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Rentenmärkte: Renditen konsolidieren, FED wartet ab


08.04.21 16:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das war ein mehr als solider US-Arbeitsmarktbericht mit einem Zuwachs von 916.000 neu geschaffenen Stellen im März, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Ein Schritt in die richtige Richtung, aber dem Protokoll der letzten FED-Sitzung nach zu urteilen, bleibe es ein langer Weg. Die Deutsche Bank etwa habe folgende Rechnung aufgemacht. Bis zum Vor-Corona-Spitzenniveau würden immer noch ca. 8,4 Millionen Jobs fehlen. Sollte die Geschwindigkeit vom März beibehalten werden können, dann wäre der Punkt vom Februar letzten Jahres Mitte 2022 eingeholt. Falle die Schaffung neuer Arbeitsplätze langsam aus, dann verschiebe sich das entsprechend bis ins Jahr 2023 hinein.

Trotz der ausgezeichneten Stimmung im Industrie- genauso wie im Dienstleistungssektor hätten die Renditen der zehnjährigen US-T-Notes dennoch keine neuen Höchstwerte jenseits derjenigen von Ende März (1,77%) erreichen können. Die unverändert abwartende Haltung der FED habe vielmehr zu einem Rückgang von mittlerweile ca. 12 Basispunkten geführt. Damit würden die Renditen sogar am aktuellen, recht steilen Aufwärtstrendkanal kratzen. Im Zusammenhang mit dem Infrastrukturprogramm von Joe Biden scheine man langsam aufzuwachen, denn ohne Steuererhöhungen werde das alles wohl kaum zu haben sein.

Jenseits des Atlantiks scheine demnach sehr viel der guten Nachrichten bereits eingepreist. Einzig die Wall Street verharre nahe an den Rekordständen. Wenn schon die US-Renditen nicht weiter steigen würden, dann hätten die Bund-Renditen dem erst recht nichts entgegenzusetzen. Diesseits des Atlantiks könnte man allerdings auch behaupten, dass langsam alles Schlechte eingepreist sein dürfte. Die dritte Welle zwinge Europa in erneute Lockdowns, auch wenn es "nur" Brückenlockdowns sein sollten, wie der CDU-Vorsitzende Laschet es bezeichne.

Auf der anderen Seite habe sich die Stimmung selbst bei den europäischen Einkaufsmanagern aus dem Dienstleistungssektor gebessert, auch wenn die Schwelle von 50 immer noch nicht ganz habe überstiegen werden können. Der Glaube daran, dass Europa bei den Impfungen aufholen werde, scheine ungebrochen. Immerhin mache selbst Deutschland einen Schritt in die richtige Richtung, indem nunmehr die Hausärzte begonnen hätten zu impfen.

Vorausblickend werde sich schon heute FED-Chef Jerome Powell auf einer Diskussion des IMF um die globale Wirtschaft zu Wort melden. Eine Abkehr von der gerade erst manifestierten, abwartenden Haltung gegenüber steigender Inflation dürfe man wohl kaum erwarten. Nächste Woche komme dann am Dienstag der Beleg, wenn in den Staaten die Inflationsraten für den März veröffentlicht würden. Für die Kerninflationsrate werde eine leichte Steigerung auf 1,5% in der Jahresrate erwartet. (08.04.2021/alc/a/a)