Erweiterte Funktionen

Staatsanleihen: Konstante bis leicht fallende Renditen für Deutschland erwartet


27.11.19 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - An unserer grundsätzlich bullishen Meinung hat sich nichts geändert; die PMIs haben sich zuletzt sowohl in Europa als auch den USA wieder verbessert und auch im Handelsstreit scheint zumindest keine Eskalation am Plan zu stehen (wenn auch der Optimismus hier für unseren Geschmack etwas überzogen ist), was unsere Sichtweise eher bestätigt, weshalb wir die Gewichtungen innerhalb des Aktiensegments des globalen Portfolios unverändert belassen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In den vergangenen Wochen hätten sich die Renditen von deutschen Staatsanleihen stark erhöht. Verglichen zu ihrem tiefsten Stand in der Geschichte Anfang September würden sie nun wieder rund 40 Basispunkte höher notieren. Kürzlich hätten mehrere EZB-Ratsmitglieder zu verstehen gegeben, es werde nun eine Politik der ruhigen Hand favorisiert, bei der die Analysten der RBI bis Ende des Jahres keine weitere Zinssenkung erwarten würden.

Nichtsdestotrotz werde es Impulse am Staatsanleihenmarkt geben, allen voran das neue QE-Programm. Die Wideraufnahme der Anleihekäufe mit November werde den Druck auf die Renditen erhöhen und tendenziell zu niedrigeren Renditen führen. Für Deutschland würden die Analysten der RBI konstante bis leicht fallende Renditen erwarten. In den weiteren Euroländern seien die Nettoanleihekäufe bereits großteils eingepreist. In Italien jedoch sähen die Analysten noch Potenzial für niedrigere Renditen, da die Risikoprämie hier aktuell noch relativ hoch bewertet sei, dementsprechend würden die Analysten der RBI ihre Übergewichtung beihalten. Aufgrund des höheren Cashflows würden sie grundsätzlich Staatsanleihen der Peripherieländer gegenüber denen der Kernländer bevorzugen.

Das mit November wieder aufgenommene Nettoankaufsprogramm der EZB sollte im Rahmen des CSPP auch positive Effekte auf den EUR Credit-Markt ausstrahlen. Auf der Suche nach Renditen sähen die Analysten der RBI aus Top-Down Betrachtung (konstruktive Einschätzung für Rsiky Assets generell) vor allem das High-Yield-Segment als möglichen Profiteur. Dementsprechend würden sie ihre Positionierung für EUR High-Yield beibehalten (Übergewichtung).

Unser Ausblick für 2020 (globale Industrie-Konjunktur dreht nach oben, Risky Assets steigen) legt ein klares Übergewichten der Industriemetalle (steigende Industrie-Nachfrage) und ein klares Untergewichten von Gold nahe (letzteres verliert Notenbankunterstützung sinkender Zinsen), so die Analysten der RBI. Kurzfristig sähen die Analysten zwar noch ein gewisses Restrisiko von Rückschlagen in den Handelsgesprächen USA/China und einer kurzfristigen Aktienmarktkorrektur nach dem steilen Anstieg seit Anfang Oktober (deshalb vorerst noch neutral); für 2020 werde dieser Pair-Trade aus Sicht der Analysten aber der beste Performancebringer sein (solange die Konjunktur nicht neuerlich wegbreche). Den Ölpreis (neutral) erwarte man dagegen weiterhin um die aktuellen Niveaus und damit nicht besonders attraktiv: Einer wachsenden Nachfrage stehe (2020 sogar noch zunehmende) Überproduktion gegenüber, die von der OPEC+ derzeit zwar kompensiert werden könne, aber in Summe wenig Preisdynamik zulasse. (Ausgabe vom 26.11.2019) (27.11.2019/alc/a/a)