EZB in "prekärer Lage" - Abhängigkeit vom "süßen Gift des billigen Geldes" steigt - Anleihenews


10.07.17 12:43
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch sieht die EZB in einer "prekären Lage": Notenbankchef Draghi müsse die Nullzinspolitik aufrechterhalten, was den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes "noch schmerzhafter" mache - sofern er überhaupt noch möglich ist, so die Experten von "FONDS professionell".

Bis die Amtszeit von Mario Draghi, dem derzeitigen Chef der EZB ende, dürfte die Abhängigkeit von Privatanlegern, Unternehmen und Staaten vom "süßen Gift des billigen Geldes" noch weiter zunehmen. Davor warne Bert Flossbach, Gründer und Vorstand von Flossbach von Storch, im jüngsten Quartalsausblick des Kölner Vermögensverwalters. Das dürfte den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes noch schmerzhafter machen. "Man braucht nicht viel Fantasie, um sich die Auswirkungen stark steigender Zinsen auf fremdfinanzierte Vermögenswerte, verschuldete Unternehmen und damit die gesamte Wirtschaft und das Bankensystem vorstellen zu können", so Flossbach. Draghi werde im Oktober 2019 den Staffelstab an seinen Nachfolger übergeben.

Die EZB gerate dem Manager des Bestseller-Mischfonds FvS Multiple Opportunities (ISIN LU0323578657/ WKN A0M430) zufolge durch ihre ungewollte Machtausweitung in eine prekäre Lage. EZB-Chef Draghi habe versprochen, alles zu tun, um den Euro zu retten. Deshalb müsse er de facto die Nullzinspolitik aufrechterhalten, so Flossbach. Andererseits wäre der Notenbank ein leichter Anstieg der Renditen langlaufender Anleihen durchaus willkommen, weil eine steilere Zinsstrukturkurve die Marge der Banken erhöhen und ihre Ertragskraft stärken könnte. Zu sehr dürften die Zinsen aber auch nicht steigen. "Diesen Balanceakt muss Mario Draghi noch bis zum Ende seiner Amtszeit durchhalten", betone Flossbach.

Die lockere Geldpolitik der EZB habe sowohl Vor- als auch Nachteile, heiße es im Quartalsbericht: So wären ohne die helfende Hand der EZB nicht nur die Renditen italienischer Staatsanleihen, sondern auch die Kreditzinsen italienischer Unternehmen deutlich höher. Künstlich niedrige Zinsen würden aber auch Unternehmen über Wasser halten, die eigentlich pleite wären. Das führe zu einer "Zombifizierung" des Bankensystems und der Wirtschaft, warne Flossbach von Storch.

Neben der Kapitalerhöhung des Bankhauses Monte dei Paschi seien in Italien auch mit der Rettung der venezianischen Institute Banca Populare di Vicenza und Veneto Banca die Regeln der Europäischen Bankenunion strapaziert worden, die seit Anfang 2016 eigentlich eine Haftung der Gläubiger - einen so genannten "Bail-in" - vorsehen würden. Inklusive der Garantien beliefen sich die potenziellen Rettungskosten der beiden Regionalbanken für den Staat auf bis zu 17 Milliarden Euro, so Flossbach. (10.07.2017/alc/n/a)





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