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Wichtigste Themen an den Rentenmärkten: US-Konjunkturprogramm und Inflation


15.01.21 09:05
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen sind nach dem Anstieg der letzten Tage zuletzt wieder zurückgegangen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Es seien im Wesentlichen zwei Themen, die die Rentenmärkte derzeit bewegen würden: Das mögliche neue Konjunkturprogramm in den USA und Inflation. Mit der Mehrheit im Senat sei es wahrscheinlicher geworden, dass die künftige Biden-Administration ein umfangreiches Konjunkturpaket durchsetzen könne und die Verschuldung entsprechend steigen werde. Dem stehe entgegen, dass ein Impeachmentverfahren gegen Noch-Präsident Donald Trump, wenn es nach der Amtseinführung von Biden (20. Januar) im Senat zur Abstimmung gestellt werde, Zeit koste und sich ein Beschluss über das Konjunkturpaket dadurch verzögern könne.

In Bezug auf die Inflation sei davon auszugehen, dass der Preisauftrieb in den kommenden Monaten steigen werde, da die Energiepreise im Vorjahresvergleich deutlich höher ausfallen würden, selbst wenn der Ölpreis auf dem jetzigen Niveau verharre. Im Grunde genommen wisse aber jeder, dass derartige Inflationseffekte vorübergehend seien. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden der Meinung bleiben, dass die Inflation erst dann nachhaltig steigen werde, wenn die Kapazitäten in der Produktion und an den Arbeitsmärkten in den meisten Ländern wieder ausgelastet seien und das werde voraussichtlich nicht vor Ende 2022 sein.

Das Impeachmentverfahren, die Furcht vor neuen Gewaltausbrüchen im Zuge der Amtseinführung von Joe Biden sowie die geplatzte Regierungskoalition in Italien seien derzeit die politischen Unsicherheiten, die den Auftrieb der Staatsanleiherenditen (Bunds und T-Notes) vermutlich gebremst hätten. In Italien könnte es nach dem Rückzug der Minister der Partei Italia Viva von Matteo Renzi theoretisch zu Neuwahlen kommen. Allerdings habe kaum eine Partei Interesse daran, weil die Umfragen für die Regierungsparteien starke Verluste vorhersähen. Die nächsten regulären Wahlen seien erst wieder 2023.

Heute (15.01.) beginne der zweitägige CDU-Parteitag, bei dem 1.001 Delegierte über den nächsten Parteivorsitzenden und damit vermutlich auch über den CDU/CSU-Kanzlerkandidaten entscheiden würden. Sollte Friedrich Merz die Wahl für sich entscheiden, könnte dies positive Spuren an den Aktienmärkten hinterlassen, da mit ihm die wirtschaftsfreundlichste Agenda assoziiert werde.

Am kommenden Donnerstag (21.01.) werde das EZB-Treffen stattfinden. Nachdem die Notenbank im Dezember ein sehr umfangreiches Paket geschnürt habe (vor allem Aufstockung von PEPP und TLTRO), seien jetzt keine neuen Maßnahmen zu erwarten. Für Schlagzeilen könnten eher zwei langfristige Themen sorgen: Der digitale Euro und Bitcoin. Letzterer werde von der Notenbankpräsidentin Christine Lagarde offensichtlich sehr kritisch gesehen, man wolle gemäß ihrer letzten Äußerungen die Kryptowährung zusammen mit anderen Staaten regulieren. Der digitale Euro solle in spätestens fünf Jahren kommen. Hier könnten die Journalisten die meisten Fragen haben. Geldpolitisch ändere eine derartige Ankündigung erst mal nichts, mittelfristig könnte ein digitaler Euro aber durchaus Implikationen haben, etwa in der Form der Durchsetzungsfähigkeit von negativen Zinsen.

Schließlich sei zu erwarten, dass gegen Ende der Woche bereits die ersten Meldungen über eine mögliche Verlängerung oder die Verschärfung des bestehenden Lockdowns in Deutschland durchsickern würden, da sich die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung am 25.01. offiziell darüber beratschlagen möchten.

Datenseitig sollte man auf die heutigen Industrieproduktionsdaten in den USA für Dezember schauen, die möglicherweise noch mal zugelegt hätten. Nächste Woche würden außerdem die Inflationsdaten für Deutschland sowie der ZEW-Index (beide am 19.01.) veröffentlicht. Außerdem sei in der Eurozone auf die Schnellschätzung der PMI-Indices für Deutschland und Frankreich (22.01) zu achten. (Ausgabe vom 14.01.2021) (15.01.2021/alc/a/a)