Rückt die Zinswende ein bisschen näher?


18.01.18 12:00
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Jens Weidmann lässt nicht locker, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Zum wiederholten Male habe der Bundesbankpräsident seine grundsätzliche Kritik am Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB), das durch die nationalen Notenbanken umgesetzt werde, geäußert. Die Käufe hätten nicht vernachlässigbare negative Nebenwirkungen, habe Weidmann der "FAZ" gesagt. Schließlich seien die Zentralbanken auf diese Weise zu den größten Gläubigern der Staaten geworden. Über alle Assetklassen seien bisher ca. 2,3 Billionen Euro in Wertpapierkäufe geflossen. Das sei kein Pappenstiel! Deshalb dränge Weidmann, der im Herbst 2019 Mario Draghi an der EZB-Spitze gegebenenfalls beerben könnte, auf ein Ende der milliardenschweren Ankäufe noch in diesem Jahr. Damit gehe die Debatte über das Ende der Anleihekäufe in der Eurozone in eine neue Runde. Wie lange die Geldschleusen geöffnet bleiben würden, sei aber weiterhin ungewiss.

Rückendeckung erhalte Weidmann unter anderem von Estlands Notenbank-Chef Ardo Hansson. Nach dessen Überzeugung könnten die Ankäufe nach dem September 2018 abrupt beendet werden, ohne dass dies die Märkte stark beeindrucken würde. Auch Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hätte keine Probleme damit, die Ankäufe 2018 auslaufen zu lassen, wenn die Konjunktur weiter mitspiele. Dagegen vertrete EZB-Vizepräsident Vitor Constancio das Lager der Vertreter einer expansiven Geldpolitik. Nach seiner Lesart habe sich die EZB zwar mit der Halbierung der monatlichen Anleihekäufe auf ein neues wirtschaftliches Umfeld und eine kommende, höhere Inflation eingestellt. Das bedeute aber nicht, dass die Geldpolitik nicht für lange Zeit konjunkturunterstützend bleiben werde, habe er dem "Handelsblatt" gesagt.

Die Frage sei nun, welche Seite die Oberhand gewinnen werde. Bekanntlich habe sich ja EZB-Chef Mario Draghi nicht eindeutig geäußert, wie es ab Oktober mit der Ausrichtung der Notenbank weitergehen werde. Messe man Draghi an seinen eigenen Worten, müssten ihm eigentlich so langsam die Argumente für eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik ausgehen. Die Konjunktur brumme und die Inflation habe sich mit 1,8% im Jahr 2017 zumindest in Deutschland der Zielmarke von 2% stark genähert. Hielte diese Entwicklung an, würden sich die Spielräume der EZB einengen - und der Druck im Hinblick auf eine straffere Geldpolitik zunehmen.

Nachdem man am Markt bisher von einer echten Zinswende vielfach erst für Mitte 2019 ausgegangen sei, sei man nach entsprechenden Äußerungen von Notenbankern wie Weidmann aber nun nicht mehr so sicher. Inzwischen würden sich die Erwartungen an eine Zinsanhebung auf das Frühjahr kommenden Jahres konzentrieren. Manche würden sogar mit dem Dezember 2018 rechnen. Immerhin, die Hoffnung auf eine etwas frühere Zinswende sei da.

Indessen sei das Ankaufsvolumen in der zweiten gegenüber der ersten Januar-Woche wieder deutlich angestiegen. Im Wochenvergleich habe der Umfang von 2,9 Mrd. Euro auf rund 10 Mrd. Euro zugenommen. Insbesondere der Anteil von Corporate Bonds habe hier zugelegt und damit seien die Erwartungen bestätigt worden, weil die selbst gesteckten Obergrenzen bei den Staatsanleihen fast erreicht seien. Folglich werde dadurch die relative Bedeutung der Unternehmensanleihen erhöht, was wiederum Fragen nach deren Auswahl aufwerfe.

Es sei zu erwarten gewesen, dass die Geldpolitik der Notenbanken auch in diesem Jahr wieder die Entwicklung an den Finanzmärkten bestimmen werde. Jedoch seien viele Investoren im Falle der europäischen Notenbank (EZB) von der Diskussion um die geldpolitische Ausrichtung überrascht worden. Die Auswertung der Sitzungsprotokolle lasse den Rückschluss zu, dass die bisherigen Zinsanhebungserwartungen zeitlich vorgezogen werden müssten.

Somit werde in den kommenden Monaten u.a. das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung der Konjunktur und der Inflation im Euroraum liegen. Im Bewusstsein der Abhängigkeit zwischen der von ihm geführten Zentralbank und der EZB betone jedoch der Präsident der schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass eine Prognose, wann seine Notenbank wieder zu positiven Einlagezinsen zurückkehren werde, nicht möglich sei - und man in naher Zukunft auch nicht von den rekordtiefen Negativzinsen abrücken werde.

Im Gegensatz dazu halte die britische Notenbankerin Tenreyro in den nächsten drei Jahren einige weitere Zinserhöhungen auf der Insel für nötig. Allerdings habe sie diese Aussage durch den Zusatz relativiert: Die Zentralbank habe aber noch reichlich Zeit, bevor sie wieder eine Anhebung in Erwägung ziehen müsse. Vor dem unsicheren Ausgang der Brexit-Verhandlungen sei diese Einschränkung sogar nachvollziehbar.

Sogar aus dem Land der aufgehenden Sonne seien völlig ungewohnte Signale zu vernehmen, die ein Abrücken von der jahrzehntelang betriebenen ultralockeren Geldpolitik andeuten würden. So habe der japanische Notenbankgouverneur, Haruhiko Kuroda, am Rande eines Treffens mit den regionalen Notenbankmanagern die Inflationsentwicklung leicht optimistischer eingeschätzt und sehe die heimische Volkswirtschaft inzwischen auf einem Wachstumspfad. Befeuert worden sei diese Art der Interpretation noch durch ein zuletzt geringeres Volumen bei den Anleihekäufen der Notenbank.

Das gestern veröffentlichte Beige Book sei als Datengrundlage für das anstehende FOMC-Meeting am 30. und 31. Januar anzusehen und habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. Die Sitzung der US-amerikanischen Notenbank (FED) werde voraussichtlich bereits von dem neuen Chef, Jerome Powell, geleitet werden. Die hierbei zu vollziehende "Machtübergabe" werde an den Finanzmärkten allerdings als unkompliziert angesehen und somit werde sich an der Ausrichtung der Geldpolitik auch nur wenig - falls überhaupt - ändern. Ob es in diesem Jahr zu noch zwei oder sogar drei Zinsanhebungen kommen werde, sei somit nicht der Personalie geschuldet, sondern der weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in den USA.

Eine weitere Notenbank habe am gestrigen Abend angesichts positiver Konjunkturaussichten eine geldpolitische Straffung beschlossen. So habe die Notenbank Kanadas zum dritten Mal binnen sieben Monaten die Zinsen auf das höchste Niveau (1,25% bis 1,50%) seit 2009 angehoben und die Möglichkeit weiterer Schritte angedeutet.

In dieser Woche sei es wieder soweit. Griechenland hätte gerne eine weitere Auszahlung von 7 Mrd. Euro - und zwar als nächste Tranche des dritten Hilfspaketes über insgesamt 86 Mrd. Euro. Hierüber würden die Finanzminister der Eurozone unter der Maßgabe befinden müssen, ob bis zum 22. Januar die 110 so genannten vordringlichen Maßnahmen, zu denen sich die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras verpflichtet habe, erfüllt sein würden. Nachdem bis vor kurzem unter Berufung auf einen aktuellen Prüfbericht der EU-Kommission, der EZB und des Internationalen Währungsfonds lediglich knapp die Hälfte davon umgesetzt gewesen sei, müsse also noch nachgebessert werden.

In der Folge habe das griechische Parlament weitere Reformen verabschiedet, welche den Arbeitsmarkt, die Steuern und die Energiebranche betreffen würden. Die dabei u.a. beschlossene Einschränkung des Streikrechts sei besonders umstritten gewesen, und es sei zum "Streik für den Streik" aufgerufen worden. Begleitet worden seien die Protestaktionen auch von Ausschreitungen gewaltbereiter Demonstranten, wobei Sicherheitskräfte mit Brandsätzen und Steinen beworfen worden seien.

Zu welchem Ergebnis die Prüfungskommission am nächsten Montag kommen werde, müsse abgewartet werden. Es sollte allerdings nicht überraschen, wenn unabhängig vom Prüfungsbericht die Politiker wieder einen Weg finden würden, die Hilfsgelder zu bewilligen. Es wäre nicht das erste Mal, wenn in Bezug auf Griechenland die rosarote Brille zum Einsatz käme! Zumal Politiker beider Lager nicht müde würden zu betonen, dass Griechenland schon bald wieder in der Lage sein werde, sich an den internationalen Kapitalmärkten zu refinanzieren.

Aufgrund der steigenden Bedeutung der chinesischen Wirtschaft wolle die deutsche Bundesbank den Chinesischen Yuan in den Kreis der Reservewährungen aufnehmen. Ausschlaggebend dafür sei gewesen, dass die EZB diesen Weg bereits im vergangenen Jahr gegangen sei und für eine halbe Milliarde Euro Yuan gekauft habe. Bundesbankvorstand Andreas Dombret habe aber nicht sagen wollen, welchen Betrag die Bundesbank zu investieren gedenke. Dieses Engagement solle allerdings zunächst nur eine symbolische Bedeutung haben. Dennoch bedeute diese Maßnahme für China einen weiteren Schritt, den Yuan, auch Renminbi genannt, als weltweite Reservewährung zu etablieren. Bereits 2016 habe der Internationale Währungsfonds (IWF) den Yuan als Bestandteil seiner Sonderziehungsrechte, einer Art Kunstwährung, aufgenommen.

Dieser Schritt sei damals als "Ritterschlag" für Chinas Währung gewertet worden. Neben der chinesischen Währung würden dazu der US-Dollar, der Euro, der Japanische Yen und das Britische Pfund gehören. Allerdings sei die Aufnahme des Yuan als Sonderziehungsrecht heftig kritisiert worden, weil der Kurs des Yuan, im Gegensatz zu den anderen großen Währungen, nur in engen Grenzen schwanken dürfe. Die chinesische Notenbank übe also weiterhin großen Einfluss auf den Wechselkurs ihrer Währung aus.

Die Folgen der umstrittenen Steuerreform von D.T., dem Unberechenbaren, bekomme die Kreditwürdigkeit der USA bereits jetzt zu spüren. So begründe die chinesische Ratingagentur Dadong die Herabstufung der US-Bonität mit der schwindenden Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Refinanzierung der bestehenden Schulden. Dieser Trend verschlimmere sich laut Dadong durch die massiven Steuersenkungen zusätzlich. Als Konsequenz habe die Ratingagentur in Peking die Bonitätsnote der USA von "A-" auf "BBB+" (mit Ausblick "negativ") gesenkt, womit eine weitere Abstufung drohe.

Während die Steuerreform dazu führe, dass der Finanzierungsbedarf der USA zusätzlich steige, würden Zinsanhebungen der US-Notenbank FED sowie deren allmähliche Bilanzreduzierung die Refinanzierung für den Staat teurer machen, würden die Ratinganalysten argumentieren. Auf lange Sicht sehe Dadong den US-Schuldenberg damit als unkalkulierbaren Faktor an und außerdem steige das Ausfallrisiko von Jahr zu Jahr. Aufgrund des Umstands, dass China der größte Gläubiger der USA sei, sollte diese Herabstufung in Washington als deutlicher Schuss vor den Bug wahrgenommen werden.

Indessen drohe in den USA erneut ein Government Shutdown. Sollten sich bis Freitag, 19. Januar, um Mitternacht Republikaner und Demokraten nicht in letzter Minute doch noch auf einen Kompromiss zu einem erneuten Übergangshaushalt einigen, käme es zur Schließung verschiedener Regierungseinrichtungen. Um die Finanzierung des Regierungsbetriebs zu sichern, würden die regierenden Republikaner den Rückhalt von wenigstens neun demokratischen US-Senatoren brauchen. Die Demokraten aber möchten sich nur verständigen, wenn sich der Präsident bei einem Schutzprogramm für Migranten mit dem Kürzel DACA bewege. Und hier sei eine Einigung wesentlich schwieriger geworden, seit Trump die Verhandlungen mit abfälligen Bemerkungen über "Drecksloch-Staaten" in Afrika und der Karibik massiv belastet habe.

Superman versus Kryptowährungen: Zugegeben, die folgende Analogie sei weit hergeholt und beruhe auch nur auf der Ähnlichkeit der Wörter. Kryptowährungen, also digitale Zahlungsmittel wie Bitcoin, hätten ihren Namen von der Kryptographie, also der Verschlüsselungstechnik. Aber sie würden wie Krypton klingen, der fiktive Heimatplanet von Superman. Na, und der habe vor allem eins zu befürchten gehabt: Grünes Kryptonit, der Supermans Körperaura schwächen und ihn schlussendlich töten würde.

Nachdem die Kryptowährung Bitcoin noch Mitte Dezember einen Superman-artigen Höhenflug erlebt habe, sei sie nun diese Woche regelrecht eingebrochen. Kursverluste von bis zu 25% an einem Tag dürfe man schon als Absturz bezeichnen. Die wachsende Furcht vor einer staatlich überfälligen Regulierung in dem Bitcoin-affinen Land Südkorea sei es gewesen, die den Kurs zum Sturz unter die 9.500 US-Dollar-Marke gebracht habe, so habe es geheißen. Außerdem sollten Meldungen, wonach China wegen des hohen Stromverbrauchs die Schaffung von Bitcoins durch Private eindämmen wolle, für den Kursverfall mit verantwortlich sein. Seit dem Rekordhoch von rund 20.000 US-Dollar Ende Dezember 2017 habe die Cyberwährung damit rund 50% ihres Wertes eingebüßt.

Aber müsse das wirklich verwundern? Der Bitcoin, der im Gegensatz zu Zentralbankgeld ausschließlich durch Private geschöpft werde, sei eine reine Spekulationsblase. Und jede Blase werde nun mal so lange aufgeblasen, bis sie platze. Der Bitcoin-Preis spiegle einzig und allein die Nachfrage nach der "Illusion des spekulativen Wertes" wider, wie Finanzexperten sagen würden. Dass die Angst vor Regulierung zu einem Kurssturz führen könne, zeige ja auch, dass die Schattenmänner im Hintergrund, die sich mit der Kryptowährung eine goldene Nase verdienen würden, Transparenz fürchten würden wie der Teufel das Weihwasser. Man könne sich sicher sein, dass sie zum Zeitpunkt des Kurssturzes ihr Geld in Sicherheit gebracht hätten. Man könne sich aber nicht sicher sein, dass man als Anleger überhaupt so einfach aus seinem Investment wieder rauskomme.

Wer Kryptowährungen handle, weiche bewusst dem staatlich regulierten und gesicherten System aus, habe Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling gesagt. Eine wirksame Regulierung von Cyber-Devisen sei nach seiner Ansicht nur durch eine größtmögliche internationale Kooperation zu erreichen. In der EU sei im Dezember mit der neuen Geldwäsche-Richtlinie ein erster Schritt erfolgt. Hier kämen doch wieder die Vorzüge eines regulierten Handelsplatzes zum Ausdruck, den man seit Jahrhunderten Börse nenne.

Insgesamt könne man konstatieren, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen digitale Schneeballsysteme seien und somit die reine Spekulation verkörpern würden. Superman hätte es wegen seiner Aversion gegenüber allem, was mit "Krypto" beginne, gewusst.

In Deutschland seien in dieser Woche wieder viele Regionen mit regnerischem, stürmischem und windigem Wetter überrascht worden. Während man besonders im Süden der Republik mit Schnee umzugehen vermöge, falle es westlichen Regionen teilweise eher schwer, sich auf den Schnee einzustellen. Das Räumen der Straßen und Wege dauere dann bekanntlich etwas länger. Am Kapitalmarkt hingegen hätten unter anderem die Deutsche Bahn Finance und der französische Autobahnbetreiber Autoroutes du Sud de la France freie Fahrt gehabt. Aber auch andere Gesellschaften wie Telefónica Emisiones, Engie und Aroundtown hätten frisches Geld am Kapitalmarkt aufgenommen.

Die Deutsche Bahn Finance habe eine 1 Mrd. Euro schwere Emission mit der Privatanleger-freundlichen Stückelung von 1.000 Euro begeben. Das Papier (ISIN XS1752475720 / WKN A2G9G4) werde am 17.12.2027 fällig und zahle den Investoren jährlich 1% Zinsen. Der Emissionsspread habe bei 99,476% gelegen, was einem Spread von +10 Bps über Mid Swap entsprochen habe. Die Anleihe sei drei Monate vor Endfälligkeit am 17.09.2027 zu 100% kündbar.

Frankreichs Autobahnbetreiber Autoroutes du Sud de la France habe ebenfalls erfolgreich 1 Mrd. Euro bis zum 22.01.2030 am Kapitalmarkt aufnehmen können. Das Unternehmen habe den Bond (ISIN XS1752984440 / WKN A19UWX) mit einem Zinssatz von 1,375% ausgestattet und das Papier zu 99,223% (+35 Bps über Mid Swap) begeben. Das Wertpapier sei neben einer Make Whole Option mit einem Kündigungsrecht am 22.10.2029 zu 100% ausgestattet.

Auch 1 Mrd. Euro habe Telefónica Emisiones am Markt für Corporate Bonds eingesammelt. Die Anleihe (ISIN XS1756296965 / WKN A19U5E) des spanischen Telekommunikation-Dienstleisters laufe bis zum 22.01.2027 und habe einen jährlichen Kupon in Höhe von 1,447%. Der Reoffer habe bei pari gelegen, was einen Emissionsspread von +58 Bps über Mid Swap bedeutet habe. Zusätzlich zur Festschreibung einer Make Whole Option sei der Bond ab dem 22.10.2026 jederzeit zu 100% kündbar.

Abschließend für diese Berichtswoche hätten Engie und Aroundtown jeweils einen Perpetual-Bond begeben. Wie auch schon Autoroutes du Sud de la France und Telefónica Emisiones seien diese Anleihen mit einer Mindeststückelung von 100.000 Euro ausgestattet und daher eher für institutionelle Investoren interessant.

Der französische Stromlieferant Engie habe einen Fix-to-Float Bond (ISIN FR0013310505 / WKN A19UWT) mit einem Emissionsvolumen von 1 Mrd. Euro aufgelegt. Das Unternehmen zahle für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt bis zum 16.04.2023 einen festen Zins in Höhe von 1,375% p.a. an die Gläubiger. Anschließend richte sich der Zinssatz nach dem 5-Jahres-Swap. Bis zum 16.04.2028 gebe es einen Aufschlag in Höhe von +1,145 PP. Fortan bis zum 16.04.2043 betrage der Aufschlag +1,395 PP und schließlich würden ab 2043 +2,145 PP addiert. Die Anleihe sei jährlich ab dem 16.04.2023 zu jedem Zinstermin zu 100% kündbar. Der Emissionspreis habe sich auf 99,376 (+114,5 Bps über Mid Swap) belaufen.

Das luxemburgische Unternehmen Aroundtown, welches Anteile an Gewerbeimmobilien in Deutschland und den Niederlanden halte, habe sich mittels einer Anleihe (ISIN XS1752984440 / WKN A19UWS) mit 400 Mio. Euro auf unbestimmte Zeit refinanziert. Bis zum 17.01.2024 werde ein Zins in Höhe von 2,125% p.a. fällig. Fortan richte sich der Zins ebenfalls nach dem 5-Jahres-Swap und bis zum 17.01.2029 gebe es einen Aufschlag von +2 PP. Dieser erhöhe sich in der Folge bis zum 17.01.2044 auf +2,25 PP und zu guter Letzt auf +3 PP. Das Wertpapier könne seitens des Emittenten jährlich ab dem 17.01.2024 jeweils zur Zinszahlung zu 100% gekündigt werden. Angeboten worden sei der Bond zu 98,174% (+200 Bps über Mid Swap).

Die Handelsaktivitäten am Rentenmarkt seien so nur von den wenigsten Investoren eingeschätzt worden und deshalb stünden viele Handelsteilnehmer bereits jetzt vor einem kleinen "Scherbenhaufen". Denn Verunsicherung mache sich breit und bei charttechnischer Analyse der Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei der langfristige Abwärtstrend zumindest kurzzeitig getestet worden. Noch sei der Durchbruch nicht gelungen, aber die Frage sei natürlich: "Wird das so bleiben?". Zumindest habe in den beiden vergangenen Handelstagen eine Gegenbewegung eingesetzt, die den Druck etwas habe abmildern können. Aber dennoch sei die Gefahr eines weiteren Abgleitens nicht zu unterschätzen.

Vieles erinnert am Bondmarkt momentan an mutige Segler, die trotz Sturmwarnung die Segel setzen und versuchen, ihr Ziel am anderen Ufer zu erreichen, so die Analysten der Baader Bank. Dies könne bekanntlich gut gehen, könne aber auch mit einem Mastbruch enden. Übertragen auf die aktuelle Situation am Bondmarkt bedeute das: Kaufen, verkaufen oder absichern? Jede Entscheidung könne kurzfristig richtig, aber bereits nach wenigen Tagen falsch sein. Somit sollte man versuchen im Wind mit zu segeln, aber auch bei Böen das Segel zu raffen und dadurch die Kontrolle über das Boot zu behalten.

Das Rentenbarometer Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) notiere zu Handelsbeginn bei 160,47% und somit unterhalb der oberen Begrenzungslinie des Abwärtstrends (161,18%), aber auch unter der ehemaligen leichten Unterstützungslinie bei 160,64%. Nach unten blickend sei erst bei der psychologischen Marke von 160% mit echter Unterstützung zu rechnen.

In dieser Handelswoche hätten interessierte Investoren in den USA zwischen den üblichen Geldmarktpapieren für nominal 135 Mrd. USD und einer inflationsindexierten T-Notes für 13 Mrd. USD wählen können. In der kommenden Woche würden neben den T-Bills auch wieder T-Notes mit einer Laufzeit von zwei, fünf und sieben Jahren angeboten.

In der Eurozone sei am gestrigen Mittwoch entsprechend dem Emissionskalender die Anleihe (ISIN DE0001102432 / WKN 110243) der Bundesrepublik Deutschland mit Endfälligkeit in 2048 um 1,5 Mrd. Euro auf 5,5 Mrd. Euro aufgestockt worden. Im Rahmen des Tenders seien Orders für insgesamt nominal 1,724 Mrd. Euro aufgegeben worden und die Zuteilung von 1,2614 Mrd. Euro sei bei einer Durchschnittsrendite von +1,28% erfolgt. Zur Marktpflege habe die Finanzagentur des Bundes allerdings 238,6 Mio. Euro zurückbehalten.

Aber auch andere Eurostaaten hätten Material zur Verfügung gestellt. So habe Belgien am Dienstag eine neue 10-jährige Anleihe (WKN A19UST) im Volumen von 5 Mrd. Euro begeben und somit eine für den 22. Januar geplante Auktion zeitlich vorgezogen. Insgesamt seien allerdings Kauforders für nominal über 20 Mrd. Euro aufgegeben worden, was einen gewissen "Anlagenotstand" vieler Investoren verdeutliche. Bereits am Montag habe die Slowakei zwei Altemissionen (ISIN SK4120010430 / WKN A1ZUZV, 2027; ISIN SK412001269/ WKN A19D6Y, 2037) aufgestockt und am heutigen Tag würden mit jeweils drei Titeln Spanien (ISIN ES0000012A97 / WKN A19P6R, 2022; ISIN ES00000128Q6 / WKN A19DZD, 2033; ISIN ES00000128C6 / WKN A18YZ6, 2046) und Frankreich (ISIN FR0011427848 / WKN A1HGEZ, 2024; ISIN FR0013238268 / WKN A19DMN, 2028; ISIN FR0011982776 / WKN A1ZKRV, 2030) diesem Beispiel folgen.

Einem guten Jahresauftakt für die europäische Gemeinschaftswährung sollten noch bessere Handelstage folgen. Trotz der verkürzten Handelswoche in den USA wegen des Feiertages zu Ehren von Martin Luther King habe sich das Währungspaar EUR/USD sehr volatil gezeigt.

So habe der Euro in den bislang wenigen Handelstagen im neuen Jahr gleich ein neues Dreijahreshoch markieren können. Bereits am vergangenen Freitag sei die Einheitswährung zeitweise bis auf 1,2218 USD gestiegen nachdem bekannt geworden sei, dass es womöglich erneut zu einer großen Koalition kommen könnte. Diesen Schwung habe der Euro auch in die neue Woche übertragen können und sei in der Folge bis auf 1,2323 USD gestiegen, den höchsten Stand seit Ende 2014. Allerdings hätten Aussagen von EZB-Vizepräsident Vitor Constancio für einen kleinen Dämpfer gesorgt, dieser habe sich besorgt über den aktuellen Höhenflug des Euro gezeigt. Daraufhin sei dieser zum Greenback bis auf 1,2209 USD zurückgefallen. Heute Morgen handle die gemeinsame Währung bei 1,2210 USD.

Auch die Entwicklung des Euro zum Schweizer Franken habe dieser Tage ein neues Dreijahreshoch erreicht. So sei der Euro zu Wochenbeginn auf 1,18328 CHF gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit der Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 CHF durch die SNB Anfang 2015. Trotz dieser Kursentwicklung habe SNB-Präsident Thomas Jordan erklärt, der Franken sei auch weiterhin zu hoch bewertet. Zur Stunde handle der Euro bei 1,1760 CHF.

Bei den Fremdwährungsanleihen hätten in dieser Woche Anleihen auf Südafrikanische Rand, Türkische Lira und Australische Dollar im Fokus gestanden, aber auch US-Dollar-Bonds würden nach wie vor verstärkt nachgefragt.

Disclaimer:

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (18.01.2018/alc/a/a)





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