Continental: Q3 operativ besser als das historisch schwache Q2 - Ausblick fürs Geschäftsjahr 2020 - Anleihenews


11.11.20 11:15
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Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - In einem bleibend stark volatilen Marktumfeld hat Continental (ISIN DE0005439004/ WKN 543900) im dritten Quartal 2020 insgesamt ein solides Quartalsergebnis erzielt, so das Unternehmen in einer aktuellen Pressemitteilung. Näheres entnehmen Sie bitte dem Wortlaut der folgenden Pressemeldung:

Das abgelaufene Quartal hat sich wie erwartet operativ besser entwickelt als das historisch schwache zweite Quartal 2020. Demnach lag der Konzernumsatz im dritten Quartal bei 10,3 Milliarden Euro (Q3 2019: 11,1 Milliarden Euro). Bereinigt um Konsolidierungskreis- und Wechselkursveränderungen ergab sich zum vergleichbaren Zeitraum 2019 ein Rückgang von 2,7 Prozent, nachdem dieser im zweiten Quartal 2020 noch bei -40 Prozent gelegen hatte. Das bereinigte operative Ergebnis legte im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 832 Millionen Euro zu (Q3 2019: 612 Millionen Euro). Das entspricht einer bereinigten EBIT-Marge von 8,1 Prozent (Q3 2019: 5,6 Prozent)

"Wir haben uns im dritten Quartal operativ beachtlich gut geschlagen. Unsere unmittelbar nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie getroffenen Maßnahmen haben voll gegriffen. Wir haben damit sofort und entschlossen gebremst. In China und Nordamerika haben wir mit dem Wiederbeleben der Märkte genauso entschlossen wieder beschleunigt. Unsere erhöhte Agilität und unser diszipliniertes Kostenmanagement machen uns weltweit wettbewerbsfähiger. In einem weiter schwierigen Marktumfeld zeigen wir damit eine mehr als zufriedenstellende Leistung, auf der sich aufbauen lässt. Sie ist Anlass für uns, zwar immer noch mit einer gewissen Vorsicht, aber dennoch optimistisch in die Zukunft zu blicken. Für das Gesamtjahr sind wir zuversichtlich, einen positiven Free Cashflow vor Akquisitionen und Carve-out-Effekten zu erzielen", sagte der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart anlässlich der Bekanntgabe der Quartalszahlen am Mittwoch in Hannover.

Er fügte hinzu: "Diese momentane Entwicklung darf uns aber über eines nicht hinwegtäuschen: Die weltweiten Automobilmärkte haben noch eine jahrelange Aufholstrecke vor sich und stecken mitten in einem tiefgreifenden, technologischen Umbau. Angesichts wieder steigender Coronavirus-Fälle bleiben die Märkte weltweit unberechenbar. Die krisenhafte Gesamtlage bestätigt daher nur allzu deutlich: vor allem konsequentes und flexibles Handeln sichert Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit. Darauf zielen unser Strukturprogramm sowie unsere Neuaufstellung und Strategie. Mit den jüngsten Entscheidungen im Vorstand und Aufsichtsrat haben wir einen wichtigen Meilenstein passiert und wenden unseren Blick jetzt verstärkt nach vorne auf unser profitables Wachstum mit Zukunftstechnologien."

Marktentwicklung getragen von Nordamerika und China / Europa weiter schwach
Die Marktentwicklung im dritten Quartal war insbesondere in China (6,3 Millionen Einheiten / +10,7 Prozent) sowie Nordamerika (4,0 Millionen Einheiten / +0,5 Prozent) besser als erwartet. Die Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in Europa (4,2 Millionen Einheiten / -8,0 Prozent) - vor allem in Deutschland (0,9 Millionen Einheiten / -16,1 Prozent) - hat sich noch nicht erholt und bewegt sich deutlich unter dem Vorjahresniveau. Nach vorläufigen Zahlen ergab sich für das dritte Quartal ein Rückgang der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um rund 3,5 Prozent auf insgesamt 20,3 Millionen Einheiten (Q3 2019: 21,0 Millionen Einheiten).

Wertminderungen und Restrukturierungsaufwendungen belasten berichtetes Ergebnis

Wie in der Pflichtmitteilung vom 21. Oktober 2020 erläutert, führen die im Rahmen des jährlichen Planungsprozesses getroffenen und angepassten Marktannahmen im dritten Quartal 2020 im Geschäftsfeld Vehicle Networking and Information zu nicht zahlungswirksamen Wertminderungen von Goodwill in Höhe von 649 Millionen Euro. Der wesentliche Teil davon geht auf Akquisitionen vor dem Geschäftsjahr 2008 zurück. Im Planungsprozess wurden zudem die erwarteten Auswirkungen von Restrukturierungsmaßnahmen berücksichtigt.

Darüber hinaus haben sich im dritten Quartal 2020 Restrukturierungsaufwendungen und Wertminderungen auf Sachanlagen in Höhe von 687 Millionen Euro ergeben, die im Rahmen des erweiterten Strukturprogramms "Transformation 2019-2029" angefallen sind. Für das vierte Quartal werden weitere Aufwendungen für Restrukturierungen und Wertminderungen auf Sachanlagen in noch nicht feststehender Höhe im Zusammenhang mit diesem Programm erwartet.

Diese Wertminderungen und Restrukturierungsaufwendungen haben zu einem negativen Wert des berichteten EBIT im dritten Quartal 2020 geführt. Gleiches gilt für das den Anteilseignern zuzurechnende Konzernergebnis. So lag das operative Ergebnis (EBIT) im dritten Quartal 2020 bei -673 Millionen Euro (Q3 2019: -1.971 Millionen Euro). Das entspricht einer EBIT-Marge von -6,5 Prozent (Q3 2019: -17,7 Prozent). Das Nettoergebnis beläuft sich auf -719 Millionen Euro (Q3 2019: -1.986 Millionen Euro).

Starker Free Cashflow vor Akquisitionen und Carve-out-Effekten

Im dritten Quartal 2020 belief sich der Free Cashflow vor Akquisitionen und Carve-out-Effekten auf 1,8 Milliarden Euro (Q3 2019: 343 Millionen Euro). Im zweiten Quartal 2020 war er in Höhe von 1,8 Milliarden Euro negativ. "Die negativen Working-Capital-Effekte aus dem zweiten Quartal haben sich mit der Stabilisierung des Geschäftsverlaufs im dritten Quartal wie erwartet neutralisiert", erläuterte der Continental-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer.

Ausblick Geschäftsjahr 2020

Für das vierte Quartal 2020 erwartet Continental einen Rückgang der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 4 bis 6 Prozent. Für das Gesamtjahr 2020 prognostiziert das Unternehmen einen Rückgang um rund 18 bis 19 Prozent. Auf Basis dieser Produktionserwartung sowie der Prognosen für die Entwicklung der Ersatzreifenmärkte und insbesondere unter der Annahme keiner neuen, unerwarteten Auswirkungen der noch andauernden Coronavirus-Pandemie auf die Produktion, die Lieferkette und den Kundenbedarf, erwartet Continental derzeit für das Geschäftsjahr 2020 einen Konzernumsatz von rund 37,5 Milliarden Euro und eine bereinigte EBIT-Marge von rund 3 Prozent.

Für die Automotive-Geschäftsfelder Autonomous Mobility and Safety, Vehicle Networking and Information sowie Powertrain rechnet das Technologieunternehmen mit einem Umsatz von rund 22,0 Milliarden Euro und einer bereinigten EBIT-Marge von rund -1,5 Prozent. Dieser Ausblick berücksichtigt unter anderem erwartete Rückstellungen für Gewährleistungen und höhere Netto-Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen als bisher eingeschätzt. Diese Faktoren werden das bereinigte EBIT im vierten Quartal 2020 spürbar belasten.

Für ihre Rubber-Geschäftsfelder rechnet Continental für das Geschäftsjahr 2020 mit einem Umsatz von rund 15,5 Milliarden Euro und mit einer bereinigten EBIT-Marge von rund 10,5 Prozent.

Im Zusammenhang mit dem Strukturprogramm "Transformation 2019-2029" werden für das vierte Quartal 2020 weitere Aufwendungen für Restrukturierungen und Wertminderungen von Sachanlagen in noch nicht feststehender Höhe erwartet. Sie werden keinen Einfluss auf das bereinigte EBIT haben, sich aber erheblich auf das berichtete EBIT und das den Aktionären zuzurechnende Konzernergebnis auswirken.

Die Investitionen vor Finanzinvestitionen werden bei rund 6,3 Prozent vom Konzernumsatz erwartet.

Für das Geschäftsjahr 2020 erwartet Continental einen positiven Free Cash Flow vor Akquisitionen und vor Carve-Out-Effekten. Allerdings wird der Betrag des Free Cash Flow deutlich geringer ausfallen als im vorherigen Geschäftsjahr.

Entwicklung der Unternehmensbereiche

Der Umsatz des Unternehmensbereichs Automotive Technologies lag bei 4,1 Milliarden Euro (Q3 2019: 4,7 Milliarden Euro) und die bereinigte EBIT-Marge bei 2,4 Prozent (Q3 2019: 5,0 Prozent). Das organische Umsatzwachstum belief sich auf -6,4 Prozent.

Für Zukunftstechnologien konnte Continental im Unternehmensbereich Automotive Technologies im dritten Quartal 2020 milliardenschwere Aufträge gewinnen, wie etwa für ein integriertes Bremssystem bei einem deutschen Premiumhersteller. Bereits sicher und vernetzt unterwegs mit Continental-Technologie ist das neue Elektromodell ID.3 von Volkswagen. Dafür liefert das Technologieunternehmen wesentliche Komponenten wie eine besonders robuste und wartungsarme Trommelbremse, energiesparende Reifen, Schlauchleitungen für das Thermomanagement, das Zentraldisplay und einen vollvernetzten zentralen Hochleistungsrechner.

Dieser ist die zentrale Verbindungsstelle zwischen Fahrzeug und digitaler Welt. Für diese leistungsstarken Fahrzeugrechner liegen Continental bereits Aufträge von Fahrzeugherstellern weltweit mit einem Gesamtwert von insgesamt mehr als 4 Milliarden Euro vor.

Der Unternehmensbereich Rubber Technologies erwirtschaftete einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro (Q3 2019: 4,6 Milliarden Euro) und eine bereinigte EBIT-Marge von 15,0 Prozent (Q3 2019: 11,8 Prozent). Das organische Umsatzwachstum lag bei -1,4 Prozent. Die positive Margen-Entwicklung im dritten Quartal 2020 wurde in erster Linie getragen von hoher Kostendisziplin, der Rohstoffpreisentwicklung sowie soliden Absatzzahlen in China und Nordamerika. In Europa blieben die Absatzzahlen unter dem Vorjahresniveau. Darüber hinaus erwartet die Reifenindustrie ein schwaches Winterreifengeschäft in Europa.

Im Geschäftsfeld ContiTech zeigen die seit 2018 ergriffenen Strukturmaßnahmen sowie die hohe Kostendisziplin ergebnisseitig die geplante Wirkung. Mit einer bereinigten EBIT-Marge von 10,6 Prozent im dritten Quartal 2020 (Q3 2019: 7,5 Prozent) erreicht das Geschäftsfeld den zweistelligen Margen-Zielkorridor. Im dritten Quartal 2020 waren bei ContiTech besonders Luftfedern für Lkw regulierungsbedingt auf dem chinesischen Markt gefragt. Der Rückenwind durch Rohstoffpreise und erheblich verminderte Ausgaben wird allerdings nicht nachhaltig sein und damit auch nicht das erreichte Margen-Niveau im Unternehmensbereich Rubber Technologies.

Im Unternehmensbereich Powertrain Technologies ergab sich ein Umsatz von 1,9 Milliarden Euro (Q3 2019: 1,9 Milliarden Euro) und eine bereinigte EBIT-Marge von 5,8 Prozent (Q3 2019: -6,5 Prozent). Das organische Umsatzwachstum belief sich auf 2,4 Prozent. Vitesco Technologies profitiert neben erhöhten Absätzen mit Elektronik für Antriebssteuerung und -sensorik von erhöhten Abrufen von Elektrifizierungskomponenten. Diese positive Entwicklung spiegelt sich ebenfalls in den Auftragseingängen wider. So hat der Unternehmensbereich beispielsweise im dritten Quartal einen milliardenschweren Auftrag für eine vollintegrierte Hochvolt-Box für Elektrofahrzeuge erhalten. Sie dient als eine Art Umspannwerk, das mehrere Funktionen in sich vereint (z.B. Regelung Ladevorgang, Sicherstellen Energieversorgung) und für Betriebsspannungen bis 800 Volt ausgelegt ist.

Zum Ende des dritten Quartals 2020 beschäftigte Continental mehr als 233.000 Mitarbeiter. Dies entspricht einem Rückgang um mehr als 7.700 Personen im Vergleich zum Jahresende 2019. Gründe für den Rückgang sind geringere Produktionsvolumina aufgrund der Coronavirus-Pandemie, Effizienzsteigerungen sowie ergriffene Maßnahmen im Rahmen des Strukturprogramms.

Continental entwickelt wegweisende Technologien und Dienste für die nachhaltige und vernetzte Mobilität der Menschen und ihrer Güter. Das 1871 gegründete Technologieunternehmen bietet sichere, effiziente, intelligente und erschwingliche Lösungen für Fahrzeuge, Maschinen, Verkehr und Transport. Continental erzielte 2019 einen Umsatz von 44,5 Milliarden Euro und beschäftigt aktuell mehr als 233.000 Mitarbeiter in 59 Ländern und Märkten.

Detaillierte Zahlen können Sie unter dem folgenden Link abrufen: https://www.continental.com/de/presse/pressemitteilungen/ergebnisse-9-monate-2020-240022 (11.11.2020/alc/n/a)