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Rentenmärkte Eurozone: Die Politik bestimmt weiter das Marktgeschehen


13.07.18 10:07
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den Turbulenzen Ende Mai beruhigte sich im Juni die Lage am Euro-Rentenmarkt, so die Experten von Union Investment.

Gleichwohl sei den Marktteilnehmern das Thema Italien erhalten geblieben. Die Pläne der neuen Regierung hätten immer wieder für Verstimmung gesorgt und so größere Kursschwankungen ausgelöst. Zwischen dem höchsten und niedrigsten Renditewert der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen hätten 75 Basispunkte gelegen. Auf politischer Ebene hätten sich die Diskussionen im Euroraum vor allem um die Flüchtlingsproblematik gedreht. Hierbei hätten insbesondere die Italiener eine gerechtere Verteilung und die Sicherung der Grenzen gefordert. Auch innerhalb von Deutschland sei das Thema kontrovers diskutiert worden und habe eine handfeste Regierungskrise ausgelöst. Ein zum Ende des Monats einberufener EU-Gipfel sollte eine Lösung bringen.

Dabei habe sich gezeigt, dass es immer schwieriger werde, Europa mit einer Stimme sprechen zu lassen. In Italien habe die Diskussion vom mangelnden Reformwillen der neuen Regierung abgelenkt, sodass italienische Anleihen per saldo letztlich unverändert rentiert hätten. Insgesamt sei aber dennoch festzustellen gewesen, dass sich Peripherieanleihen abermals besser als Papiere aus den Kernländern entwickelt hätten. Hierfür sei insbesondere die hohe Nachfrage nach Anleihen aus Spanien und Portugal verantwortlich gewesen. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index habe dies für europäische Staatsanleihen ein Plus von 0,8 Prozent bedeutet. Mit Blick auf die etwas schwächeren Konjunkturdaten der letzten Monate würden die Experten bis zum Jahresende nur noch von leicht steigenden Renditen ausgehen.

Wie erwartet habe die Europäische Zentralbank das Ende des Ankaufprogramms angekündigt. Ab Oktober würden die monatlichen Käufe auf 15 Milliarden Euro halbiert und ab Januar dann gänzlich eingestellt. Fällig werdende Anleihen würden jedoch wieder angelegt, sodass dem Markt eine gewisse Unterstützung erhalten bleibe. Draghi sei auf der Pressekonferenz damit eine Glanzleistung gelungen, da das Programmende keine negative Reaktion am Rentenmarkt ausgelöst habe. Ursache hierfür sei insbesondere die gleichzeitig veröffentlichte Botschaft gewesen, dass die Leitzinsen nicht vor Herbst 2019 angehoben würden. (Ausgabe Juni 2018) (13.07.2018/alc/a/a)