Verteilt Mario Draghi Süßes oder Saures?


26.10.17 12:15
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - In dieser Woche dreht sich wieder alles um das liebe Geld, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Bei den Jamaika-Sondierungsgesprächen hätten die Verhandlungsführer ihre jeweiligen Vorstellungen den möglichen Koalitionspartnern dargelegt. Insgesamt seien Ausgaben in der Größenordnung von 100 Mrd. Euro für die anstehende Legislaturperiode erläutert worden. Wie diese Ausgabenpolitik aber mit der Politik der "Schwarzen Null" vereinbar sein werde, bzw. an welcher Stelle Ausgabenkürzungen vorgenommen werden sollten, bleibe die Gretchenfrage und dürfte eine der größeren Hürden auf dem Weg zu einer neuen Regierung für die Bundesrepublik Deutschland sein. Doch auch an anderer Stelle dürfe man in monetärer Hinsicht erwartungsvoll in die Zukunft blicken.

Denn an diesem Donnerstag wird Super-Mario uns wieder seine Sicht auf die zukünftige Geldpolitik der von ihm geführten Europäischen Zentralbank (EZB) darlegen, so die Analysten der Baader Bank. Es sei zu befürchten, dass die Hoffnung von auf Zinseinkünfte angewiesenen Investoren erneut einen Dämpfer erhalten werde und die natürlichen Marktmechanismen weiterhin ausgehebelt würden. Zumal sich immer noch der Eindruck aufdränge, dass die Finanzmärkte ohne die Droge des billigen Geldes nicht überlebensfähig seien. Hierüber herrsche inzwischen größtenteils Konsens unter den Gelehrten. Somit gehe es bei der heutigen EZB-Sitzung und der anschließenden Pressekonferenz in erster Linie um die weitere Ausgestaltung der Anleihekaufprogramme. Jedoch dürfe das damit in direktem Zusammenhang stehende Anwachsen der Target2-Salden nicht ignoriert werden und sei deshalb sicherlich auch ein Thema im EZB-Rat.

Der deutsche Target-Saldo sei nämlich inzwischen auf den neuen Rekordwert von ca. 879 Mrd. Euro geklettert. Im Gegenzug würden sich die Verbindlichkeiten Italiens auf ca. 378 Mrd. Euro belaufen, die von Portugal auf 79 Mrd. Euro. Diese unbesicherten Kredite der Deutschen Bundesbank an andere europäische Zentralbanken würden immer mehr zu einer tickenden Zeitbombe, die es zu entschärfen gelte. In diesem Zusammenhang werde in den Geberländern des Öfteren eine mögliche Besicherung mit Edelmetallbeständen ins Spiel gebracht, was allerdings schon daran scheitere, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen würden. So würden die Goldreserven Italiens nur mit 85 Mrd. Euro bewertet. Es wäre also lediglich der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Die Analysten der Baader Bank stellen sich doch die Frage, was uns Mario Draghi bei seiner heutigen Pressekonferenz zu berichten haben wird. Die Drosselung des monatlichen Kaufvolumens von 60 Mrd. Euro auf 30 Mrd. Euro gelte als so gut wie sicher. Aber noch viel wichtiger sei, ob zur generellen QE-Dauer etwas gesagt werde. Nach den bisherigen Erfahrungen, die man in der Vergangenheit mit dem amtierenden EZB-Präsidenten habe machen können, sei zu befürchten, dass er sich mit konkreten Zeitschienen zurückhalten werde, und der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik weiter in die Ferne verschoben werde. Und das, obwohl die Zeit dränge. Denn nicht von ungefähr habe Janet Yellen vor wenigen Tagen mit einem Hinweis für Irritationen gesorgt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die kurzfristigen Zinssätze irgendwann wieder gesenkt werden müssen, ist beunruhigend hoch", habe die FED-Chefin gesagt. Mit anderen Worten: "Erhöhe in der Zeit, dann hast Du in der Not!" Jedoch scheine diese Botschaft bei Super-Mario noch kein Gehör gefunden zu haben.

Während die Kapitalmärkte über einen möglichen vorsichtigen Ausstieg der EZB spekulieren würden, dürfe der Blick auf die Schuldenkinder der Europäischen Union (EU) nicht vergessen werden. Sicher, die Wirtschaft in der Währungszone laufe unterm Strich gut und die Inflation nähere sich allmählich dem Ziel von 2%. Genügend Gründe also, die Zinszügel endlich wieder anzuziehen, sollte man meinen. Aber die EZB müsse eben auch die Eurostaaten berücksichtigen, die immer noch hohe Altlasten mit sich herumschleppen würden.

Vor diesem Hintergrund betrachte eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln die Tragfähigkeit der Staatsschulden in den Krisenstaaten Italien, Spanien und Portugal und komme zu ernüchternden Ergebnissen. Selbst unter der Annahme einer gut laufenden Konjunktur würden insbesondere Italien und Portugal nicht vor 2022 in der Lage sein, ihre Schuldenquote unter 100% des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Auch unter besten Voraussetzungen werde das für diese beiden Staaten nicht zu schaffen sein und lediglich Spanien könnte hierbei die 90%-Marke erreichen.

Dabei unterstelle der federführende IW-Experte Jürgen Matthes eine gewisse Ausgabendisziplin, was eher optimistisch erscheine. Habe doch der Favorit für die Wahlen in Italien im Frühjahr, Matteo Renzi, bereits angekündigt, die Ausgaben erhöhen zu wollen. Im pessimistischen Szenario des IW, das neben geringer Budgetdisziplin höhere Zinsen und schwächeres Wachstum unterstelle, würde die Schuldenlast Italiens daher bis 2022 von derzeit 133% sogar auf 140% steigen.

Darüber hinaus würden zügig ansteigende Zinsen im Euroraum die ohnehin schon immense Schuldenlast in diesen Ländern weiter erhöhen. Eine spürbare Entschuldung würde somit vollends in weite Ferne rücken. Es stelle sich also die Frage, ob denn die Schuldentragfähigkeit dieser Staaten noch gegeben sei. Verschärfen würde sich das Problem, wenn Banken Staatsanleihen nicht mehr als risikolose Papiere halten dürften, wie es IW-Forscher Mattes anrege, sondern diese Anlagen mit Eigenkapital unterlegen müssten.

Es bleibe also der Eindruck, dass das Gespenst eines Schuldenschnitts nicht tot zu kriegen sei. Einem solchen Szenario aber wäre nur schwer zu entgehen. Auch wenn man selbst nicht in den Staatsanleihen der betroffenen Länder investiert wäre, würden die Auswirkungen jeden treffen - eben indirekt über die eigene Renten- oder Lebensversicherung, die alle in europäischen Staatsanleihen engagiert seien. Gleichzeitig werde dabei die Falle deutlich, in der die Banken sitzen würden, denen man den Aufkauf von Staatsanleihen ohne Eigenkapitalunterlegung immer noch gestatte. Aber je länger dies der Fall sei, desto fataler würden die Verflechtungen zwischen Banken und Staaten.

Die erfreulichen Nachrichten aus Griechenland hätten sich in letzter Zeit gehäuft und es sei immer wieder betont worden, dass sich die Wirtschaft in Hellas dank eines neuen Touristenbooms schneller als gedacht erhole. Deshalb plane die griechische Regierung diejenigen zu belohnen, die unter dem Spardiktat der vergangenen Jahre am meisten gelitten hätten. Hierzu sollten im nächsten Monat die Details einer "Social Dividend" in Höhe von 1 Mrd. Euro bekannt gegeben werden. Doch aus diesen Träumen sei man jetzt unsanft gerissen worden. Nach neuesten Berechnungen sei die griechische Wirtschaft 2016 nicht, wie ursprünglich angenommen, um 0,6% gewachsen, sondern um 0,2% geschrumpft. Vor allem geringere Konsumausgaben hätten dafür gesorgt, dass das Land doch wieder in eine Rezession gerutscht sei.

Athen habe in der Folge seine Erwartungen für 2017 heruntergeschraubt, und zwar von 2,7% auf 1,8%. Die internationalen Gläubiger möchten nun in einer dritten Prüfungsrunde untersuchen, ob Griechenland unter diesen Voraussetzungen die fiskalischen Vorgaben überhaupt erreichen könne: Einen Primärüberschuss im Haushalt von 1,75% des BIPs in diesem und 3,5% im nächsten Jahr.

Hierzu seien Prüfer des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EZB, der EU-Kommission und des Euro-Stabilitätsfonds (ESM) wieder in Athen eingetroffen. Nachdem Alexis Tsipras bisher immer wieder versucht habe, den IWF aufgrund seiner strikten Reformvorgaben aus der Runde hinauszudrängen, umschmeichle nun Griechenlands Premier die IWF-Chefin Christine Lagarde. Offenbar habe er erkannt, dass er sie brauche, um Schuldenerleichterungen durchzusetzen. So habe Tsipras nach einem Treffen mit Lagarde verkündet, der IWF sei fortan als Partner im griechischen Rettungsprogramm willkommen. Habe der Fonds doch immer wieder von den europäischen Gläubigern gefordert, den Griechen ihre erdrückende Schuldenlast zu erleichtern. Also auch hier sei das Gespenst des Schuldenschnitts nicht tot zu kriegen.

Indessen würden drei griechischen Großbanken auf den Druck der Zentralbank in Athen reagieren. So würden die Institute Piraeus, National und Alpha einen milliardenschweren Verkauf von Problemkrediten zum Jahresbeginn 2018 anpeilen. Bis März kommenden Jahres wolle das Trio die Rekordsumme von 5,5 Mrd. Euro an wackeligen Krediten veräußern. Derzeit würden bei griechischen Banken insgesamt faule Kredite in Höhe von 103 Mrd. Euro schlummern. Dies Summe müsse auf Druck der EZB bis Ende 2019 auf 38 Mrd. Euro abgebaut werden.

Deutschland dürfe auch künftig für die EZB Anleihen ankaufen. Entsprechende Eilanträge, mit denen eine weitere deutsche Beteiligung gestoppt werden sollte, habe das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe abgelehnt. Damit seien die Anträge des früheren CSU-Politikers Peter Gauweiler und der ehemaligen AfD-Politiker Bernd Lucke, Hans-Olaf Henkel sowie anderer Kläger erfolglos geblieben. Das Gericht habe argumentiert, die Anträge seien unzulässig, weil eine einstweilige Anordnung die Entscheidung im Hauptverfahren schon vorweggenommen hätte. Dies könne als Teilerfolg von EZB-Chef Mario Draghi gewertet werden.

Bisher habe die EZB für mehr als 2 Billionen Euro Anleihen der Euro-Länder angekauft. Über 425 Mrd. Euro davon habe die Bundesbank in deutsche Staatspapiere gesteckt. Das Bundesverfassungsgericht habe im Sommer Zweifel geäußert, ob das Programm noch in den Kompetenzbereich der EZB falle oder ob eine unzulässige Staatsfinanzierung vorliege. Erst wenn der EuGH darüber entschieden habe, werde das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht fortgesetzt. Und das könne bekanntlich noch dauern!

Die Herbstferien hätten in einigen Bundesländern bereits begonnen und somit würden manche Akteure die Gelegenheit nutzen, noch etwas Sonne für die graue Jahreszeit zu tanken. Andere wiederum seien in dieser Berichtswoche am Kapitalmarkt aktiv gewesen, um sich bei günstigen Konditionen refinanzieren zu können. So hätten Nestlé Finance sowie Verizon jeweils einen 3er Pack begeben und Procter & Gamble habe erfolgreich eine Dualtranche platziert. Danone habe es hingegen mit einer nachrangigen Hybridanleihe versucht.

Die Finanzierungstochter Nestlé Finance des in der Lebensmittelbranche tätigen Großkonzerns Nestlé habe 2 Mrd. Euro am Kapitalmarkt mittels drei Anleihen eingesammelt. Die erste 500 Mio. Euro schwere Tranche (ISIN XS1707074941 / WKN A19RCA) sei am 18.01.2024 fällig und habe einen jährlichen Kupon in Höhe von 0,375%. Begeben hätten sei der Bond zu 99,256%, was einem Emissionsspread von +8 Bps über Mid Swap gleichgekommen sei.

Der zweite Bond (ISIN XS1707075328 / WKN A19RCB) habe ein Emissionsvolumen von 750 Mio. Euro und zahle den Investoren bis zur Fälligkeit am 02.11.2029 einen jährlichen Zins von 1,25%. Der Reoffer habe bei 99,547% gelegen (+20 Bps über Mid Swap). Die dritte Anleihe (ISIN XS1707075245 / WKN A19RCC) laufe bis zum 02.11.2037 und sei mit einem Kupon von 1,75% ausgestattet.

Die 750 Mio. Euro habe Nestlé Finance bei 99,067% erfolgreich platzieren können, was einem Spread von +32 Bps über Mid Swap entsprochen habe. Alle drei Anleihen würden eine Make Whole Option sowie ein festes Kündigungsdatum jeweils drei Monate vor Endfälligkeit besitzen. Für Privatanleger könnten diese drei Bonds aufgrund der privatanleger-freundlichen Mindeststückelung von 1.000 Euro interessant sein.

Verizon habe ebenfalls mittels drei Anleihen 3,5 Mrd. Euro am Kapitalmarkt eingesammelt. Die erste Tranche (ISIN XS1708161291 / WKN A19RHA) des Telekommunikationsdienstleisters über 1,25 Mrd. Euro habe einen Kupon in Höhe von 1,375% und sei am 27.10.2026 endfällig. Der Ausgabepreis habe bei 99,681% gelegen, was einen Spread von +65 Bps über Mid Swap bedeutet habe. Die zweite 0,75 Mrd. Euro schwere Tranche (ISIN XS1708167652 / WKN A19RHB) sei mit einem Zins von 1,875% und einer Fälligkeit am 26.10.2029 ausgestattet. Begeben worden sei dieses Papier zu 98,962% (+90 Bps über Mid Swap).

Komplettiert werde der 3er Pack mit einer 21-jährigen Anleihe (ISIN XS1708335978 / WKN A19RHC) im Volumen von 1,5 Mrd. Euro, die am 15.01.2038 fällig werde. Verizon zahle den Gläubigern jährlich 2,875% Zinsen und das Papier habe einen Emissionsspread von +145 Bps über Mid Swap (Ausgabepreis 99,432%) gehabt. In die Anleihebedingungen habe sich das Unternehmen einen Make Whole Option zugunsten des Emittenten aufnehmen lassen und die Mindeststückelung für alle Bonds auf 100.000 Euro festgelegt.

Procter & Gamble hingegen habe mittels einer 7- und 12-jährigen Anleihe frisches Geld am Kapitalmarkt aufgenommen. Mit dem ersten 500 Mio. Euro schweren Bond (ISIN XS1708192684 / WKN A19RCW) refinanziere sich das Unternehmen bis zum 25.10.2024 zu einem jährlichen Zins von 0,5%. Ausgegeben worden sei das Papier zu 99,378%, was einem Spread von +8 Bps über Mid Swap gleichgekommen sei. Der zweite Bond (ISIN XS1708193815 / WKN A19RCX) habe ebenfalls ein Emissionsvolumen von 500 Mio. Euro und laufe bis zum 25.10.2029. Procter & Gamble zahle den Anlegern bis zur Fälligkeit jährlich 1,25% Zinsen. Der Reoffer habe bei 99,701% gelegen und damit einem Emissionsspread von +20 Bps über Mid Swap entsprochen. Bei beiden Anleihen sei eine Make Whole Option in die Emissionsbedingungen aufgenommen worden und mit der Mindeststückelung von 100.000 Euro würden eher institutionelle Investoren angesprochen.

Als letzter im Bunde habe der französische Lebensmittelkonzern Danone eine nachrangige Hybridanleihe mit einem Volumen von 1,25 Mrd. Euro begeben. Der Bond (ISIN FR0013292828 / WKN A19RCU) habe bis zum 23.06.2023 einen festen jährlichen Zins in Höhe von 1,75% und anschließend richte sich der Zins bis zum 23.06.2028 nach dem 5-jährigen Euro Swap (+1,428 PP). Vom 23.06.2028 bis zum 23.06.2043 ändere sich der Aufschlag auf 1,678 PP. Ab diesem Datum zahle Danone den 5-jährigen Euro Swap +2,428 PP. Der Bond sei ab dem 23.06.2023 jährlich zu 100% seitens des Emittenten kündbar. Ausgegeben worden sei das Papier zu pari (+142,8 Bps über Mid Swap). Eine 100.000 Euro Mindeststückelung komplettiere die Daten des Bonds.

In dieser Handelswoche könne man die Tendenz am Rentenmarkt mit dem Slogan: "Im Zeichen der EZB" umschreiben. Nicht unüblich sei das dabei registrierte Handelsmuster, nachdem in der Vorwoche noch die "spanische Grippe" Anlass für eine freundliche Entwicklung des Rentenbarometers gegeben habe. Denn im Vorfeld einer Zinsentscheidung müssten sich die Marktteilnehmer immer entscheiden, welche Marktreaktion auf welchen Beschluss folgen werde. Im Falle der EZB-Sitzung und der ultralockeren Geldpolitik habe somit seit vielen Jahren zumeist die Angst vor einer Zinswende überwiegen, zumal der Druck aus den eigenen Reihen, Wirtschaftswissenschaftlern und Ausschussmitgliedern bei supranationalen Institutionen, kontinuierlich erhöht werde. Dies habe auch diesmal zu Gewinnmitnahmen bzw. zu Absicherungsmaßnahmen und beim Euro-Bund-Future zum Verlassen seines im Juli begonnenen Aufwärtstrends geführt.

Jedoch stehe und falle die weitere Entwicklung mit der heutigen Botschaft von Mario Draghi. Würden die Signale von den Marktteilnehmern als "hawkishe" Botschaft verstanden, so sei der Weg bei der 10-jährigen Bund-Rendite auf 0,75% frei. Sollte Super Mario aber versuchen, wie die Schlange Kaa seine Zuhörer in geldpolitische Trance zu versetzen, so wäre es nicht verwunderlich, wenn die seit Freitag erfolgten Kursverluste wieder ausgebügelt werden könnten. Da aber niemand wisse, was er wie sagen werde, sei man gut damit beraten, sich mit Hosenträgergurten am Schreibtischstuhl für das heute Nachmittag möglicherweise stattfindende Wechselbad der Gefühle (Volatilität) zu präparieren und nur beim Erreichen vorher definierter "Ausreißer" aktiv zu werden.

Charttechnisch betrachtet verlaufe eine erste Widerstandslinie bei 161,14% und eine zweite bei 161,24%. Ein Überwinden dieser beiden Marken würde den Weg in die Region zwischen 161,80% bis 161,90% frei machen. Nach unten blickend wäre ein Test der am 28. September erreichten 160,24% und gegebenenfalls der psychologisch wichtigen Marke bei 160% in Erwägung zu ziehen. Aktuell notiere der Euro-Bund-Future noch bei 161,02% und die Rentenhändler würden der Dinge harren, die da heute noch kommen würden.

In den USA hätten die Investoren wieder die Qual der Wahl gehabt. Denn neben den üblichen T-Bills für insgesamt 123 Mrd. US-Dollar seien auch als T-Note mit unterschiedlichen Ausstattungen und Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren noch zusätzlich 103 Mrd. US-Dollar refinanziert worden.

In Euroland hingegen seien lediglich Belgien und Deutschland am Kapitalmarkt aktiv gewesen und hätten ca. 6 Mrd. Euro aufgenommen. Hierzu stockte Belgien drei Altemissionen (ISIN BE0000339482 / WKN A180Z5, 2023; ISIN BE0000324336 / WKN A1GSKN, 2026; ISIN BE0000338476 / WKN A18YM3, 2047) auf und Deutschland habe das Emissionsvolumen seiner aktuellen 10-jährigen Benchmark-Anleihe (ISIN DE0001102424 / WKN 110242) um 3 Mrd. Euro auf nunmehr 20 Mrd. Euro erhöht. Die Zuteilung der um ca. 1 Mrd. Euro überzeichneten Gattung sei bei einer Durchschnittsrendite von 0,48% erfolgt und zur Marktpflege seien ca. 614 Mio. Euro zurückbehalten worden.

Am 31.Oktober sei Halloween, das Fest des Grauens. Ob es am Devisenmarkt bereits vor Halloween zu einer gespenstischen Stimmung komme, würden die kommenden Tage zeigen. Denn mit der heutigen EZB-Sitzung stehe für die Marktbeobachter ein immens wichtiges Ereignis kurz bevor. Mit höchster Anspannung würden die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghi zur künftigen Geldpolitik der EZB erwartet. Im Vorfeld der Ratssitzung habe die Gemeinschaftswährung ohne klare Tendenz gehandelt und somit habe sich eine relativ enge Handelsspanne zwischen 1,1725 US-Dollar und 1,1858 US-Dollar ergeben.

Ob die Währungshüter für die Märkte "Süßes oder Saures" bereithalten würden, bleibe abzuwarten. Es sei jedoch davon auszugehen, dass der Euro seine seit Tagen stabile Seitwärtsbewegung verlassen und während der Pressekonferenz auf die einzelnen Meldungen sehr volatil reagieren werde. Heute Morgen notiere die Einheitswährung bereits wieder etwas fester bei 1,1820 US-Dollar.

Wie in der Woche zuvor bleibe der Neuseeland-Dollar (NZD) auf Talfahrt. Gut vier Wochen nach den Wahlen komme es im Land nun doch zu einem Regierungswechsel. Dieser sei so vom Markt nicht erwartet worden. Zudem plane die neue Linksregierung, wie im Wahlkampf angekündigt, das Mandat der Notenbank zu überprüfen und zu reformieren. Infolgedessen sei der Kiwi-Dollar unter Druck geraten und zum Euro deutlich gefallen. Bei einem Devisenkurs von 1,7216 NZD notiere der Kiwi-Dollar so schwach wie zuletzt im Februar 2016. Nach Aussage von verschiedenen führenden Devisenhändlern bestehe noch weiterhin Abwärtspotenzial bei der Währung aufgrund der neuen politischen Ausrichtung.

In diesem Zusammenhang seien bei den Kiwi-Bonds leicht erhöhte Handelsaktivitäten zu registrieren gewesen. Darüber hinaus hätten Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand und Russische Rubel im Fokus der Privatanleger gestanden.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (26.10.2017/alc/a/a)





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