Erweiterte Funktionen

US-Konjunktur auf Hochtouren - Der nächste Zinsschritt am 26. September?


14.09.18 13:15
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die US-Konjunktur läuft dank der Steuerreform der Trump-Regierung auf Hochtouren, so Daniel Schär, CFA bei der Weberbank.

Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe, der ein wichtiger und zuverlässiger Gradmesser für den Zustand der Wirtschaft sei, habe zuletzt den höchsten Stand seit 14 Jahren markiert. Der Arbeitsmarkt signalisiere Vollbeschäftigung, und die durchschnittlichen Stundenlöhne hätten mit 2,9 Prozent auf Jahresbasis den höchsten Anstieg seit dem Ende der Finanzkrise im Jahr 2009 verzeichnet. Wenn eine Konjunktur unter Volldampf auf einen zunehmend leergefegten Arbeitsmarkt treffe, dann steige klassischerweise der Druck auf die Löhne. Lange Zeit habe dieser Effekt durch globalisierte und automatisierte Wertschöpfungsketten begrenzt werden können.

Diesen Trend beobachte die amerikanische Notenbank (FED) sehr genau, da durch steigende Löhne Inflationsdruck ausgelöst werden könnte. Auch eine weitere Eskalation im Handelskonflikt habe das Potenzial, durch steigende Importkosten für ausländische Güter die Inflation zu beschleunigen. Auf der kommenden Sitzung der FED am 26. September werde somit mit großer Wahrscheinlichkeit der nächste Zinsschritt - auf dann 2,25 Prozent - erfolgen. Ein weiterer Anstieg werde zum Jahresende erwartet. Interessanter sei der Blick auf das kommende Jahr: Die Analysten der Weberbank würden eine vorsichtigere Gangart der Notenbank und eine Verlangsamung des Tempos der Zinsanstiege erwarten, da ein weiterer dynamischer Anstieg der Zinsen die Investitionsneigung der Unternehmen eintrüben und damit den brummenden Konjunkturmotor abwürgen könnte.

Betrachte man den Rest der Welt, so sei das wirtschaftliche Umfeld nicht unisono positiv. In Europa seien die Frühindikatoren - nach den überzogen hohen Erwartungen des Vorjahres - weiter auf Konsolidierungskurs. Der private Konsum, der lange Zeit ein wesentlicher Pfeiler des Aufschwungs gewesen sei, entwickle sich weniger dynamisch. In Deutschland sei ein merklicher Rückgang der Auftragseingänge festzustellen. Vor allem aus dem nichteuropäischen Ausland, speziell aus China, seien deutlich weniger deutsche Industriegüter geordert worden. Da der Außenhandel die Achillesferse der deutschen Wirtschaft sei, gelte es, die Entwicklung in den kommenden Monaten eng zu verfolgen. Aktuell gehen wir sowohl für die Eurozone als auch für Deutschland von einem Wirtschaftswachstum von ca. 2 Prozent in diesem Jahr aus, so die Analysten der Weberbank. Die EZB habe ihren im Sommer avisierten Kurs bekräftigt. Ab Oktober würden die monatlichen Anleihenkäufe halbiert und zum Ende des Jahres komplett eingestellt.

Auch in den Schwellenländern lasse sich das positive Bild des Vorjahres leider nicht fortschreiben: Steigende US-Zinsen, ein starker US-Dollar und insbesondere der schwelende Handelskonflikt zwischen China und den USA würden das Wirtschaftsumfeld belasten. Hinzu kämen politische Probleme und handfeste Krisen in einigen Ländern. Die Wachstumserwartungen für die Schwellenländer seien in den letzten Monaten auf 4,8 Prozent nach unten angepasst worden. Das sei im internationalen Vergleich immer noch ein respektabler Wert und werde vor allem durch die großen und weniger stark strauchelnden Länder wie China oder Indien erreicht.

An den Aktienmärkten sei, analog dem Konjunkturumfeld, eine ähnliche Zweiteilung der Welt festzustellen. US-Aktienwerte würden nahe ihren Höchstständen notieren, während die restlichen Märkte in eine Konsolidierungsphase eingetreten seien. Unter den großen Industrienationen würden die USA mit zweistelligen Kursgewinnen seit Jahresbeginn eindrucksvoll führen. Die meisten anderen Länder, unter anderem auch Deutschland, würden seit Jahresbeginn im Minus notieren. Auch hier sei die Steuerreform von Donald Trump der Auslöser dieser Entwicklung, da dadurch amerikanischen Unternehmen ein deutlich dynamischerer Gewinntrend ermöglicht worden sei. Das werde sich nicht ewig fortschreiben lassen, aber für dieses und nächstes Jahr seien die Effekte sehr positiv.

Seit einigen Monaten würden die Analysten der Weberbank international einen Favoritenwechsel bei den Investoren feststellen: Zyklische Werte und Technologieunternehmen seien in der Gunst der Anleger gesunken. Dagegen würden sich Aktien mit Defensivcharakter, die lange Zeit vernachlässigt worden seien, wieder einer gestiegenen Beliebtheit erfreuen. Da sich in Europa zusätzlich das charttechnische Umfeld eingetrübt hat, haben auch wir den Anteil zyklischer Aktien im Portfolio reduziert, so die Analysten der Weberbank. (14.09.2018/alc/a/a)