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Bafin verzichtet auf Verbot von Bonitätsanleihen


05.12.17 12:16
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Finanzaufsicht Bafin sieht davon ab, den Vertrieb von bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen an Privatkunden zu verbieten, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Aufsicht habe die Emission und den Vertrieb dieser Produkte bis Ende September überprüft und dabei festgestellt, dass die Selbstverpflichtung der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) und des Deutschen Derivate Verbands (DDV) weitgehend eingehalten werde, habe die Behörde am Dienstag mitgeteilt. Privatanleger seien nun ausreichend geschützt.

Die Bafin habe aufgrund von Bedenken für den Anlegerschutz Ende Juli 2016 ein Verbot von Zertifikaten auf Bonitätsrisiken im Retail-Vertrieb angedroht. Als Reaktion darauf hätten DK und DDV Mitte Dezember 2016 eine Selbstverpflichtung veröffentlicht, die eine bessere Risikoaufklärung vorsieht und den Vertrieb solcher Papiere auf risikobereite und erfahrene Anleger beschränke. Die Bafin habe ihr geplantes Verbot daraufhin zunächst zurückgestellt. Nach Abschluss einer neunmonatigen Überwachungsphase sehe sie nun von einem Verbot ab, werde die Einhaltung der Selbstverpflichtung aber weiterhin beobachten.

"Die Entwicklung bei den bonitätsabhängigen Schuldverschreibungen zeigt, dass die Bafin auch ohne ein Verbot deutliche Verbesserungen im Anlegerschutz erreichen kann", sage Bafin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele. Die Behörde habe von Januar bis Ende September insgesamt 106 neu emittierte bonitätsabhängige Schuldverschreibungen mehrerer Emittenten überprüft und dabei festgestellt, dass die Selbstverpflichtung der Zertifikateindustrie eingehalten werde. Weitere Beschränkungen seien daher derzeit nicht erforderlich.

Die Bafin habe unter anderem Wertpapierprospekte und Produktinformationsblätter kontrolliert und Werbe- und Informationsmaterialien sowie die Produktbeschreibungen auf den Internetseiten der Emittenten untersucht. "Ergänzend überprüfte die Aufsicht vor Ort, ob die vertriebsbezogenen Grundsätze beachtet werden, und wertete dazu unter anderem Beratungsprotokolle aus", heiße es in der Mitteilung der Behörde. "Hier stellte sie zwar vereinzelt Verstöße fest. Diese waren jedoch nicht systemischer Natur, sondern auf individuelles Fehlverhalten zurückzuführen." (05.12.2017/alc/n/a)