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USA: Die strategische Evaluierung der Geldpolitik


31.08.20 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Im Schatten des alljährlichen Treffens der Notenbanker in Jackson Hole ergab die zweite Schätzung des US-BIP-Wachstums für das zweite Quartal eine Aufwärtsrevision, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Insbesondere der persönliche Konsum, aber auch die Lagerbestände hätten sich weniger ausgeprägt reduziert als noch zuletzt angenommen, sodass der BIP-Rückgang statt 9,5% p.q. (annualisiert 32,9%) "nur" 9,1% p.q. (annualisiert 31,7%) betragen habe. Der Blick sei damit vollständig auf die nächsten Quartale gerichtet. Mit dem Beschäftigungsbericht werde Ende laufender Woche ein erster harter Gradmesser für die Konjunkturdynamik im Monat August veröffentlicht. Zuletzt hätten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfen keine wesentlichen Verbesserungen widergespiegelt, sodass sich die geringere Dynamik vom Juli auch im August fortsetzen sollte. Die Beschäftigung habe im Juli noch 12,9 Mio. unter dem Vorkrisenniveau bei einer Arbeitslosenquote von 10,2% gelegen.

Ein weiteres Highlight bilde der ISM-Index, welcher den Reigen der Stimmungsindikatoren für den Monat August komplettiere. Dieser habe bislang eine anhaltend positive Expansionsdynamik sowohl im Verarbeitenden als auch im Nicht-Verarbeitenden Gewerbe gezeigt. Bereits verfügbare PMIs (IHS Markit) hätten zuletzt positiv überraschen können, sodass auch die ISM-Indices solide über der 50-Punkte-Marke zu erwarten seien, wenn auch etwas niedriger als noch im Vormonat. Nichtdestotrotz würden Umfragen unter Konsumenten eine getrübte Stimmungslage (Conference Board) zeigen, was auf eine Verlangsamung der bislang stark konsumgetriebenen Konjunkturerholung hindeute.

Die Notenbanken-Konferenz in Jackson Hole habe den lang erwarteten Abschluss der strategischen Evaluierung der Geldpolitik mit sich gebracht. Wesentliche Änderungen würden die Evaluierung des Arbeitsmarkts, die Definition des Inflationsziels sowie die Erwartung häufigerer Phasen von Leitzinsen an der Nullzinsgrenze betreffen. Im Fokus der Märkte stehe die Entscheidung, ein durchschnittliches Inflationsziel von 2% zu verfolgen. Dies impliziere, dass Phasen moderater Preisdynamik, wie während der letzten Jahre, von Phasen erhöhter Inflationsraten (>2%) gefolgt würden, ohne geldpolitisch gegenzusteuern. Leitzinsen würden demnach für eine längere Zeit an der Nullzinsgrenze bleiben und selbst sehr enge Arbeitsmärkte nicht unabhängig von der Inflationsentwicklung geldpolitische Maßnahmen erzwingen.

Die Entscheidung sei nicht unerwartet gekommen und könne als dovish kategorisiert werden. Im aktuellen Umfeld, in welchem Markterwartungen ohnehin eine lange Phase der Nullzinspolitik erwarten würden, habe dies jedoch zu keinem Abwärtsdruck auf die Renditen geführt. Die Renditekurve habe sich vielmehr versteilt, sollte doch eine größere Toleranz überschießender Inflation die Inflationserwartungen erhöhen und somit auch die nominellen Renditen. Entscheidend werde sein, ob dieser langfristigen Weichenstellung auf der nächsten Zinssitzung im September Maßnahmen zur weiteren Lockerung folgen würden. In den letzten Wochen hätten FOMC-Mitglieder unterschiedliche Möglichkeiten zur Adaptierung der Forward Guidance diskutiert und eine Einführung nach dem Abschluss der strategischen Evaluierung in Aussicht gestellt. (Ausgabe vom 28.08.2020) (31.08.2020/alc/a/a)