Rentenmärkte: Druck auf italienische Zinsen etwas nachgelassen


22.10.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Finanzmärkte standen zum Wochenschluss unter dem Eindruck steigender US-Zinsen, zunehmender Konjunktursorgen, ungelöster Fragen in Zusammenhang mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU sowie Risiken einer unverantwortlichen italienischen Haushaltspolitik für die Eurozone, so die Analysten der Helaba.

Trotz aller Unwägbarkeiten hätten sich die Aktienmärkte nach dem jüngsten Ausverkauf zumindest stabilisieren können. Obwohl Italien keinerlei Entgegenkommen beim Haushalt gegenüber der EU erkennen lasse, habe der Druck auf die italienischen Zinsen etwas nachgelassen. Die chinesischen Aktienmärkte würden von Plänen der Regierung profitieren, die Einkommenssteuer zu senken und damit die Wirtschaft zu stimulieren.

Bundesanleihen hätten angesichts leichter Entspannungstendenzen an den Aktienmärkten etwas von ihrem Status als sicherer Hafen eingebüßt. Ultralange Laufzeiten hätten sich vergleichsweise besser gehalten. Der Abstand zwischen zehn- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 61 BP verringert. Zehnjährige Bonds aus Belgien (0,89%) und Frankreich (0,83%) hätten auf Bunds knapp 2 BP verloren.

Die Anleihemärkte der EU-Peripherie würden sich in Anlehnung an die Erholung italienischer Staatsanleihen in stabiler Verfassung präsentieren. Zwar dürfte die EU-Kommission den Haushaltsentwurf zurückweisen, der Ratingansatz von Moody‘s werde jedoch positiv gewertet. Die Ratingagentur habe die Bonität um eine Stufe gesenkt, den Ausblick aber auf "stabil" gesetzt. Der Risikoabstand zehnjähriger spanischer (1,72%) und portugiesischer Bonds (2,01%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen nur geringfügig ausgeweitet, der italienischer Anleihen (3,47%) ermäßige sich am Ende um 14 BP.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen angesichts der etwas optimistischeren Stimmung an den Aktienbörsen leicht gestiegen. Zweijährige Renditen (2,91%) seien auf den höchsten Stand seit elf Jahren gestiegen. Der Abstand zwischen fünf- und 30-jährigen Treasuries liege bei 33 BP. In Fernost würden US-Treasuries trotz freundlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienmärkten nur wenig verändert tendieren.

Der Bund-Kontrakt (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (159,26) habe 57 Stellen verloren, Bobl (131,07) und Schatz (111,915) seien 29 bzw. 7,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sei auf 0,46% gestiegen, der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen habe sich geringfügig auf 104 BP ausgeweitet. Zehnjährige US-Treasuries hätten bei 3,20% notiert. Der Euro klettere auf 1,151 USD, der Preis für das Barrel Öl steige auf 69,40 USD.

Zum Wochenstart stünden keine marktrelevanten Daten auf der Agenda. Zur Wochenmitten richte sich die Aufmerksamkeit auf die Einkaufsmanager in der Eurozone. Die EZB werde bei ihrer Sitzung am Donnerstag an der ultralockeren Geldpolitik festhalten, den Ausstieg aus den Anleihekäufen zum Jahresende jedoch bestätigen. Die zweite Wochenhälfte stehe zudem im Zeichen von Konjunkturdaten der Vereinigten Staaten. Auftragseingänge langlebiger Güter und die erste Schätzung zum BIP im dritten Quartal stünden zur Veröffentlichung an.

Am Primärmarkt biete die Finanzagentur des Bundes am Mittwoch 3 Mrd. Euro der fünfjährigen Bundesobligation an. Den Auftakt würden morgen die Niederlande mit der Aufstockung zehnjähriger DSL um 2,5 Mrd. Euro machen. Österreich sei mit fünf- oder zehnjährigen Titeln im Volumen von bis zu 4 Mrd. Euro im Gespräch. Das amerikanische Schatzamt versteigere zwei-, fünf- und siebenjährige Staatsanleihen im Volumen von zusammen 108 Mrd. USD. Italien sei zum Wochenschluss mit Zeros und Linkern am Zug. (22.10.2018/alc/a/a)