrar-Anleihe 2019/24 mit einem Volumen von bis zu 100 Mio. Euro am 1. August 2029 zur Rückzahlung fällig werden. Darüber hinaus würden die Anleihegläubiger um einen qualifizierten Rangrücktritt für die Zinszahlungen gebeten sowie auf einen Verzicht auf das Rückzahlungsrecht im Fall einer Verstaatlichung der russischen Zwischenholdings. Vielen Anleihegläubigern würden diese Restrukturierungsvorschläge allerdings zu weit gehen.

Erste Gläubigerversammlungen

Für den 9. bzw. 10. Mai 2022 seien die ersten Anleihegläubigerversammlungen im badischen Sinsheim terminiert. Sollten diese beschlussfähig sein, werde über die Beschlussvorschläge (Quorum von 50% des Anleihekapitals) der Ekosem-Agrar AG abgestimmt. Sollte die Beschlussfähigkeit nicht erreicht werden, werde es voraussichtlich Mitte Juni zu zweiten Anleihegläubigerversammlungen kommen.

Den kompletten Beitrag zusammen mit dem Interview mit Christoph Chardon von der e.Anleihe GmbH, dem gemeinsamen Vertreter der Gläubiger der Ekosem-Agrar-Anleihe 2012/22 finden Sie hier. (News vom 06.05.2022) (11.05.2022/alc/n/a)





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