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Banco Popular: Ein Weckruf für alle Renditehungrigen - Anleihenews


13.06.17 12:03
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - "FONDS professionell"-Redakteurin, Edith Humenberger-Lackner, berichtet über die Gefahr von hochverzinsten Bankanleihen.

Österreichische Anleger würden Bail-in-fähige Anleihen in Milliardenhöhe halten. Ihnen sollte die Rettung der Banco Popular durch ihre Rivalin Santander zu denken geben: Denn erstmals seit langem würden Inhaber von hoch verzinsten Bankanleihen infolge einer Bankpleite beträchtliche Verluste verbuchen.

Spaniens größtes Geldinstitut, die Banco Santander, lege einen symbolischen Euro auf den Tisch und übernehme das sechstgrößte Geldhaus des Landes. Die Banco Popular laboriere schon lange an einem Berg fauler Kredite und sei zuletzt in eine Liquiditätskrise geschlittert. Alle internationalen Marktbeobachter, mit denen man in den vergangenen Tagen gesprochen habe, hätten die Rettung mit großer Erleichterung aufgenommen. Denn bei der Banco Popular greife erstmals der 2015 implementierte europäische Bankenabwicklungsmechanismus SRM (Single Resolution Mechanism) und bringe damit ein Stück Normalität zurück in den Bankensektor. Nicht die Steuerzahler, sondern Investoren, die auf der Suche nach höheren Zinsen mehr Risiko akzeptiert hätten, würden zur Kasse gebeten.

Die Abwicklungsbehörde SRB (Single Resolution Board) habe ihren ersten Vorzeigefall mustergültig bewältigt und erhalte dafür von allen Seiten Lob. "Einmal ein EU-Regulator, der exakt das macht, wofür er geschaffen wurde", so laute die Kurzzusammenfassung der Kommentare.

Die Konsequenz, mit der die spanische Bank abgewickelt werde, sollte Renditejägern ein Warnsignal sein. Um die Übernahme um einen Euro zu ermöglichen, habe die SRB mit einem Federstrich nicht nur das Aktienkapital der übernommenen Bank entwertet, sondern auch sämtliche Nachranganleihen bis in höhere Senioritäten hinein.

Zum ersten Mal seien dabei zwei der in letzter Zeit so beliebten Contingent Convertibles (CoCos) ausgefallen. Die SRB habe hier zugelangt, obwohl die Kernkapitalquote der Banco Popular noch gar nicht auf jenen Wert gesunken sei, bei dem die Papiere vertragsgemäß in Aktien umgewandelt hätten werden sollten. Die beiden CoCos hätten bei 8,25 beziehungsweise 11,5 Prozent rentiert, was bis vor kurzem sehr attraktiv ausgesehen habe. Die SRB sei aber noch weiter gegangen und habe auch die nachrangigen Tier-2-Anleihen, die eigentlich besser besichert seien und daher weniger Zinsen abwerfen würden, in die Rettung mit einbezogen: Sie seien ebenfalls in Aktienkapital umgewandelt und damit wertmäßig auf null gesetzt worden. Nur die Erstranganleihen der Banco Popular seien von der Sanierung ausgenommen worden.

Der Fall könne als echte Trendwende betrachtet werden. Nur wenige Wochen vor der Übernahme hätten die nun ausgefallenen Bonds noch bei mehr als 100 Prozent notiert. Viele seien scheinbar davon ausgegangen, dass der "Too-big-to-fail-Mechanismus" in Europa nach wie vor intakt sei.

Ganz unbegründet gewesen sei diese Annahme freilich nicht: Denn während die EZB die Banco Popular nun als nicht überlebensfähig eingestuft habe und der SRB zur Abwicklung übertragen habe, habe sie nur Tage davor dem italienischen Staat genehmigt, die seit Jahren kriselnde Monte dei Paschi zu sanieren. Offenbar habe man so kurz vor möglichen Wahlen im Euro-skeptischen Italien keine Bankenpleite zulassen wollen. Ob und wann und für welche Papiere die EZB den Daumen hebe oder senke, sei für Außenstehende nicht abzusehen und damit bekomme das Wort Risiko bei Bankanleihen eine neue Qualität. Bei der Banco Popular würden nun Anleihen im Wert von mehr als 2 Milliarden Euro ausfallen.

Diese jüngste Entwicklung müsse man auch als Anlageberater und Privatanleger zur Kenntnis nehmen: In Österreich hätten Banken in den vergangenen Jahren Bail-in-fähige Anleihen im Wert von rund 20 Milliarden Euro an private Haushalte verkauft. Interessanter Weise hätten die Banken einander derartige Papiere nur im Ausmaß von rund 15 Milliarden Euro abgenommen. (News vom 12.06.2017) (13.06.2017/alc/n/a)