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Türkische Staatsanleihen: Rendite auf Rekordniveau


10.08.18 16:55
Börse Stuttgart

Stuttgart (www.anleihencheck.de) - Die türkischen Finanzmärkte stecken in einer ernsten Krise, so die Börse Stuttgart.

Die Türkische Lira rutsche auf immer weitere Rekordtiefstände gegenüber dem Euro und dem US-Dollar. In der Nacht zum Dienstag hätten für einen Euro erstmals mehr als sechs Türkische Lira gezahlt werden müssen. Am Donnerstag sei der Euro-Kurs in der Spitze bis auf 6,58 Lira gestiegen, am Freitagvormittag kurzzeitig sogar auf 7,20 Lira.

Auch der Anleihemarkt gerate zunehmend unter Druck: Ebenfalls am Dienstag sei die Rendite der 10-jährigen türkischen Staatsanleihe auf über 20 Prozent gestiegen - ein Rekordhoch. Dass die türkische Währung derzeit so stark auf negative Nachrichten reagiere, würden Experten als ein Zeichen für das zunehmend schwindende Vertrauen ausländischer Investoren in die Türkei sehen. Die Lira sei in den letzten Tagen zum einen durch die Sanktionen der USA auf einzelne türkische Minister und den entsprechenden Gegenmaßnahmen der Türkei belastet worden. Der Streit zwischen den beiden Ländern habe vergangene Woche eskaliert, als Ankara den seit eineinhalb Jahren inhaftierten US-Pastor Brunson auf Antrag nicht habe entlassen wollen.

Zum anderen belaste auch die Geldpolitik der Türkischen Zentralbank: Diese habe den Leitzins, der derzeit bei 17,75 Prozent liege, auch Ende Juli nicht angehoben. Experten würden das angesichts der steigenden Inflation, die im Juli bei 15,9 Prozent gelegen habe, jedoch für dringend nötig halten. Stattdessen habe die Zentralbank zu Beginn der Woche auch noch den Anteil der Mindestreserven für türkische Banken von 45 auf 40 Prozent verringert, um den Druck auf die Währung zu mindern. Die rasante Abwertung der Lira drohe inzwischen den Kapitalpuffer der Banken aufzuzehren: Sollte der Dollar auf 7,10 Lira steigen, hätten die Institute keinerlei Sicherheitspolster mehr, hätten Experten von Goldman Sachs gewarnt. Der ökonomische Kollaps der Türkei rücke immer näher. (10.08.2018/alc/a/a)