Türkei: Erhöhung der Leitzinsen reicht nicht aus, um derzeitige Inflationsrate auszugleichen


30.09.20 12:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nur kurz hielt die Erholungsphase der Türkischen Lira an, bevor sie gestern auf Rekordtiefs gegenüber dem Euro fiel, so die Analysten von Postbank Research.

Etwas überraschend, da die Türkei konjunkturell die COVID-19-Pandemie wesentlich besser zu verkraften scheine als noch vor Kurzem erwartet. Einer der Gründe für die Schwäche der Währung seien die negativen Realzinsen in der Türkei. Zwar habe die dortige Nationalbank am vergangenen Donnerstag für viele Marktbeobachter überraschend die Leitzinsen von 8,25 Prozent auf 10,25 Prozent erhöht. Die Erhöhung reiche allerdings nicht aus, um die derzeitige Inflationsrate von 11,8 Prozent auszugleichen.

Die Türkische Lira leide zudem unter geopolitischen Entwicklungen. Das Wiederaufflammen des Konflikts um Bergkarabach, in den die Türkei involviert werden könnte, verunsichere die Investoren aktuell stark. Da die Talfahrt der Türkischen Lira noch nicht beendet erscheine, würden die Analysten zurzeit trotz deutlicher Kursgewinne des türkischen Aktienleitindex seit den Tiefs im März und des hohen Zinsniveaus noch von Investments in der Türkei abraten. (30.09.2020/alc/a/a)