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Wienerberger: Nur bedingt COVID-19-Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2020


26.02.21 10:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wienerberger legte gestern Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 vor, die ein gemischtes Bild zeichneten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Während der Umsatz auf hohem Niveau habe gehalten werden können, hätten vor allem Einmaleffekte das Ergebnis auf EBIT- und Nettogewinn-Ebene deutlich getrübt. Die höhere Bruttoverschuldung sähen die Analysten der RBI gut begründet und auch ratingseitig würden die Analysten keine negativen Nachrichten erwarten.

Die gestern von der Wienerberger AG (Wienerberger, Ba1) vorgelegten Zahlen zum Geschäftsjahr 2020 würden ein gemischtes Bild zeigen. Einerseits sei trotz COVID-19 und damit einhergehender Lockdowns der Umsatz mit -3% marginal geringer als im Rekordjahr 2019 ausgefallen. Auch das EBITDA LFL (von Wienerberger adjustiertes EBITDA) zeige sich mit EUR 558 Mio. nur etwas unter dem Vorjahreswert (EUR 610 Mio.).

Andererseits hätten u.a. Wertberichtigungen (vollständige Abschreibung des Firmenwertes in Nordamerika, EUR 90 Mio.; Abschreibungen auf Sachanlagen in Russland und weiteren europäischen Märkten, EUR 22 Mio.) belastend auf das EBIT (EUR 193 Mio., -47%) sowie den Nettogewinn (EUR 100 Mio., -62%) gewirkt. Gegliedert nach Wienerberger Business Units, Building Solutions (-4% auf EUR 2.092 Mio.), Piping Solutions (-3% auf EUR 959 Mio.) und North America (-3% auf EUR 325 Mio.), zeige sich der Umsatzrückgang sehr ähnlich, während EBITDA LFL (Building Solutions wirke sich belastend aus) als auch EBIT (z.B. EUR -73 Mio. in North America) unterschiedliche Verläufe innerhalb der Business Units aufweisen würden.

Working Capital Effekte als auch eine im Vergleich zum Vorjahr niedrigere Investitionstätigkeit hätten den Free Cashflow 2020 den Berechnungen der Analysten der RBI zufolge um 57% auf EUR 335 Mio. ansteigen lassen. Dementsprechend sei es mit der Call-Bekanntgabe Ende 2020 und der damit verbundenen Umgliederung des Hybridkapitals vom Eigenkapital in die kurzfristige Verschuldung zu keinem nennenswerten Anstieg der von den Analysten der RBI berechneten Nettoverschuldung gekommen (31. Dezember 2020: EUR 931 Mio., +3% YoY). Bilanzseitig habe die Umgliederung des Hybridkapitals zu einer Reduzierung der Eigenkapitalquote von 50% (2019) auf 40% (2020) geführt. Ausgehend von einem nicht um die Wertberichtigungen adjustierten EBITDA erhalte man für 2020 eine Leverage Ratio von 2,1x (vs. 1,5x für 2019), während jene um Sondereffekte bereinigt einen Wert von 1,6x (vs. 1,4x für 2019) ergebe.

Das Marktumfeld 2021 in den Wienerberger Endmärkten sehe das Management mit anhaltend positivem Trend. Zwar dürfte beim Neubau eine gegenüber 2020 gleich bleibende bis gering darunter liegende Aktivität zu verzeichnen sein, jedoch sollte sich die Nachfrage, auch aufgrund von regulatorischen Förderungen (z.B. EU Green Deal, mögliche staatliche Anreize) nach Renovierungslösungen als auch nach Infrastrukturlösungen weiter positiv gestalten. Bei Letzteren könnten sich höhere Preise für Plastikgranulat etwas dämpfend auswirken. Darüber hinaus erwarte Wienerberger in Nordamerika vor allem im 1. Halbjahr eine Fortführung der starken Bauaktivität.

Ausgehend davon und u.a. von der Annahme keiner weiteren Lockdowns sowie des strengen Winters im 1. Quartal 2021 gehe das Wienerberger Management für das laufende Jahr von einem EBITDA in der Bandbreite von EUR 600 bis 620 Mio. (ohne Beitrag von der kürzlich durchgeführten Akquisition von Meridian Brick in den USA) aus. CAPEX-seitig erwarte man für das laufende Jahr EUR 120 Mio. (Instandhaltung) bzw. weitere EUR 140 bis 160 Mio. an Wachstumsinvestitionen im Zusammenhang mit den 2023 Zielen.

Bereits am 23. Februar habe Wienerberger eine Änderung im Vorstand bekannt gegeben. Herr Gerhard Hanke folge mit 1. März 2021 Herrn Carlo Crosetto, der auf eigenen Wunsch aus dem Wienerberger-Vorstand Ende Februar ausscheide, als CFO nach.

Die gemischt ausfallenden Wienerberger-2020-Zahlen würden die Analysten der RBI aus Credit-Sicht als neutral interpretieren. Mit der in 2020 durchgeführten Emission der EUR 400 Mio. und in 2025 fälligen Anleihe habe Wienerberger die im April 2020 EUR 300 Mio. fällige Anleihe als auch einen Teil der im Dezember 2020 gecallten und im Februar 2021 getilgten Hybridanleihe (EUR 215 Mio.) refinanziert. Zusätzlich dazu habe man weitere EUR 145 Mio. an bilateralen Kreditlinien im vergangenen Jahr aufgenommen. Per Ende 2020 habe Wienerberger über EUR 666 Mio. an liquiden Mitteln verfügt (31.12.2019: EUR 129 Mio.). Damit sei weitestgehend der Anstieg der Bruttoverschuldung von EUR 1.036 Mio. auf EUR 1.598 Mio. begründet. Darüber hinaus habe Wienerberger zu Jahresende 2020 über EUR 371 Mio. einer nicht ausgenützten revolvierenden Kreditlinie verfügt.

Mit dem aus Sicht der Analysten der RBI in Summe gut gefüllten Liquiditätspolster habe man auch den Kaufpreis der Meridian Brick-Akquisition (USD 250 Mio.; Closing für das 1. Halbjahr 2021 erwartet) vorfinanziert bzw. Spielraum beim saisonalen Working Capital Bedarf. Mit der Meridian-Akquisition werde sich der Wienerberger-Umsatz in North America auf USD 800 Mio. verdoppeln, während man mit einem EBITDA nach Synergieeffekten in Höhe von mehr als USD 120 Mio. ab 2023 rechne.

Nach diesem Zukauf gehe das Wienerberger-Management davon aus, dass man sich in diesem Jahr der Geschäftskonsolidierung im Konzern widme. So habe man sich zuletzt u.a. von den Wienerberger-Aktivitäten in der Schweiz getrennt. Bei einer möglichen M&A-Aktivität dürfte laut Conference Call von vorgestern das Piping Solutions Geschäft von Wienerberger priorisiert werden. Basierend auf dem Ausblick des Wienerberger-Managements für 2021 gehen wir vorerst davon aus, dass es zu keinem Downgrade des Ba1 Moody's Ratings für Wienerberger (negativer Ausblick seit Mai 2020) kommen wird, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 25.02.2021) (26.02.2021/alc/a/a)