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Rentenmarkt: Renditeanstieg stößt an Grenzen


08.11.19 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Rentenmarkt dürfte im Sommer sein Renditetief ausgelotet haben, so die Analysten der Helaba.

Unabhängig von wahrscheinlichen temporären Renditerückgängen in den kommenden Monaten scheine sich das Renditeniveau 10-jähriger Bunds nahe, aber unter der 0%-Marke einzupendeln. Die Korrektur bei den Zinssenkungserwartungen sei dabei ein treibender Faktor gewesen. Seien im August noch Geldmarktsätze auf Sicht von einem Jahr von -0,7% unterstellt worden, würden sich die Terminmarktsätze dem aktuellen Dreimonatssatz bei -0,4% nähern. Dass die Erwartungen in Bereiche steigen würden, die Zinsanhebungen würden wie noch im letzten Jahr implizieren, sei aber nicht zu erwarten. Zusätzlichen Treibstoff für höhere Renditen dürfte es von dieser Seite kaum geben. Inflationsraten im Euroraum von aktuell weniger als 1% würden der Geldpolitik wenig geldpolitische Bewegungsfreiheit geben. Die EZB dürfte vielmehr in Hab Acht Stellung bleiben, um weiter konjunkturelle Impulse zu geben. EZB-Chefvolkswirt Lane sehe das noch unter Draghi geschnürte Paket nicht als besonders groß an. Viele Tauben im EZB-Rat dürften die Maßnahmen ebenfalls als kaum ausreichend angesehen haben.

Unabhängig von der Frage, ob weitere Lockerungen überhaupt Sinn machen würden, spreche die Erfahrung der vergangenen Jahre dafür, dass die Geldpolitik zur Absicherung noch einen Zinsschritt gehe. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen, der Aussicht auf einen geregelten Brexit sowie der Deeskalation im Handelskonflikt, dürfte aber diese Entscheidung nicht in der ersten Sitzung des EZB-Rats unter Leitung von Lagarde getroffen werden. Wahrscheinlicher sei eine weitere, vermutlich finale Lockerung im Laufe des ersten Quartals. Die von den Analysten bis Jahresende unterstellte Gegenbewegung zum jüngsten Renditeanstieg dürfte daher geringer als erwartet ausfallen. Sie würden die Renditeprognosen für 10-jährige Bunds um 0,2 Prozentpunkte anheben. Dies sei auch der Anpassung bei den US-Kapitalmarktzinsen geschuldet. Hintergrund sei u.a. eine Erhöhung der US-Wachstumsprognosen für 2020.

Vergleiche man die monatlichen Kursveränderungen bei 10-jährigen Bunds in den letzten vier Jahren, so zeige sich mit einem Minus von über 3% zuletzt eine extreme Marktdynamik. Vorausgegangen sei im Sommer ein noch stärkeres positives Überschießen. Monatliche Kursverluste von über 2% hätten in den letzten Jahren in den allermeisten Fällen zu einem anschließenden Renditerückgang geführt. Nur in einem Fall habe sich die Rendite danach tendenziell seitwärts bewegt. Die Luft für eine Fortsetzung des Renditeanstiegs werde also dünner. Ein ähnliches Bild zeige sich auch am US-Rentenmarkt. Bei 10-jährigen Treasuries seien die jüngsten Ausschläge noch extremer als bei Bunds gewesen. Auch hier spreche die Historie eher gegen einen weiteren spürbaren Renditeanstieg. (08.11.2019/alc/a/a)