Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: Freundliche Aktienmärkte ziehen Renditen nur teilweise mit


26.11.20 16:15
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - In den USA sind die zehnjährigen T-Notes-Renditen bis gestern wieder etwas gestiegen, auf 0,88%, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Heute finde wegen des Feiertags Thanksgiving (26.11.) global nur ein sehr eingeschränkter Handel mit US-T-Notes statt. Die Bundrenditen seien im Wochenvergleich praktisch unverändert und lägen bei -0,57%. In den USA sei der Renditeanstieg von erneut steigenden Aktienmärkten begleitet gewesen. Der Dow Jones-Index habe erstmals die Marke von 30.000 Punkten geknackt. Auch in der Eurozone hätten sich die Aktienmärkte positiv entwickelt. Ob der Optimismus gerechtfertigt sei, stehe auf einem anderen Blatt. Gut für die Aktien sei sicherlich, dass die Unsicherheit zurückgegangen sei, nachdem der amtierende Präsident Donald Trump nunmehr offiziell die Transitionsphase eingeleitet, wenngleich er seine Wahlniederlage nicht eingestanden habe.

Auch die positiven Ergebnisse für einen dritten Covid-19-Impfstoff seien positiv zu bewerten. Dieser Impfstoff von AstraZeneka habe offensichtlich den großen Vorteil, dass er in weitaus größeren Mengen produziert werden könne als die Impfstoffe der Konkurrenten. Zudem könne er besser gelagert und zu erheblich geringeren Kosten produziert werden. Das seien gute Nachrichten, wenn es darum gehe, den Impfstoff weltweit zu verteilen und einzusetzen. Länder wie Indien und Brasilien könnte daher das Schicksal erspart bleiben, sich in der Schlange weit hinter den westlichen Industrieländern anstellen zu müssen, bevor sie in den Genuss von Impfstoffen kämen. Damit helle sich auch die konjunkturelle Perspektive für diese Länder weiter auf.

Die neuen Beschlüsse der Bundesregierung und der Länder, die unter anderem eine Verlängerung des milden Shutdowns bis mindestens zum 20. Dezember vorsähen, seien keine große Überraschung. Tatsache sei, dass die Neuinfektionsraten zuletzt mehr oder weniger auf einem hohen Niveau stagniert hätten, die Todesfallraten, die typischerweise den Infektionen nachlaufen würden, aber deutlich gestiegen seien. Daher bleibe das Risiko hoch, dass auch mit dem neuen Maßnahmenpaket es zu einer Überbelastung der Intensivbettenkapazitäten komme bzw. dass entsprechendes Personal fehle.

Gestern habe die Europäische Zentralbank (EZB) seinen zwei Mal im Jahr erscheinenden Finanzstabilitätsbericht vorgestellt. Die EZB stelle fest, dass die Risiken für die Finanzstabilität gestiegen seien. Dies hänge unter anderem damit zusammen, dass die EZB einige Marktsegmente für überbewertet halte und gleichzeitig die Bonität im Unternehmenssektor gefallen sei. So sei die Konkurswahrscheinlichkeit bei neu vergebenen Krediten an Unternehmen gemäß EZB von 1,5% im 1. Quartal auf 2,1% im 2. Quartal gestiegen. Gleichzeitig habe sich die Ertragsschwäche im Bankensektor verschärft. Die EZB warne außerdem davor, dass mit einem Ende von regulatorischen Ausnahmen wie etwa Moratorien für faule Kredite es zu einem Klippeneffekt kommen könnte.

Ungeachtet dieser Warnungen würden die meisten Marktteilnehmer weiterhin auf Stimulus vonseiten der EZB hoffen, die am 10.12. vermutlich ein Lockerungspaket beschließen werde. Die US-Notenbank habe in ihrem Protokoll der letzten Notenbanksitzung festgehalten, dass sie bereit sei, die Anleiheankäufe zu erhöhen, wenn es die Lage erfordert. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden davon ausgehen, dass dies spätestens im 1. Quartal 2021 der Fall sein werde, wenn sich die hohen und steigenden Infektionszahlen in Shutdowns und verminderter Aktivität niederschlagen würden. Bereits Mitte Dezember werde man bei der dann stattfindenden FED-Sitzung vermutlich Genaueres erfahren.

Anfang nächste Woche treffe die OPEC zusammen (30.11.), am folgenden Tag würden die OPEC+ Länder dazu stoßen. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden davon ausgehen, dass man die bisherigen Kürzungen verlängern werde, da die Öllagerbestände der OECD-Länder rund 200 Mio. Barrel über dem Fünfjahresdurchschnitt lägen. Diese Marke werde üblicherweise angestrebt bzw. bei diesem Niveau sehe man den Markt im Gleichgewicht.

Ansonsten werde man weiterhin auf den Brexit-Prozess schauen müssen. Hier würden sich vage Anzeichen einer Lösung andeuten. Außerdem sei auf die Corona-Zahlen zu achten, um auf künftige Shutdown-Verschärfungen oder Lockerungen zu schließen, sowohl in europäischen Ländern als auch in den USA.

Datenseitig stünden in den nächsten Tagen die Arbeitsmarktzahlen aus Deutschland, die PMI-Indices aus China und Europa sowie der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den USA an (alle Indikatoren am 01.12.). Wichtig seien auch die Einzelhandelsumsätze in Deutschland (02.12.) und die Arbeitsmarktdaten aus den USA (04.12.). (26.11.2020/alc/a/a)