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Zentralbank-Tauben gehen in Deckung


22.10.19 16:00
State Street

Boston (www.anleihencheck.de) - Diese Woche notiert Tim Graf, Leiter Makro-Strategien für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (EMEA), dass die Medienberichterstattung über die größten Notenbanken, obwohl sie einen immer noch gemäßigten Ton hat, mehr auf einen neutraleren Kurs einschwenkt, während die Politiker wenig Appetit auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zeigen, so die Experten von State Street.

Durch ihre Partnerschaft mit MKT MediaStats könnten die Experten messen, mit welcher Intensität Worte und Sätze eher gemäßigte oder eher aggressive Konnotationen aufweisen würden. Die Experten hätten festgestellt, dass die Differenz zwischen aggressiven und gemäßigten Äußerungen zu Änderungen in den kurzfristigen Zinserwartungen führen könne.

Im 2. Quartal 2019 sei die Tonalität der Berichterstattung sowohl über die FED als auch über die EZB deutlich gemäßigt worden, bevor im Sommer beide Zentralbanken Zinssenkungen vorgenommen hätten und letztere das Anleihekaufprogramm erneut gestartet habe. Jetzt gehe die Tonalität wieder mehr in die neutrale Richtung, und die FED habe nur moderate Zinssenkungen in Aussicht gestellt.

Vielleicht noch interessanter sei der interne Gegenwind, den die EZB erfahren habe, nachdem sie ihre Äußerungen auf den moderatesten Stand der vergangenen fünf Monate zurückgefahren habe. Das letzte Meeting des scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi solle den Erwartungen zufolge ein Non-Event werden, aber er verlasse das Amt an einem Punkt, an dem er wahrscheinlich die kurzfristige Bereitschaft der Zentralbank erschöpft habe, die Politik zu unterstützen. Aus Sicht der Experten sehe es aus, als werde die EZB weitere Maßnahmen für längere Zeit auf Eis legen. (22.10.2019/alc/a/a)