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EZB-Entscheidung: "Die Falken haben die immer besseren Argumente - aber die Tauben die Mehrheit"


09.06.21 16:22
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat entscheidet morgen über den weiteren Kurs der Geldpolitik in der auslaufenden Pandemie, so das ZEW - Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim in der aktuellen Pressemitteilung. Näheres entnehmen Sie bitte dem Wortlaut der folgenden Pressemeldung:

Während bei den Leitzinsen auf absehbare Zeit, keine Änderungen anstehen, steht die Zukunft der Anleihekäufe im Rahmen des Krisenprogramms PEPP im Mittelpunkt der Debatte. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs "Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft" am ZEW Mannheim, kommentiert.

"Das Umfeld der Geldpolitik verändert sich derzeit schnell. Der erwartete Inflationsschub in der Phase der wirtschaftlichen Erholung hat tatsächlich eingesetzt. Zwar ist es zu einer Erhöhung der langfristigen Zinsen gekommen, die Rendite auf zehnjährige Bundesanleihen ist von ihrem Niveau bei minus 0,6 Prozent auf aktuell minus 0,2 Prozent gestiegen. Da die Inflationsrate aber deutlich rascher steigt, sacken die langfristigen Realzinsen immer tiefer in den stark negativen Bereich ab. Zudem ist deutlich erkennbar, dass die Geldpolitik keinen Einfluss auf die aktuellen Hindernisse für eine noch raschere Erholung der Wirtschaft hat. Staatsanleihekäufe der Zentralbanken und Niedrigzinsen sind kein Mittel, um den Mangel an Mikro-Chips oder Bauholz zu bekämpfen. Noch dazu sind mit der Ratifikation des EU-Eigenmittelbeschlusses in allen Mitgliedstaaten nun die letzten Hindernisse für das 750-Milliarden-Corona-Paket der EU weggeräumt. Damit sinkt ein Stück weit die Abhängigkeit der Finanzminister von der Unterstützung der EZB. Auch deshalb wäre der Zeitpunkt sehr günstig, jetzt erste Signale für einen Ausstieg aus den auf Dauer hochgradig problematischen Staatsanleihekäufen durch das Eurosystem zu setzen.

Insgesamt haben die Falken im EZB-Rat, die sich für ein allmähliches Abschmelzen der Anleihekäufe einsetzen, derzeit die immer besseren Argumente. Die Allianz der Tauben im EZB-Rat aus Direktorium und den Vertretern der hoch verschuldeten Euro-Staaten verfügen jedoch über eine stabile Mehrheit. Daher ist vorerst noch mit keinen Korrekturen zu rechnen." (09.06.2021/alc/n/a)