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US-Zinsanhebung und die Bedeutung eines einzelnen springenden Punktes!


14.06.18 09:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Gestern Abend um 20:00 Uhr verkündete die US-Notenbank, den Leitzins zum siebten Mal in diesem Zyklus um 25 Basispunkte auf nunmehr 2,00% anzuheben, so Bernd Krampen von der Nord LB.

Damit sei gerechnet worden - alle von Bloomberg befragten Analysten und Volkswirte seien davon ausgegangen.

Der Fokus habe sowieso auf der Frage gelegen, wie zügig die nächsten Zinsanhebungen vorgenommen würden. Konkret sei es darum gegangen, ob in 2018 mit drei oder vier Hikes zu rechnen sei. Dazu hätten die Projektionen der FOMC-Mitglieder ein marginal neues Bild geliefert: Hätten die Notenbanker zur März-Sitzung noch angegeben, in 2018 mehrheitlich drei Zinsschritte für angemessen anzusehen, hätten sich die Gremiumsmitglieder (im Median) nun davon überzeugt gezeigt, im laufenden Jahr vermutlich vier Zinsanhebungen vornehmen zu wollen. Dabei sei ein einzelner nach oben wandernder Punkt im Chart der Projektionen (Dot Plots) der "springende Punkt" des gestrigen Abends!

Begründet worden sei der Zinsschritt mit Anpassungen in den Projektionen für Ende 2018 des BIP-Wachstums und der Inflationsrate (nach oben) sowie der Arbeitslosenquote (nach unten). Da aber die Projektionen für Ende 2020 zum Peak nicht angerührt worden seien, würden die Aussichten mittelfristig konstant bleiben - nur kurzfristig werde mit einer rascheren Beschleunigung gerechnet.

Weitere Hinweise für die zukünftig zu erwartende Geldpolitik habe man sich vom FOMC-Statement erhofft. Tatsächlich seien aber nur wenige Textpassagen verändert worden. So sei angemerkt worden, dass der Leitzins in absehbarer Zeit nicht mehr unterhalb des neutralen Niveaus notieren werde.

Powells Presseauftritt sei erwähnenswert, da ab 2019 nach jeder Sitzung eine Pressekonferenz stattfinden werde - die Projektionen aber nur einmal je Quartal aktualisiert würden. Insofern werde es weiterhin höchst wichtige Sitzungen (mit den Projektionen) und wichtige Sitzungen (ohne) geben.

Eine BIP-Wachstum und eine Inflationsrate von aktuell jeweils 2,8% Y/Y sowie eine Arbeitslosenquote von 3,8% würden tatsächlich eine sukzessive Normalisierung der Geldpolitik erfordern. Dass es in 2018 zu insgesamt vier Hikes kommen werde, sei nochmals leicht wahrscheinlicher geworden. Allerdings möchte die FED nicht den Bogen überspannen und die nächste Rezession auslösen. Globale Verunsicherungen gebe es derzeit ohnehin ausreichend (US-Handelspolitik, Italien, Iran).

Insofern könne die aktuelle Lage für vier Zinsschritte in 2018 sprechen - aber das müsse nicht in drei oder sechs Monaten noch der Fall sein. Mindestens eine Zinsanhebung sollte im 2. Halbjahr folgen, es könne aber auch eine Pause eingelegt werden, wenn es an den Märkte etwas rumple. Gut vorstellbar sei auch, dass angesichts starker Konjunktur- und Inflationsdaten im September eine Zinsanhebung vorgenommen werde, aufgrund rückläufiger Inflationszahlen ab Herbst aber im Dezember eine Pause eingelegt werde. Der konkrete Pfad werde von der Konjunktur, der Inflation sowie der Entwicklung der Handelskonflikte und der Finanzmärkte abhängen.

Die Marktteilnehmer scheinen diese Anpassungen ohnehin weitgehend eingepreist zu haben, so die Analysten der Nord LB. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sei nur kurz über die Marke von 3,00% gesprungen - der Euro sei nur kurz unter 1,1730 USD getaucht - um heute Morgen wieder auf Vortagesniveau zu notieren.

Wie erwartet habe die US-Notenbank den Leitzins auf 2,00% angehoben. In den Projektionen würden die Notenbanker für dieses Jahr nun vier statt bisher drei Leitzinsanhebungen für angemessen halten - ein einzelnes Gremiumsmitglied habe für die Veränderung des Medians gesorgt. Dies habe die Wahrscheinlichkeit für vier Hikes in 2018 natürlich erhöht, allerdings bleibe der konkrete Pfad abhängig von der Entwicklung der Konjunktur, der Inflation, der Finanzmarktkonditionen sowie generell der Politik. Eine rückläufige Inflation ab dem Herbst, eine Zuspitzung der Handelskonflikte oder ein Aufflammen einer europäischen Krise wären zumindest denkbare Argumente für die FED einmal abzuwarten. (14.06.2018/alc/a/a)