Türkei: Überraschend kräftige Zinssenkung der Notenbank


13.08.19 09:00
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Juli sah eine kräftige Erholung am türkischen Aktienmarkt und bei der Türkischen Lira, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Der Aktienindex in Istanbul sei um mehr als 6% gestiegen und ähnlich stark habe auch die Lira aufgewertet. Ein maßgeblicher Faktor dabei dürfte der starke Rückgang der Inflation gewesen sein, die im Juni auf 15,7% zurückgegangen sei, volle 3 Prozentpunkte weniger als im Mai. Die Notenbank habe daraufhin, wie von Präsident Erdogan seit langem gefordert, Ende Juli kräftig die Zinsen gesenkt: Von 24% auf 19,75%. Das sei bei weitem mehr gewesen, als die Märkte erwartet hätten. Die Entlassung des Notenbankchefs durch Präsident Erdogan Anfang des Monats dürfte wohl nicht unerheblich dazu beigetragen haben. Die Wirtschaftsdaten würden allerdings bislang noch keine durchgreifende Besserung zeigen. Die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmern habe sich abermals verschlechtert und die Kapazitätsauslastung sei weiter rückläufig.

Unterdessen bohre die Türkei trotz Protesten Zyperns und Sanktionsdrohungen der EU unter dem Schutz türkischer Kriegsschiffe unmittelbar vor Zypern nach Öl und Gas. Aus Ankaras Sicht seien das selbstverständlich türkische Gewässer. Ebenso unbeeindruckt zeige man sich weiterhin von amerikanischen Sanktionsdrohungen. Zwei von insgesamt fünf russischen S-400 Flugabwehrsystemen hätten im Juli in der Türkei eingetroffen. Der Vorschlag von US-Außenminister Pompeo, die Türkei könne Sanktionen immer noch vermeiden, indem sie die beiden mehr als 2 Milliarden Dollar teuren Flugabwehrsysteme nicht aktiviere, wirke schon etwas absurd. (Ausgabe August 2019) (13.08.2019/alc/a/a)