Russische Zentralbank senkt Leitzins auf 6%, eine letzte Lockerung für März erwartet


14.02.20 09:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Am 7. Februar senkte die Russische Zentralbank (CBR) den Leitzins um 25 Basispunkte (BP) auf 6,00%, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dies sei früher als erwartet geschehen (d.h. im Februar und nicht erst im März). Außerdem habe die CBR nach ihrer Zinssitzung vom vergangenen Freitag klargemacht, dass eine weitere Senkung im März wahrscheinlich sei. Die meisten Argumente der CBR hätten mit dem hohen Tempo der Desinflation zusammengehangen. Die Analysten würden jedoch glauben, dass die CBR diese Zinssenkung auch vorgenommen habe, um den verbesserten fundamentalen Faktoren endlich Rechnung zu tragen (z.B. dem weiterhin risikoarmen Umfeld für Russland).

Auch wenn mehrere Faktoren einer tiefgehenden Lockerung der Geldpolitik behindern würden (der Übergang der FED zu einer neutralen Haltung, die erwartete moderate Abschwächung des RUB (Russischer Rubel)-Wechselkurses, eine mögliche Ausweitung des fiskalischen Stimulus), habe die CBR gezeigt, dass sie tatsächlich bereit für eine weitere geldpolitische Lockerung sei. Ein Argument, das für eine Lockerung spricht, ist, dass die Desinflation schneller zu verlaufen schien als von dem Regulator erwartet, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Die CBR zögere jedoch, ihre VPI-Prognose für das Jahr in vollem Umfang anzupassen und halte sie deshalb für Ende 2020 bei 3,5 bis 4%.

Unterdessen hätten die Analysten ihre Inflationsprognose auf 3,4% p.a. bis zum Jahresende 2020 aufgrund der jüngsten Entwicklungen (Ende 2019/Anfang 2020) revidiert, die eine Schwäche im Verbrauchersegment widerspiegeln würden. Es werde erwartet, dass die Gesamtinflationsrate im Jahr 2020 unter 4% p.a. bleiben werde. Da die taubenhafte CBR-Message bei den Analysten angekommen sei, würden sie ihre Leitzinsprognose leicht ändern und nun Raum für eine weitere Senkung um 25 BP auf 5,75% im März sehen. Die Analysten würden aber glauben, dass sich der Mitte 2019 von 7,75% begonnene Lockerungszyklus sich seinem Ende nähere. Die Regulierungsbehörde könne nur dann mit tieferen Zinssenkungen fortfahren, wenn sich die oben erwähnten Annahmen der Analysten in die andere Richtung entwickeln würden. (Ausgabe vom 13.02.2020) (14.02.2020/alc/a/a)