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USA: Inflation bleibt moderat und erlaubt es der FED abzuwarten


12.06.19 15:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Vor wenigen Minuten wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Daten zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekannt gegeben, berichten die Analysten der Nord LB.

Demnach sei es im Mai zu einem Anstieg um 0,1% M/M gekommen. Die Jahresrate sei auf 1,8% zurückgegangen. Im Sommer letzten Jahres habe sie noch bei fast 3%, im Februar bei 1,5% gelegen. Die Verbraucherpreise exklusive Nahrung und Energie hätten ebenfalls ein Plus von 0,1% M/M verzeichnet - die Jahresrate sei leicht auf 2,0% gefallen.

Die Zahlen hätten leicht unter den Erwartungen gelegen: Nach dem Tiefpunkt im Februar bei 1,5% habe sich die Inflationsrate im Zuge des seit Ende Dezembers deutlich gestiegenen Ölpreises erneut nach oben bewegt. Im Mai allerdings sei der Benzinpreis wieder zurückgegangen. Zudem habe es einen entlastenden Basiseffekt gegeben, der mitverantwortlich für den Rückgang der Inflationsrate gewesen sei.

In den kommenden Monaten sei zunächst mit einer Seitwärtsbewegung der Inflationsrate bei knapp unter 2% zu rechnen. Allerdings könnten sich bald sukzessive erste preistreibende Effekte durch die Zollanhebungen zeigen. Ab dem Herbst sollten sich zusätzlich Basiseffekte bemerkbar machen, da niedrigere Vorjahresniveaus sukzessive aus der Statistik herausfallen würden, was die Inflationsrate höher treiben lasse. Entsprechend müsse ab diesem Zeitpunkt wieder mit einer Rate von 2,5% gerechnet werden.

Moderat bleibe auch die Kerninflationsrate bei einer Jahresrate von 2,0%. Allerdings rechnen die Analysten der Nord LB im Jahresverlauf aufgrund eines engen Arbeitsmarktes, der Lohnzuwächse und steigender Mieten mit einem gewissen Anziehen. Diese zu erwartende Entwicklung entspreche der von Jerome Powell aufgezeigten, dass niedrige Inflationsraten nur ein vorübergehendes Phänomen seien.

Aktuell lege die FED zu Recht eine Zinspause ein. Neben der moderaten Inflationsentwicklung spreche auch die Verunsicherung über die weitere konjunkturelle Entwicklung gegen eine restriktivere Zinspolitik. Anders ausgedrückt: Trotz eines starken Arbeitsmarktes und eines stabilen Konsums treibe das Preisniveau nicht deutlich in die Höhe. Eigentlich sei dies ja ganz positiv.

Entscheidend für die Geldpolitik scheine nun der Handelskonflikt zu sein, doch die Implikationen höherer Importzölle seien letztlich nicht eindeutig: Einerseits würden sie die Produkte in den USA - sowohl für die dortigen Unternehmen als auch Konsumenten - verteuern und die Inflation höher treiben. Davon sei ab den kommenden Monaten auszugehen. Andererseits könnte eine konjunkturelle Abschwächung aufgrund zunehmender Verunsicherung die Inflation drücken. Die Federal Reserve stünde demnach vor einem Dilemma, beide Effekte korrekt abzuschätzen. Eine überhastete Zinssenkung würde sich im Falle einer darauf folgenden möglichen Einigung zwischen den Handelspartnern - vielleicht sogar durch einen Tweet Trumps - als falsch herausstellen können.

Die Konsumentenpreise in den USA hätten den vierten Monat in Folge angezogen. Mit einem Plus von 0,1% M/M im Mai sei die Jahresrate wieder unter die wichtige Marke von 2% zurückgegangen, was auch an einer moderateren Entwicklung beim Ölpreis liege. Perspektivisch dürften sich Basiseffekte bemerkbar machen, die zusammen mit den höheren US-Importzöllen den Preisauftrieb verstärken würden. Mit einem anhaltend engen Arbeitsmarkt, den Lohnzuwächsen und steigenden Mieten dürfte sich die Inflation zum Jahresende in Richtung 2,5% bewegen. Die Federal Reserve warte derzeit zu Recht ab. Das Thema Handelskonflikt sei eskaliert und schwer abschätzbar: Eine Lösung könnte wieder grünes Licht für die Konjunktur - eine anhaltende Zuspitzung die Gefahr gar einer deutlichen Konjunktureintrübung bedeuten. Entsprechend sollte die FED jetzt abwarten und nicht im falschen Moment den falschen Schritt unternehmen. (12.06.2019/alc/a/a)