Renten: Zinserhöhung in Norwegen und robuste UK-Einzelhandelsumsätze sprechen nicht für sinkende Renditen


21.09.18 11:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit anhaltender Risikobereitschaft taten sich Bondmärkte schwer, Verluste der Vortage aufzuholen, berichten die Analysten der Helaba.

Die Zinserhöhung der Norwegischen Zentralbank um 25 BP auf jetzt 0,75% sowie die erstaunlich robusten Einzelhandelsumsätze in Großbritannien hätten zudem nicht unbedingt für sinkende Renditen gesprochen. Mit Eintritt amerikanischer Investoren habe der Verkaufsdruck nochmals zugenommen. Die unerwartet deutliche Stimmungsaufhellung im Verarbeitenden Gewerbe des Distrikts Philadelphia sowie der unverändert robuste US-Arbeitsmarkt würden Aktien auf neue historische Höchststände schicken und Zinsängste weiter anheizen.

Bundesanleihen hätten sich weitestgehend dem Druck vom amerikanischen Rentenmarkt entzogen und hätten nach einem erneuten Test die psychologisch wichtige Renditemarke von 0,50% für 10-jährige Staatstitel verteidigt. Auch das reduzierte Emissionsvolumen des Bundes im 4. Quartal habe sich stützend ausgewirkt. Die Kürzung um 2 Mrd. Euro (173 statt 175 Mrd. Euro) habe allerdings nur das Segment 2-jähriger Schatzanweisungen betroffen. Der Zinsabstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich geringfügig auf 66 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,795%) und Frankreich (0,78%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten. Umsätze seien überwiegend dem großen Angebot neuer Anleihen geschuldet gewesen. Die Versteigerungen von OATs mit Laufzeiten 02/2021, 03/2024, 05/2026 hätten die anvisierten 7,5 Mrd. Euro in die Kasse gespült und den Markt vor keinerlei Probleme gestellt.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich trotz des Angebotes neuer Anleihen in Spanien gut unterstützt präsentiert. Die Iberer hätten über SPGBs der Fälligkeiten 01/2021, 10/2022, 04/2025 und 07/2028 knapp 4,5 Mrd. Euro eingesammelt. Die Nachfrage sei bei kürzeren Fälligkeiten wesentlich höher gewesen als im 10-Jahres Segment. Erneut seien es Meldungen aus Italien gewesen, wonach die 5-Sterne-Bewegung die Koalition verlassen werde, die den Risikoappetit infrage gestellt hätten. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,505%) und portugiesischer Bonds (1,86%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um knapp einen BP ermäßigt, italienische Anleihen (2,88%) hätten 4 BP höher rentiert.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen nach positiven Konjunkturdaten weiter gestiegen. Der Philadelphia-FED-Index (22,9 nach 11,9) habe überzeugt, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (201K) seien auf den tiefsten Stand seit 48 Jahren gefallen. Trotz neuer Rekordstände von Dow Jones-Index und S&P 500 hätten sich die Anleihepreise aber im Verlauf stabilisieren können. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 24,5 BP ermäßigt. In Fernost würden US-Treasuries angesichts fester Aktiennotierungen nur knapp behauptet tendieren. Die Verbraucherpreise Japans seien in August stärker als erwartet um 1,3% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, hätten aber keine Auswirkungen auf das positive Marktumfeld.

Der PMI-Index in der Industrie sei im September nach vorläufigen Umfragen von 52,5 auf 52,9 Punkte gestiegen. Die Bank von Japan habe unerwartet das Volumen ihrer Anleihekäufe für Laufzeiten länger als 25 Jahre um 10 Bio. Japanische Yen gekürzt.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (158,86) habe 15 Stellen zugelegt, Bobl (130,83) und Schatz (111,80) seien 5 bzw. einen Tick höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,47% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 100 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP höher bei 3,07% rentieren. Der Euro klettere auf 1,178 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 70,2 Dollar.

Heute stünden die Umfragen bei den Einkaufsmanagern Frankreichs und Deutschlands im Rampenlicht, die zu einer vorläufigen Bewertung der Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe (54,5 nach 54,6) sowie im Dienstleistungssektor (54,4) des Euroraums führen würden.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Die KfW habe eine 10-jährige Anleihe im Volumen von 4 Mrd. Euro bei Midswap -14 BP begeben. ING Belgium NV/SA habe unter Mitwirkung der Helaba einen 8-jährigen belgischen Covered Bond im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap +3 BP emittiert. (21.09.2018/alc/a/a)