Sind die Erwartungen auf eine Serie von US-Leitzinssenkungen übertrieben?


19.07.19 10:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Dominierten noch vor Kurzem die Sorgen vor einem deutlichen Konjunkturabschwung in den USA, so fielen in jüngerer Zeit einige Konjunkturdaten überraschend gut aus, so die Analysten von Postbank Research.

Der gestern veröffentlichte Philadelphia FED Index für Juli habe diesbezüglich noch einen drauf gesetzt. Er sei unerwartet stark von 0,3 auf 21,8 Punkte gestiegen. Damit habe er seinen höchsten Stand seit einem Jahr erreicht und befinde sich nunmehr wieder auf einem Niveau, das auf ein sehr solides Wachstum im Verarbeitenden Gewerbe der Region hindeute. Vor allem aber sei der stärkste Monatsanstieg des Indikators seit Juni 2009 zu verzeichnen gewesen, als sich die US-Wirtschaft aus der "Großen Rezession" herausgearbeitet habe. Auffallend sei zudem, dass die Subindices für die Zahl der Beschäftigten sowie für die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden ebenfalls nicht nur steile Anstiege zu verzeichnen gehabt hätten, sondern jeweils auch sehr hohe Niveaus erreicht hätten, was auf eine spürbar steigende Kapazitätsauslastung schließen lasse. Dies werde die FED zwar kaum davon abhalten, auf ihrer geldpolitischen Sitzung Ende dieses Monats ihren Leitzins zu senken. Sollten die Konjunkturdaten in der näheren Zukunft aber auch nur annähernd so gut ausfallen wie der Philly FED, dürften die derzeitigen Erwartungen auf eine Serie von US-Leitzinssenkungen jedoch auf den Prüfstand kommen.

So weit sei es derzeit aber noch nicht. Der unerwartete und deutliche Rückgang des Indexes der US-Frühindikatoren im Juni um 0,3% gegenüber dem Vormonat weise nämlich im Gegenzug darauf hin, dass die US-Konjunktur doch eher schwierigeren Zeiten entgegensehe.

Zum Wochenschluss stehe mit dem US-Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan ein weiterer Sentimentindikator zur Veröffentlichung an. Die Analysten von Postbank Research würden davon ausgehen, dass sich dieser im Juli mit 98,2 Punkten auf dem Vormonatsniveau bewegen sollte.
(19.07.2019/alc/a/a)