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Renten: Kaufprogramme der Notenbanken stabilisieren


30.03.20 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Rentensektor gaben die Renditen zumeist nach, so die Experten von Union Investment.

Die EZB habe nun am Donnerstag damit begonnen, im Rahmen ihres Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP), Anleihen anzukaufen. Die Bundkurve habe etwas steiler tendiert, die Renditen im Bereich von vier bis zehn Jahren hätten um bis zu 13 Basispunkte nachgegeben. Am langen Ende (30 Jahre) sei hingegen ein leichter Renditeanstieg zu beobachten gewesen. Lange Laufzeiten hätten letztlich eher unter Druck gestanden, da künftig eine zu erwartende Flut an Neuemissionen (induziert durch die Maßnahmenpakete) steigende Renditen nach sich ziehen dürfte. Dem stünden jedoch die Ankäufe der Notenbanken entgegen, die entsprechend Anleihematerial aus dem Markt nähmen und somit auf der Gegenseite entlasten würden.

Am Markt für US-Staatsanleihen habe sich die Zinskurve hingegen nahezu parallel über alle Laufzeiten um bis zu zehn Basispunkte nach unten verschoben.

Mit dem PEPP-Ankaufprogramm habe sich die Lage am Markt für Euro-Peripherieanleihen deutlich entspannt. Insgesamt sei der Renditetrend in der Peripherie unter dem Eindruck der EZB-Ankäufe nach unten gerichtet gewesen. Am Dienstag habe Spanien eine zehn Milliarden schwere Neuemission mit sieben Jahren Laufzeit platziert. Diese sei sehr gut nachgefragt gewesen, der Primärmarkt habe wieder einwandfrei funktioniert.

Die in der Vorwoche zu beobachtenden deutlichen Spreadausweitungen zu den Bundesanleihen hätten sich in den vergangenen Handelstagen weiter zurückgebildet. Die im PEPP beschlossene Abweichung der EZB von der Begrenzung durch den Kapitalschlüssel eröffne bei den Anleihekäufen enormes Potenzial. Zum einen sowohl für Italien als auch vor allem für die kleineren Peripherieländer. Die Marktlage habe sich aktuell insofern geändert, dass es sich gegen Ende der Woche schwieriger gestaltet habe, etwa griechische Staatsanleihen am Markt zu erwerben.

Die sich in der vergangenen Woche deutlich ausgeweiteten Renditeabstände der Peripherie zu Bundesanleihen hätten sich wieder stark zurückgebildet. So habe der Renditeabstand zwischen italienischen und bundesdeutschen Anleihen am 17. März in der Spitze bei rund 280 Basispunkten gelegen. Am letzten Freitagmittag habe der Aufschlag nur noch bei rund 170 Basispunkten gelegen. In Griechenland hätten sich die Prämien von 400 auf 190 Basispunkte eingeengt. In Portugal beispielsweise habe sich die Zehnjahresrendite mit 0,6 Prozent gegenüber dem Höchststand in der Vorwoche zwischenzeitlich wieder mehr als halbiert.

Die stark angeschlagenen Unternehmensanleihemärkte hätten sich in den vergangenen Handelstagen gut stabilisieren können. Die Ausfallerwartungen der Anleger hätten aus historischer Sicht zuvor auf noch nie dagewesenen Niveaus gelegen. Der für Euro-Investment Grade Unternehmensanleihen repräsentative ICE BofA Euro Corporate-Index dürfte einen Boden gefunden haben. Die Seitwärtstendenz sei allerdings von noch ansteigenden Risikoprämien begleitet gewesen. Unter dem Eindruck der EZB-Ankäufe und auch des Einstiegs der amerikanischen Notenbank in den US-Unternehmensanleihemarkt sei es zu einer Beruhigung gekommen. Die ersten Unternehmen hätten die Stabilisierung im Euroraum sogar zur Platzierung einiger Neuemissionen genutzt, die sehr gut bei den Anlegern nachgefragt gewesen seien. Die Renditeaufschläge seien zumeist sehr attraktiv gewesen, sodass die Anleger gerne zugegriffen hätten.

Am stark unter Druck geratenen US-Unternehmensanleihemarkt sei es nach der Ankündigung der FED-Ankäufe zu einer Erholung gekommen. Die Risikoprämien seien wieder etwas zurückgegangen, würden aber mit aktuell 330 Basispunkten (ICE BofA US-Large Corp-Index) noch weit vom Ausgangsniveau der Krise (150 Basispunkte Ende Februar) entfernt bleiben.

Ähnlich habe sich auch die Entwicklung bei den Anleihen aus den Schwellenländern gezeigt. Auch dort habe sich die Marktlage nach, auch liquiditätsbedingten, zwischenzeitlich zu beobachtenden Extrembewertungen wieder entspannt. Auch dort hätten sich die Risikoprämien nach deutlichem Anstieg wieder zurückgebildet.

Der Euro habe zum US-Dollar in der Berichtswoche vom 23. bis 27. März 2020 um 3,2 Prozent aufgewertet. (Ausgabe vom 27.03.2020) (30.03.2020/alc/a/a)